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Wirtschaft Swisscom verkauft Angestellten zusätzliche Ferientage

In der Schweiz sind vier bis fünf Wochen Ferien Realität. Für Mitarbeitende bei der Swisscom soll sich das ändern: Sie können ab dem nächsten Jahr freiwillig zusätzliche Ferientage kaufen. Wer davon Gebrauch macht, bekommt im folgenden Monat aber weniger Lohn.

Unbezahlter Urlaub, das ist grundsätzlich nichts Neues. In vielen Unternehmen kann man zum Beispiel den 13. Monatslohn in Ferien umwandeln. Doch was die Swisscom nun anbietet, sei neu.

Das sagt jedenfalls ihr Sprecher Carsten Roetz: «Mir ist in der Schweiz kein vergleichbares Beispiel für einen Ferienkauf bekannt.» Die Swisscom wolle sich innovativ als attraktiver Arbeitgeber positionieren. «Nun schauen wir mal, wie das ankommt bei den Mitarbeitenden.» Roetz bestätigt einen Bericht von «20 Minuten».

Innovativ am Swisscom-Modell sei, dass die Angestellten tageweise frei nehmen könnten. Und sie erleiden dabei weniger Einbussen beim Bruttolohn, als wenn sie einen unbezahlten Urlaub nehmen würden.

«Im Gegensatz zum Ferienkauf hat der unbezahlte Urlaub ja Leistungskürzungen zur Folge», sagt Roetz. Das sei beim Ferienkauf nicht notwendig. «Einzig der Erfolgsbonus und die AHV-Beiträge werden angepasst, da die vom effektiv ausbezahlten Bruttolohn abhängig sind.»

Der Pilotversuch betrifft 1500 der insgesamt rund 20'000 Swisscom-Angestellten. Und er dürfte etlichen von ihnen gelegen kommen. Denn in der Telecom-Branche werden zwar hohe Löhne bezahlt, aber auch die Anforderungen sind hoch: Zeitdruck und stetige Erreichbarkeit führen zu hoher Belastung.

Gute Work-Life-Balance ermöglichen

Andererseits kann sich wer gut verdient einige zusätzliche unbezahlte Ferientage leisten, um sich zu erholen. Doch damit sei es natürlich nicht getan, sagt Roetz: Die Swisscom versuche auch mit anderen Angeboten eine gute Work-Life-Balance zu ermöglichen.

«Man kann beispielsweise ganz oft Home-Office machen». Auch versuche Swisscom die Angestellten zu ermutigen, nicht rund um die Uhr zu mailen sondern ihre Auszeit zu nehmen. «Der Ferienkauf geht genau in diese Richtung: Wenn man möchte, kann man zusätzliche Ferien beziehen, man muss aber nicht», sagt Roetz. «Man ist da vollkommen flexibel.»

Logo der Swisscom.
Legende: Swisscom will sich als attraktiver Arbeitgeber profilieren. Keystone

Swisscom zieht in einem Jahr Bilanz

Dieser letzte Punkt ist auch für Bruno Schmucki von der Gewerkschaft Syndicom wichtig: «Die Leute müssen, wenn sie diese Ferientage kaufen, auch wirklich bestimmen können, wann sie die beziehen wollen.» So könne es zum Beispiel durchaus sinnvoll sein, zusätzliche Tage zu beziehen, um einen Ferienaufenthalt zu verlängern, sagt Schmucki.

Wenn das auch die Angestellten so sehen und tatsächlich viele Ferientage kaufen, dann wäre der Pilotversuch ein Erfolg. In einem Jahr will man bei der Swisscom entscheiden, ob das Angebot definitiv und für alle Angestellten eingeführt wird.

(rism)

12 Kommentare

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  • Kommentar von M. Haener, Büsserach
    Zeit ist Geld, Geld ist Zeit.., was wohl die Luft zum Atmen kosten wird..?
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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Ich sehe kein Problem. Offenbar kostet eine Woche zusätzliche Ferien weniger, als wenn er unbezahlen Urlaub nehmen würde. Bisher haben viele Firmen ewas mehr Ferien gewährt als gesetzlich vorgeschrieben. Wenn nun diese zusätzliche Ferienzeit nicht mehr gewährt würde sondern gekauft werden müsste, dann wäre das ein Rückschritt. Ich nehme aber nicht an, dass das der Fall ist.
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  • Kommentar von K. Rustem, Hong Kong
    " Swisscom" grösster Abzocker in der Schweiz! hat nun einen neuen Weg gefunden um noch mehr abzocken zu können, Angestellte müssen ihre Ferien bezahlen! Herr Minder, Sie sind mit ihrer Abzockerinitiative in eine falsche Richtung gegangen. Was den in der Schweiz lebenden Menschen viel schmerzt und sorge bereitet, sind die hohen Preise der wahren Abzocker Swisscom, SRF, Migros und Co. Ihresgleichen schmerzt der Neid auf die Manager. Freundliche Grüsse
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