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Wirtschaft Syngenta soll chinesisch werden

Die staatliche chinesische ChemChina will den Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta für rund 44 Milliarden Franken übernehmen. Der Syngenta-Verwaltungsrat empfiehlt, das Angebot anzunehmen. In den USA dürfte die Offerte für Skepsis sorgen.

Legende: Video China greift nach Syngenta abspielen. Laufzeit 1:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.02.2016.

Die chinesische ChemChina will den Basler Agrochemie-Konzern Syngenta für 43,7 Milliarden Franken kaufen. Der Verwaltungsrat von Syngenta empfiehlt den Aktionären einstimmig, das Angebot anzunehmen, wie Syngenta mitteilte.

Sollte der Deal genehmigt werden, wäre es der bisher grösste chinesische Zukauf im Ausland. Die Übernahme würde das chinesische Staatsunternehmen zu einem wichtigen Mitspieler in der weltweiten Agrochemie-Branche machen.

«Die Aktionäre würden tüchtig Kasse machen»

Das Übernahmeangebot von ChemChina besteht laut Mitteilung aus 465 Dollar in bar und einer Sonderdividende von 5 Franken pro Aktie. Die Sonderdividende wird vorbehältlich der Annahme des Angebots, aber vor dessen Abschluss ausbezahlt. Zusätzlich würden die Aktionäre von Syngenta im Mai die beantragte ordentliche Dividende von 11 Franken erhalten. Das Angebot entspricht einem Wert von 480 Franken je Aktie.

«Die Aktionäre würden bei einem Verkauf tüchtig Kasse machen», kommentiert SRF-Wirtschaftsredaktor Iwan Lieberherr das Angebot. Der Preis liege rund 30 Prozent über dem Aktienkurs der letzten Woche.

Ok steht noch aus

Das Übernahmeangebot in der Schweiz und in den USA soll in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Die Transaktion soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Der Deal muss noch von den Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden.

Laut Lieberherr könnte auch politischer Widerstand aus den USA drohen. Es stelle sich die Frage, ob das amerikanische Komitee für ausländische Investitionen dem Geschäft auch zustimmen müsse. Das US-Aufsichtsgremium, welches über Übernahmen auch unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit urteilt, gelte nicht als besonders China-freundlich.

Syngenta macht schätzungsweise einen Viertel seines Umsatzes in den USA und ist der grösste Pestizidverkäufer im Land. «Dass dann die US-Landwirtschaft teilweise quasi unter chinesischer Kontrolle stünde, dürfte nicht allen gefallen.»

Legende: Video Josef Mondl, China-Kompetenzzentrum Uni St. Gallen abspielen. Laufzeit 1:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.02.2016.

«Kein Arbeitsplatz wird abgebaut»

John Ramsay, Konzernchef ad interim, ist hingegen zuversichtlich. Seiner Meinung nach ist das Risiko, dass die Kartellbehörden die Transaktion zu Fall bringen, relativ tief. «Deutlich geringer» jedenfalls, als dies im Falle einer Kombination mit Monsanto der Fall gewesen wäre. «Dieser Deal erhöht die Auswahlmöglichkeiten für die Landwirte; bei Monsanto wäre das Gegenteil der Fall gewesen», so Ramsay.

Das derzeitige Management von Syngenta soll laut Mitteilung das Unternehmen weiterhin leiten. Ren Jianxin, Verwaltungsratspräsident von ChemChina, werde dem zehnköpfigen Verwaltungsrat vorstehen; diesem würden auch in Zukunft vier der aktuellen Syngenta-Verwaltungsräte angehören.

Laut ad-interim-Chef Ramsay bleibt der Hauptsitz von Syngenta in der Schweiz, «und es wird kein einziger Arbeitsplatz abgebaut – weltweit».

ChemChina: In Europa auf Einkaufstour

SRF-Wirtschaftsredaktor Iwan Lieberherr: «Für ChemChina ist dies ein wichtiger Schritt, um die chinesische Landwirtschaft voranzutreiben. China würde zu einem wichtigen Player auf dem Weltmarkt für Agrochemie. Das Staatsunternehmen ist ohnehin auf Einkaufstour in Europa. Im Januar hat ChemChina den deutschen Maschinenbauer KraussMaffei übernommen. Vor einem Jahr ist man beim italienischen Reifenfhersteller Pirelli eingestiegen und am Genfer Energieunternehmen Mercuria hat man eine Minderheitsbeteiligung gekauft.»

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Die Zukunft liegt eben nicht mehr nur in Europa allein und Europa ist auch nicht mehr der Nabel der Welt. Da kommen nun auch die übrigen Länder und wollen auch einen Platz an der Sonne. Europa hat da schlechtere Karten als manche wahrhaben wollen. Europa glaubt immer noch mit Technologie-Vorsprung & Know-How allein könne man sich behaupten. Dem ist eben gar nicht so. Asien holt auf und wird sich weniger schwer (zB. Regulierungen, Ethik, Umweltschutz usw.) tun als Europa.
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  • Kommentar von Stefan Flückiger (Stefan Flückiger)
    Wo ist jetzt der Bundesrat, der Stopp dazu sagt? Ach nein, wir haben ja ein Freihandelsabkommen mit den Chinesen gemacht. Dabei halten sie sich nicht daran und wir werden ausgeblutet. Tolle Arbeit Johann!
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Langfristig ein fataler Fehler. Infolge Verkaufswut an die Chinesen in den letzten Jahrzehnten kamen die Burschen zu neuesten Technologien, zu Methoden der Präzisionsarbeit - dies praktisch für nix. Sie verbilligen die Arbeit weltweit und sorgen für einen gnadenlosen Wettbewerb, für intransparente Firmenentscheide. Hauptsache, einige Reiche werden noch reicher. Und der brave Schweizer duldet das. Die ersten Opfer werden ja wahrscheinlich die Süd-amerikanische Minenarbeiter sein. Who cares?
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