Teurere Geräte kaufen kommt oft billiger

Wer heute einen Stabmixer oder Staubsauger kauft, kann sich mit grosser Wahrscheinlichkeit nur wenige Jahre daran erfreuen. Das ist auch das erklärte Ziel vieler Hersteller. Weshalb ist das so?

Das Problem liegt eigentlich im System der Massenproduktion: Immer mehr Produkte werden zu immer billigeren Preisen hergestellt. Christian Kreiss hat für die Bundestagsfraktion der Grünen in Deutschland ein Gutachten erstellt zum geplanten Verschleiss von Geräten. Er ist Wirtschaftsprofessor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft im süddeutschen Aalen.

Absichtlich kurze Lebensdauer

Kreiss sagt, eine kurze Lebensdauer sei durchaus geplant. Dahinter stünden vor allem grosse Unternehmen, die stark von der Rendite getrieben seien. Diese Firmen müssten wachsen, immer mehr Produkte verkaufen und immer mehr Geld verdienen. Halten Produkte nur drei statt zehn Jahre, könnten sie schneller wieder neue Geräte verkaufen.

Nachweisen lässt sich das praktisch nicht. Oder nur wenn sich die Firmen dafür gleich zu einem Kartell zusammenschliessen. Dies geschah etwa vor 90 Jahren, als die grossen Glühbirnenhersteller beschlossen, dass eine Glühbirne nur noch 1000 Stunden brennen soll – und nicht mehr 2500.

Dennoch könne man sagen, dass die heute schon fast übliche kurze Lebensdauer geplant sei, meint Wirtschaftsprofessor Kreiss. Das erkenne man relativ einfach: Entwicklungsingenieure hätten sogenannte Produktdaten-Managementsysteme. «Die können für hunderte, ja tausende verbaute Teile genau abschätzen, welches Teil wie lange hält», erklärt Kreiss.

Lebensdauer ziemlich genau abschätzbar

Wenn eine Firma weiss, wie lange ein einzelnes Bauteil hält, dann weiss sie auch, wie lange das Gerät als solches halten sollte. So kann eine Firma beispielsweise ein billiges Plastikteil einbauen, statt eines robusten Metallteils. So lässt sich dann die Lebensdauer eines Geräts steuern. Dabei argumentieren die Unternehmen mit dem Preis.

Doch Christian Kreiss lässt das Kostenargument nur teilweise gelten: Plastikteile seien oftmals nur wenig billiger als solche aus Metall. «Wenn man sieht, welche Aufschläge am Schluss auf die Einkaufspreise gemacht werden, dann spielt die Kostenseite eine relativ geringe Rolle.»

Grüne fordern längere Garantie

Den Grünen Schweiz ist das aber ein Dorn im Auge. Die Firmen bräuchten einen Anreiz um bessere Geräte zu bauen, fordern sie. Geräte sollten länger halten und sie sollten geflickt werden können. Heute ist eine Reparatur vieler Geräte entweder unmöglich, oder aber sehr kostspielig.

Massenproduktion in China:

Bildlegende: Vor allem grosse Unternehmen haben ein Interesse an einer kurzen Lebensdauer ihrer Produkte. Reuters

Die Grünen möchten deshalb unter anderem die Hersteller-Garantie für die Geräte verlängern. Statt zwei Jahre wie heute, soll diese künftig fünf Jahre dauern.

Für Wirtschaftsprofessor Kreiss ist das im Grunde eine gute Idee. Allerdings, wirft er ein, gebe es Produkte, die von der Natur der Sache her nur ein bis zwei Jahre laufen, andere könnten 30 oder 40 Jahre funktionieren. Aber schon nur ein anheben der Garantie auf drei Jahre wäre «ein erster sehr guter Schritt».

Am zuverlässigsten sei es aber, wenn man sich beim Kauf eines Gerätes gut informiere. Auch sollte man sich nicht immer für das billigste entscheiden. Kreiss kennt aus eigener Erfahrung: Die vermeintlich teureren Geräte seien im Endeffekt die billigeren. Denn jene, die beim Kauf am günstigsten seien, müssten meist rascher durch neue ersetzt werden.

Und kaufen die Kunden vermehrt bessere Qualität, kommen die Hersteller auch nicht darum herum, bessere Qualität zu produzieren.