Tiefe Kerosinpreise führen nicht zu billigeren Flugtickets

Der Rohölpreis ist im vergangenen Jahr um fast die Hälfte gesunken. Dennoch gibt die Swiss den vorteilhaften Kerosinpreis nicht in Form von günstigeren Flugpreisen weiter.

Ein Arbeiter bei der Tankfüllung eines Swiss Airbus A321-111.

Bildlegende: Ein günstiger Kerosinpreis ist kein Garant für tiefere Flugpreise. Ein Arbeiter bei der Tankfüllung eines Airbus. Keystone

Der im Jahre 2014 massiv gesunkene Rohölpreis kam der Fluggesellschaft Swiss gelegen. Sorgte das Ölpreisniveau im Jahr 2013 noch für Schwierigkeiten, konnte die Airline im vergangenen Jahr mit einer deutlich kleineren Tankrechnung wirtschaften.

Ein tiefer Kerosinpreis entlastet eine Fluggesellschaft deutlich. Denn Treibstoff ist laut Jens Flottau, geschäftsführender Redaktor von «Aviation Week», ein Hauptposten in der Kostenstruktur einer Airline.

Im Falle von Brent – der Rohölsorte, auf welches sich die Lufthansa-Gruppe bei der Errechnung ihrer Treibstoffpreise bezieht – fiel der Erdölpreis im Jahr 2014 um über 40 Prozent. Im Januar 2015 kostete ein Fass Öl mit 47,76 US-Dollars so wenig wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Zwischenzeitlich ist der Brent-Ölpreis wieder etwas angestiegen. Längerfristig betrachtet ist er jedoch mit aktuell knapp 60 US-Dollars pro Fass immer noch auf einem tiefen Stand. Nicht alle Fluggesellschaften ziehen deshalb aber billigere Flugpreise in Betracht.

Schuld ist das «Hedging»

Laut Boris Ogursky, Sprecher des Lufthansa Konzerns, gibt es einen Hauptgrund, weshalb selbst massive Ersparnisse beim Kerosineinkauf nicht zu tieferen Flugpreisen führen. Es ist der grosse Unterschied zwischen dem aktuellen Ölpreis und dem in den Sicherungsgeschäften festgelegten.

Betroffen davon ist auch die Swiss. Denn es ist die Lufthansa-Gruppe, welche für das «Hedging» der Fluggesellschaft verantwortlich ist (siehe Box). Ogursky führt aus, dass die Gruppe rund 80 Prozent des Treibstoffes im Rahmen von Sicherungsgeschäften beziehe.

Gemäss neuster Prognose geht der Konzern bei den Treibstoffkosten für das Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr von effektiven Ersparnissen von lediglich gut 11 Prozent aus.

Gunst der Stunde für risikobereite Airlines

Hauptprofiteure des aktuell tiefen Kerosinpreises sind die Fluggesellschaften, welche gänzlich auf ein «Hedging» verzichten. Das eingegangene Risiko, auf Sicherungsgeschäfte zu verzichten, zahlt sich bei diesen Airlines nun aus. Sie können die höheren Margen nutzen, um mit tieferen Flugpreisen neue Kunden anzuwerben. Der Luftverkehrsexperte Jens Flottau geht deshalb davon aus, dass bei einem anhaltend tiefen Treibstoffpreis die Swiss früher oder später durch den erhöhten Wettbewerb weiter unter Zugzwang kommen könnte.

Karin Müller, Pressesprecherin von Swiss International Airlines, betont, dass die Preisgestaltung der Flugtickets primär auf einem täglich angepassten Kalkül von Angebot und Nachfrage beruhe. Mit einem neuen Tarifkonzept für Europa hat Swiss einen nächsten Schritt gegen den erwarteten verschärften Wettbewerb angekündigt. Das Konzept bieten den Kunden in der Economy-Klasse drei Tarifoptionen einschliesslich eines «Light»-Spartarifs an.

Beim Treibstoff spielt zudem der US-Dollar-Kurs eine zentrale Rolle. Dieser gilt als Leitwährung für den Einkauf von Rohöl. Seine gegenwärtige Stärke relativiert für die Fluggesellschaften den tiefen Kerosinpreis zusätzlich.

Aufgrund der hohen Zahlungen in US-Dollars und einem generell hohen Geschäftsvolumen in ausländischen Währungen sichert sich die Lufthansa-Gruppe gemäss Pressesprecher Boris Ogursky zusätzlich mit Währungssicherungsgeschäften ab: Vorab festgelegte Umtauschverhältnisse schützen vor Kursschwankungen.

Für die Swiss erschwert sich die Währungssituation zudem durch den erstarkten Schweizerfranken. Das Europageschäft ist ein wichtiger Bestandteil des hohen Volumens an Betriebserträgen in Fremdwährungen.

SRF 4 News, 12:00 Uhr

Jahresergebnis 2014

Die Swiss weist für 2014 bei einem stabilen Umsatz einen beachtlichen operativen Gewinn aus. Grund dafür sind laut dem Unternehmen Abschreibungen und ein erfolgreich umgesetzes Sparprogramm. Geholfen habe auch die erneuerte Flotte dank mehr Sitzplatzkapazitäten. mehr

«Hedging»

Eine Mehrheit der Airlines bezieht den Treibstoff mittels Sicherungsgeschäften. Dieses sogenannte «Hedging» schafft Planungssicherheit. Üblicherweise werden zweijährige Verträge vereinbart, in welchen ein fixer Preis für den Treibstoffeinkauf festgelegt wird. Volatile Entwicklungen des Erdölpreises fallen somit nicht ins Gewicht.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Ein bisschen Luxus - und ein bisschen billig: Die Sowohl-als-auch-Strategie der Fluggesellschaft Swiss.

    Swiss - Luxus-Airline oder Billigflug-Gesellschaft?

    Aus Rendez-vous vom 12.3.2015

    Der Swiss geht es gut, sie hat den Umsatz 2014 minim gesteigert - und hat so viele Fluggäste transportiert wie noch nie. Unklar ist: Was will die Swiss eigentlich sein?

    Anna Lemmenmeier