Telefonieren im Ausland – Schweiz bleibt teuer

Wer in der EU wohnt, zahlt ab Juni 2017 keine Roaming-Gebühren mehr, wenn er in einem anderen EU-Land telefoniert oder surft. In der Schweiz sind die Roaming-Tarife in den letzten Jahren zwar deutlich gesunken – verschwinden werden sie aber kaum. Auch der Tourismus könnte leiden.

Frau telefoniert am Strand im Liegestuhl unter Strohschirm

Bildlegende: Telefonieren in den Ferien bleibt für Schweizer teurer Keystone

In der EU sind Roaminggebühren bald Geschichte. Nicht so in der Schweiz. Die Tarife fürs Telefonieren im Ausland sind in den letzten Jahren zwar deutlich gesunken, aus Sicht vieler aber immer noch viel zu hoch.

«  Die Schweizer Roaminggebühren sind von ‹extrem teuer› auf ‹ein bisschen weniger teuer› gesunken. »

Jean-Claude Frick
Telekomexperte, Comparis

«Insbesondere fürs Surfen im Internet bezahlen Schweizer Kunden deutlich mehr als solche in der EU», glaubt Telecom-Experte Frick. Zwar publizieren die Anbieter keine detaillierten Zahlen zu diesem Bereich. Frick von Comparis ist aber überzeugt, dass die Anbieter die Roaminggebühren auf Null setzen könnten. «Das würde ihnen nicht wirklich weh tun. Im Gegenteil: es wäre wohl ein kluger Marketingzug der Schweizer Telekomanbieter, wenn sie jetzt der EU folgen würden.»

Swisscom sieht keinen Handlungsbedarf

Marktführer Swisscom bestätigt indirekt: «Der Anteil des Roamings am Gesamtumsatz ist vergleichsweise gering, besonders durch die massiven Preissenkungen der letzten Jahre.» Für eine vollumfängliche Abschaffung der Roaming-Gebühren sieht Swissom allerdings keinen Anlass.

Bereits heute biete Swisscom Inklusiv-Roaming an, wie es die EU vorsehe, mit den sogenannten Infinity-Abos, schreibt Swisscom auf Anfrage. «Weil viele Swisscom Kunden somit nicht mehr separat fürs Roaming bezahlen müssen, sondern dies durch Inklusivvolumen in ihren Abos abgedeckt haben, steigt die Attraktivität und Nutzung von Roaming stark an. Im ersten Halbjahr 2016 stieg der Datenverkehr im Roaming auf das 2,4-fache des Vorjahres, der Sprachverkehr um 13 Prozent.»

Konsumentenschützerin hofft auf die Politik

«Die Abos mit Inklusivvolumen sind nach wie vor viel zu teuer», stellt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Schweizerischen Stiftung für Konsumentenschutz SKS fest. Sie hofft, dass der Entscheid der EU, den Druck auf die Schweizer Politik nun auch zu handeln massiv erhöht:

«  Der Entscheid der EU-Kommission zeigt, dass eine Abschaffung der Roaminggebühren machbar ist. »

Sara Stalder
Geschäftsleiterin, Stiftung für Konsumentenschutz

Der Bundesrat will den hohen Roaming-Gebühren im Rahmen einer anstehenden Teilrevision des Fernmeldegesetzes den Kampf ansagen. Die Idee: Der Regulator sollte Roaming-Preisobergrenzen festlegen und diese schrittweise senken können.

Im Parlament dürften diese Vorschläge allerdings einen schweren Stand haben: Alle grossen Parteien sind dagegen. Sie befürchten einen Rückgang von dringenden Investitionen – etwa in den Netzausbau.

Konsumentenschützerin Sara Stalder hat dafür kein Verständnis: «Der Wettbewerb ist in der EU viel härter als in der Schweiz. Die Anbieter wollen mit dem Roaming einfach noch so viel wie möglich Geld verdienen – auf Kosten der Schweizer Kunden.»

Schweiz könnte noch teurer werden für Touristen

Nicht nur Schweizer Kunden leiden. «Auch der Schweizer Tourismus könnte die neue Regelung zu spüren bekommen. Bereits heute zahlen Touristen aus der EU in der Schweiz happige Roaming-Gebühren. Wenn sie ab Juni in allen umliegenden Ländern dafür nicht mehr zur Kasse gebeten werden, wird dies für viele ein weiterer Negativpunkt sein, neben dem hohen Kostenniveau», warnt Konsumentenschützerin Stalder.

Die Tourismusverantwortlichen selbst sind aber nicht alarmiert. André Aschwanden, Mediensprecher bei Schweiz Tourismus geht davon aus, «dass die europäischen Telefonanbieter bis zur Einführung der neuen Regelung Mobilverträge anbieten werden, wo Roaming-Gebühren in der Schweiz inbegriffen oder wo spezielle Schweiz-Pakete erhältlich sind».