«Tabula rasa machen kostet»

Die Credit Suisse schreibt ein grosses Minus. Knapp drei Milliarden Franken betrug der Verlust im Geschäftsjahr 2015. Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler erklärt, wie es dazu kommen konnte und weshalb künftig nicht mehr mit Einbussen in dieser Grössenordnung zu rechnen ist.

Tidjane Thiam am Rednerpult.

Bildlegende: Hält die Schweiz nach wie vor für einen attraktiven Markt: CS-Chef Tidjane Thiam. Keystone

SRF News: Wie ist der Verlust von fast drei Milliarden Franken einzuordnen?

Eveline Kobler: Der Verlust schmerzt die Bank natürlich, aber er kommt nicht überraschend. CS-Chef Thiam, der im Sommer das Ruder übernommen hat, hat im Oktober seine neue Strategie präsentiert. Dazu gehört, die Investmentbank zu verkleinern und sie neu zu bewerten. Konkret geht es um eine Firma, welche die CS im Jahr 2000 in den USA gekauft hat. Diese Firma ist im heutigen Umfeld nicht mehr so viel wert, wie es in den Büchern der CS steht, was den Milliardenverlust erklärt. Dieses «Tabula-rasa-machen», wie es Thiam nennt, kostet.

Hat die CS nun wirklich ihre Altlasten entsorgt?

Es ist zumindest im Interesse von Tidjane Thiam, all diese Abschreiber noch halbwegs kurz nach seinem Amtsantritt vorzulegen. So gesehen ist kaum mit weiteren so grossen Abschreibern zu rechen. Doch der Umbau der Bank läuft weiter. Dieser kostet und wird auch am Gewinn zehren, jedoch nicht mehr im gleichen Ausmass.

Inwiefern will der CS-CEO sonst noch umbauen und aufräumen?

Er will vor allem die Investmentbank verkleinern. Dies braucht Zeit und ist teuer. Thiam hat deshalb kürzlich sechs Milliarden an frischem Kapital aufgetrieben, um diesen Umbau zu finanzieren und Abschreibungen zu verkraften. Zur Strategie gehört auch ein Stellenabbau. Dieser ist schon im Gang und Teil des Sparprogramms. Thiam betont, dass dies schwierig für die Mitarbeiter sei. Er wolle die Bank aber langfristig sichern. Da müsse man kurzfristig oft Dinge tun, die Weh täten. Für die Mitarbeiter ist das sicher ein kleiner Trost. Die Unsicherheit in der Belegschaft dürfte gross sein.

Wie ist das eigentliche Bankengeschäft der CS verlaufen?

Bezüglich neuen Kundengeldern gut. Vor allem bei der Schweizer Bank und im Asiengeschäft konnte die Credit Suisse relativ viele neue Kundengelder dazugewinnen. Aber den Problemen auf den Finanzmärkten – die Turbulenzen und dass Kunden vermehrt Cash brauchen, weil sie in Geldnot kommen – kann sich die CS nicht entziehen. Das spürt man gleich wie die UBS, weshalb man das Sparprogramm auch beschleunigen will.

Die CS sagt, die Schweiz sei ein wichtiger Markt. Ist das mehr als ein Lippenbekenntnis?

Ja. Tidjane Thiam sagt, dass die Schweiz ein attraktiver Markt sei. Er investiert hier auch und hat im letzten Jahr 14 Milliarden neue Kundengelder akquirieren können – das ist ansprechend. Er muss die Schweizer Tochter auch erfolgreich aufstellen, da er sie 2017 an die Börse bringen will und so frisches Kapital bekommen. Der Erfolg der Schweiz ist also wichtig für ihn.

Das Gespräch führten Tina Herren und Ivana Pribakovic.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Credit Suisse verliert massiv

    Aus 10vor10 vom 4.2.2016

    Die Schweizer Grossbank Credit Suisse schrieb letztes Jahr rund 3 Milliarden Franken Verlust. Der Konzernchef Tidjane Thiam gibt sich selbstkritisch.

  • CS schreibt rote Zahlen

    Aus Tagesschau vom 4.2.2016

    Die Credit Suisse hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 2.9 Milliarden Franken gemacht. Hauptgrund dafür sind Wertberichtigungen beim Investmentbanking. Einschätzungen von SRF-Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe.