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Tag der Arbeit Gewerkschaften zwischen Digitalisierung und Konkurrenzdruck

Legende: Audio Tag der Arbeit: Gewerkschaften vor neuen Herausforderungen. abspielen.
1:29 min, aus HeuteMorgen vom 01.05.2018.
  • Die Zahl der Mitglieder in Schweizer Arbeitnehmerorganisatonen sank von 1990 bis 2015 um etwa 140'000.
  • Andere Organisationen wie etwa der Lehrerverband behandeln mittlerweile auch Arbeitnehmerfragen und graben den Gewerkschaften auf diese Weise das Wasser ab.
  • Im Internethandel, der hauptsächlich von Arbeitskräften im Ausland gestaltet wird, entwickeln sich Risiken etwa für Schweizer Löhne.

Viele Jobs, die einfache Tätigkeiten beinhalten, sind in den letzten Jahren verschwunden. Diese Entwicklung spürten auch die traditionellen Gewerkschaften, sagt der Historiker Bernard Degen von der Universität Basel: «Jede Strukturänderung kann die Gewerkschaften schwächen.»

Sie seien in den bestehenden Strukturen stark – was aber auch bedeute, dass mit dem Strukurwandel immer mehr Bereiche abbrechen würden. «Das kann für viele Organisationen zu einem Problem werden.»

Mitgliederzahl stark rückläufig

Tatsächlich sind die Mitgliederzahlen bei den Gewerkschaften auf lange Sicht rückläufig. Waren im Jahr 1990 rund 880'000 Personen Mitglied einer Arbeitnehmerorganisation, waren es im Jahr 2015 noch 740'000.

Das heisse aber nicht, dass die Anliegen der Arbeitnehmer heute weniger Gewicht hätten, sagt Degen: Früher hätten viele Organisationen eher Standespolitik betrieben, etwa der Lehrerverband oder zahlreiche Verbände im Gesundheitswesen. «Doch plötzlich begannen sie auch Arbeitnehmerfragen zu behandeln - Lohn, Arbeitszeit und so weiter», so Degen. Diese Themen würden eigentlich unter die Definition einer Gewerkschaft falle, doch die Mitglieder dieser Verbände tauchten nicht in der Mitgliederstatistik der Gewerkschaften auf.

Problem für Schutz der Schweizer Löhne

Einen direkten Zusammenhang zwischen der Digitalisierung und dem gewerkschaftlichen Gedankengut sieht auch Daniel Lampart nicht, Chefökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund.

Inhaltlich habe sich die Arbeit der Gewerkschaften aber sehr wohl verändert - das zeige etwa der Internethandel: «Nehmen wir Beispiele wie Zalando und Amazon. Die haben ausser dem Vertrieb in der Schweiz keine Arbeitsplätze. Die ganze Logistik, auch die ganze Internetapplikation wird im Ausland entwickelt. Und das zu deutlich tieferen Löhnen als in der Schweiz.» Und das sei ein Problem - gerade was den Schutz der Schweizer Löhne anbelangt.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Susanne Saam (Biennoise)
    Signifikantes Detail zum 1. Mai: die Börse ist wegen eines Feiertages geschlossen. Schönes Beispiel, an dem zu sehen ist, wer für wen arbeitet, bzw. wer arbeitet, damit andere frei haben.
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    1. Antwort von Thomas Meier (Harz)
      Die Wertschriftenhändler waren nie für einen Feiertag am 1. Mai. Aber da die Schweizer Börse in der roten Stadt Zürich daheim ist, ist die Schweizer Börse geschlossen. Dies war schon so, als der 1. August noch kein offizieller Feiertag war.
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    2. Antwort von Susanne Saam (Biennoise)
      Harz: dann sind Frankfurt Mailand Moskau Bukarest Paris Lissabon Amsterdam Athen Mexiko Warschau Hong Kong Bangkok Jakarta Budapest alles rote Städte?
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  • Kommentar von Bruno Bär (ursinho007)
    Wir Schweizer jammern auf sehr hohem Niveau. Wer die Welt bereist hat, ist sich dessen bewusst. Trotzdem ist es Tatsache, dass es auch in der Schweiz zwischen reich und arm extrem grosse Unterschiede gibt. Rein physische Arbeit wird schlecht bezahlt. Die Schere zwischen Manager- und Arbeiterlöhnen öffnet sich immer mehr. Darum braucht mehr denn je Institutionen, die diesen Tendenzen Einhalt gebieten!
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      DGB-Chef Reiner Hoffmann: „Ohne sozialen Zusammenhalt fliegt uns der Laden um die Ohren“. Damit meint er, je mehr sich die Schere öffnet, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit für soziale Proteste und Unruhen. Es ist nur eine Frage der Zeit...
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Da der Ursprung jeden Mehrwerts die konkrete physische Arbeit durch Arbeiterschaft ist, muss dort angesetzt werden. Um eine gerechtere Verteilung zu kämpfen, heißt schon verloren zu haben. Entscheidend wird sein, ob wir es schaffen die Arbeit vom kapitalistisch definierten Arbeitsmarkt zu entkoppeln. Solange das Finanzkapital als Abstraktum, das auch so gedacht ist, weil somit weder fass-noch haftbar, die Arbeitsplätze als Geiseln in ihrer Macht haben wird sich nichts ändern. Im Gegenteil.
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