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Talsohle bei Strompreisen Axpo steht weitere Durststrecke bevor

Jahrelang hat Axpo Verluste gemacht. Nun rechnet der Energiekonzern fürs laufende Geschäftsjahr wieder mit einem Gewinn. Fremdes Geld brauche man nicht mehr. Die Unterstützung der Politik aber schon. Weshalb? Eine Analyse.

Legende: Audio Axpo rechnet wieder mit Gewinn abspielen. Laufzeit 2:24 Minuten.
2:24 min, aus Echo der Zeit vom 19.09.2017.

Ein wachsendes Angebot bei schwächelnder Nachfrage – die Preise auf dem europäischen Strommarkt kannten in den letzten Jahren nur eine Richtung: nach unten. Die einst lukrativen Schweizer Atom- und Wasserkraftwerke produzierten mit Verlust und verloren kontinuierlich an Wert. Die zwei grossen Stromkonzerne Alpiq und Axpo schrieben tiefrote Zahlen. Das Eigenkapital schmolz dahin.

In der Not entschieden beide – mehr oder weniger zeitgleich – sich neu aufzustellen. Das Ziel: Die unrentablen von den rentablen Geschäftsteilen zu trennen und für die rentablen, also die Windkraftwerke, den Stromhandel und die Dienstleistungen, Geld von Investoren anzulocken. Auf dieses Geld will Axpo nun aber verzichten, wie das Unternehmen heute mitteilt.

Axpo erwartet keine Wertberichtigungen mehr

Die Strompreise hätten ihre Talsohle erreicht, weitere grössere Wertberichtigungen seien nicht zu erwarten. Axpo rechne für das laufende Geschäftsjahr, dass in zwei Wochen endet, wieder mit einem Gewinn.

Der Umbau aber werde planmässig fortgesetzt, heisst es nun, jedoch aus eigener Kraft finanziert – vorläufig, muss man anfügen. Denn in den Zukunftsaussichten des Unternehmens gibt es einige Unbekannte: Ob die Strompreise tatsächlich wieder steigen und wie stark, ist offen.

Zwar wird das Angebot an Strom auf dem europäischen Markt wohl knapper, wenn die deutschen und einige französische Atomkraftwerke bis Mitte der 2020er Jahre vom Netz genommen werden. Ob der Strompreis dann wieder Höhen erreicht, die eine rentable Produktion in Schweizer Grosskraftwerken möglich macht, ist ungewiss.

Offene Fragen zu Wasserzins und Zukunft der Atomkraft

Ebenso unklar ist, wie stark die Politik der Wasserkraft in der Zwischenzeit unter die Arme greift. Axpo glaubt fest daran, dass zum Beispiel die Wasserzinsen flexibilisiert (sprich gesenkt) werden. Entschieden ist politisch aber noch nichts.

Auch wenn die Talsohle also durchschritten sein sollte: Eine weitere Durststrecke steht dem Unternehmen auf jeden Fall bevor. Um definitiv wieder Oberwasser zu haben, müsste Axpo zudem die Zukunft der unrentablen Geschäftsbereiche, insbesondere der Atomkraftwerke, regeln. Dazu war heute nichts zu erfahren.

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Die Wasserkraftwerke der Axpo könnten schon rentabel arbeiten wenn der Strom in der CH an Kleinverbraucher verkauft würde. Es liegt an der Konzernstrategie dass sie nur Grosskunden beliefern die den Strom am internationalen Strommarkt zu dumpingpreisen einkaufen können.
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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    Überangebot an Strom ist verursacht durch massiveste Energeiwende-Planwirtschaft in DE und EU. Heute pumpt allein DE jährlich 28Mia€ in Subventionierung von Wind-, Solar- und Biogasstrom, die im Jahresmittel gut 20% des Strombedarfs zufällig liefern. Der die Versorgung sichernde 80% Normalstrom aus bestehenden Kraftwerken kosten dageben nur knapp 20Mia€, d.h. rund 6-mal weniger pro kWh als die Erneuerbaren. Diese staatlich oktroyierte Marktverzerrung soll auch noch EU-Freihandel-konform sein…
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Falsch im Post Buesser ist: Die Lieferung von Strom aus erneuerbaren Quellen ist nicht zufällig. PV liefert Strom zur Hauptsache zu Hochtarif-Zeiten, d.h. tagsüber wenn am meisten gebraucht wird. Biogasstrom ist zudem regelbar wenn man es richtig macht und auch das gegenteil von zufällig. Was er verschweigt ist, dass AKW's einen guten Teil des Stroms in der NAcht liefern wo ohnehin weniger gebraucht wird.
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    2. Antwort von Tim Buesser (TimBue)
      B.Reuteler: Solar lieferte im 2016 in Summe über ganz DE nur in rund der Hälfte der Tageszeit namhaft Strom, Rest der Zeit war es bedeckt oder es war schlechtes Wetter. Zu Spitzenzeiten morgens 7-9Uhr und abends von 17-19 Uhr kann Solar wegen tiefem Sonnenstand nur wenig liefern. Wind hingegen ist nicht mal 24h halbwegs vorhersehbar. Nur dank (noch) bestehenden Kraftwerken ist man bisher (im Winter) an massiven Stromausfällen vorbeigeschrammt.
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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    Falsch, Nachfrage nach Strom steigt von Jahr zu Jahr, u.a. wegen Wärmepumpen Heizungen, mit e-Mobilität wird es noch massiv mehr werden. Angebot wurde in DE mit massivsten Subventionen für Erneuerbare (EEG) stark ausgebaut. Erneuerbare liefern aber nur zeitweise substantiellen Anteil des Stroms, das grosse Überangebot kommt von Kohlekraftwerken, die zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit dauernd mitlaufen müssen, um einzuspringen, wenn Wind- und Solar wegen Wetterbedingungen einbrechen
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Antwort auf welchen Post? Vielleicht einen gelöschten. Kohlekraftwerke müssen nicht dauernd mitlaufen wenn ein Überangebot besteht. Wartet ab bis Mühleberg und Beznau stillstehen, dann müsste die Nachfrage wieder stimmen.
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    2. Antwort von Tim Buesser (TimBue)
      B.Reuteler: Kohlekraftwerke rauf- und runterfahren braucht bis zu Tag, sonst nagt es arg an Anlage (im Notfall nimmt das in Kauf). Bei Überangebot könnte man Solar schlagartig ausschalten, Wind in Minuten. Was macht Politik: genau diese dürfen liefern was grad kommt, alle anderen müssen auf eigene Kosten zurückfahren. Bei jederzeit auftretendem Ausfall von Wind+Solar müssen andere sofort einspringen, auch wieder ohne Abgeltung dafür. Kein Wunder kommen sie so in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
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