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Wirtschaft Termingeschäfte für Heizöl boomen

Der Rohölpreis an den Weltmärkten hat sich innert sechs Monaten halbiert. Auch Heizöl in der Schweiz ist um 30 Prozent billiger geworden. Kein Wunder, dass die Heizöl-Verkäufe hierzulande boomen. Selbst Leute, deren Öltank noch gut gefüllt ist, kaufen derzeit massenhaft ein.

Heizöl heute bestellen und erst später beziehen, so funktioniert das Heizöl-Termingeschäft. Gegen einen kleinen Aufpreis von zwei, drei Franken pro 100 Liter, kann man den Liefertermin hinauszögern, bis wieder genügend Platz im Tank ist.

Was früher eine Domäne der professionellen Grossverbraucher war, ist heute auch bei Privaten gang und gäbe. Marco Büchli, Verkaufsleiter Brenn- und Treibstoffe beim Aargauer Brennstoffhändler Oel Brack AG: «Wir verzeichnen im Moment ungefähr 50 Prozent der Verkäufe auf Termin. Dies ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren eine massive Erhöhung.» Das Termingeschäft habe in den letzten Jahren eigentlich an Bedeutung verloren.

Tiefer Preis

Heizöl-Termingeschäfte boomen. Nicht nur, weil der Heizöl-Preis ungewöhnlich rasch ungewöhnlich tief gefallen ist. Viele Tanks sind überdurchschnittlich voll, auch weil 2014 wegen der milden Temperaturen deutlich weniger geheizt worden ist als auch schon.

Wer nun zum heutigen Preis bestellt und sich erst im Sommer oder nächstes Jahr beliefern lässt, der spekuliert letztlich darauf, dass die Ölpreise bis dann wieder steigen. Doch tun sie das wirklich? Die Einschätzung des professionellen Öl-Ein- und Verkäufers Marco Büchli: «Im Moment deutet relativ wenig auf einen kurzfristigen Preisanstieg hin, immer ausgenommen, es gebe ein kriegerisches Ereignis. Mittelfristig könnten die Preise sogar noch tiefer fallen, aber diese Prognosen sind mit Vorsicht zu geniessen.» Dies sei ganz klar im Bereich der Spekulation.

Gute Kaufgelegenheit für Private

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Büchlis Branchenkollege Christoph Gut, Geschäftsleiter der Stanser Josef Gut AG: «Ich denke, kurzfristig kann der Ölpreis durchaus noch etwas tiefer fallen, weil zur Zeit das Angebot die Nachfrage am Ölmarkt übersteigt.»

Mittel- und langfristig gehe er aber davon aus, dass zurzeit eine gute Kaufgelegenheit herrsche, mit welcher auch der private Haushalt seine Energiekosten für die nächsten Winter absichern kann. Es werde aber nicht immer gelingen, den absoluten Tiefststand für den Kauf genau zu treffen.

Wer auf Termin bestellt zum heutigen Preis, tut dies zum tiefsten Preis seit mehr als vier Jahren. Allerdings sind Terminbestellungen für Käufer wie Verkäufer verbindlich, genauso wie der abgemachte Preis.

Risiko, dass man zu viel bezahlt, ist gering

Doch das Risiko, dass wer heute als Privater mit Lieferung im Sommer bestellt, ein ganz und gar schlechtes Geschäft macht, hält sich laut Brennstoffhändler Gut in Grenzen. Sollte der Ölpreis tatsächlich weiter fallen, kann man dank Termingeschäften zum tieferen Preis einfach nochmals bestellen, mit Liefertermin 2016.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Hans Vader, Luzern
    Jetzt Termingeschäfte zu machen in unsinnig. Man sollte lieber noch warten bis der Ölpreis noch mehr sinkt. Denn wenn man jetzt die Nachfrage steigert, so stabilisiert man den Ölpreis, respektive bringt ihn wieder zum steigen. Nur komisch, dass wir nach mehrfachem Erreichen von Peak-Oil plötzlich so einen Preiszerfall haben. Es bestätigt sich wohl, dass die Ölindustrie uns massiv über die Knappheit von Erdöl getäuscht hat.
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