Tesla für alle

Ein ungewöhnlicher Schritt: Der US-Elektroautohersteller Tesla will sämtliche Patente öffentlich machen. Damit soll die Technologie verbreitet werden. Ist das der Untergang der Firma oder ist es doch ein cleverer Vermarktungstrick?

Das Logo des Wagenbauers Tesla.

Bildlegende: Der US-Wagenbauer ist mit seinen Elektroautos sehr erfolgreich. Reuters

«Alle unsere Patente gehören Euch», schrieb der Tesla-Chef Elon Musk in einem Blog-Eintrag. Mit dem selbstlosen Schritt will der US-Elektroautohersteller die Technologie weiterverbreiten. Könnte das Tesla das Genick brechen oder noch mehr Kunden verschaffen?


«Patente wären für Tesla das Schlimmste»

4:24 min, aus SRF 4 News Tageschronik vom 13.06.2014

Grosse setzen nicht auf Elektroautos

Tesla werde jedenfalls keine Patentrechtsklagen einreichen, wenn andere Firmen die von der Firma entwickelte Technologie verwendeten, versprach Musk. Das Unternehmen habe «im Geiste der Open-Source-Bewegung» gehandelt.

Das sei logisch, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Tesla wolle der eigenen Technologie zum Durchbruch verhelfen. «Da ist ein Schutz von Patenten das Schlimmste, was Tesla passieren könnte.»

«Alleine schafft es Tesla nicht»

Als die Firma gegründet wurde, habe sie befürchtet, von grossen Autofirmen kopiert und dann aus dem Markt gedrängt zu werden. Doch sei das Gegenteil der Fall gewesen. «Wir hätten uns nicht mehr irren können», schrieb Musk. Die «unglückliche Realität» sei, dass die grossen Autofirmen praktisch keine eigenen Elektroautos entwickelten. Der Anteil von Elektroautos liege noch immer bei «weit weniger als einem Prozent der gesamten verkauften Fahrzeuge».

Die Technologie bei Elektroautos sei neu, sagt Dudenhöffer. Deshalb braucht es neue Mitstreiter, die helfen würden, die Technologie voranzutreiben. «Die gewinnt Tesla aber nicht, wenn sich die Firma durch Patente schützt.» Je mehr Mitstreiter in einem System mitmachten, umso stärker generiere dieses System Wissen. Die Folge: Der Einzelne profitiere mehr und die Entwicklung der Technologie wird billiger. Alleine schaffe es Tesla nicht, ist Dudenhöffer überzeugt.

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Elektroauto steht vor Markteinführung

2:29 min, aus Tagesschau vom 5.7.2009

Vorteile oder Nachteile?

Patente machten in anderen Industriebereichen Sinn, etwa im Mobilfunk. Dort gebe es viele Mitstreiter, die mit traditionellen Technologien arbeiten. «Die Verbesserungen sind minimal und deshalb kämpft man dort erbittert mit Patenten um Marginalien», sagt Dudenhöffer.

Es gebe seit längerem eine Debatte, welche Vorteile Patente kleineren Firmen bringen, sagte etwa Rechtsprofessor Brian Love der Nachrichtenagentur AFP. Es sei jedoch unklar, ob Tesla tatsächlich seine Patente aufgebe oder ob die Firma nur verspreche, Nutzer nicht rechtlich zu verfolgen.

Der kalifornische Hersteller ist mit seinen Elektroautos sehr erfolgreich. Die Firma will mit dem Bau einer grossen Akku-Fabrik die Produktionskosten weiter senken und hat sich zum Ziel gesetzt, mittelfristig 500'000 Autos im Jahr zu produzieren.

Kooperation mit BMW

Der deutsche Autobauer BMW will mit dem US-Elektroauto-Pionier Tesla enger zusammenarbeiten. Manager beider Unternehmen hätten sich am Mittwoch getroffen, erklärte BMW auf Anfrage der Agentur Reuters. Diskutiert worden sei, wie die Entwicklung der Elektromobilität auf internationaler Eben vorangetrieben werden könne.