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Wirtschaft Tiefe Kosten für Solaranlagen – Leasing sei Dank

Kein Geld ausgeben und trotzdem umweltfreundlich handeln – ein neues Geschäftsmodell macht's möglich. Das Prinzip: Man least die Solarpannels von einer Firma und lässt sich diese auf dem eigenen Hausdach installieren. Fortan zahlt man die Stromkosten an die Leasingfirma.

Ein Haus mit Sonnenkollektoren.
Legende: Erst knapp zwei Prozent der Schweizer Energie stammt aus Sonnenkollektoren. Keystone

Zu 100 Prozent saubere Energie – das sei das wichtigste Ziel überhaupt, sagt Billy Parish. Der grosse, schlanke Mann schaut einem bei seiner Erklärung unverwandt ins Auge. Der Klimawandel sei das grösste Problem der Menschheit und «hundertprozentig saubere Energie» sei das beste Ziel um den Klimawandel zu bremsen. Darunter können sich die Leute etwas vorstellen und konkret handeln. Zum Beispiel eine Solaranlage auf das eigene Dach montieren.

Aber: Eine durchschnittliche Solaranlage kostet 30'000 US-Dollar. Wem das zu viel sei, der könne die Solaranlage aber bei Mosaic, seinem Unternehmen leasen, erklärt Billy Parish. Die Nachfrage sei überwältigend. Nicht nur von Leuten, die Solarpanels installieren wollten, sondern auch von Investoren, die sich an der Finanzierung beteiligen wollen.

Investoren treffen auf Interessenten

Banken und Pensionkassen, die nach Anlagemöglichkeiten suchen, gibt es auch in der Schweiz. Das hat das junge Westschweizer Unternehmen Younergy gemerkt. Younergy baut mit dem Geld von institutionellen Anlegern Interessierten eine Solaranlage aufs Dach.

Die Hausbesitzer bezahlen nur den Strom: «Wir kümmern uns um die Installation, Design und auch die administrativen Aufgaben. Der Kunde bezahlt letztlich nur für den Strom, den die Anlage produziert», erklärt Oscar Ax, der Vertreter von Younergy in der Deutschschweiz.

«So viel Stromkosten spare ich nicht»

Über hundert, meist kleinere Solaranlagen, habe Younergy in den letzten knapp anderthalb Jahren in der Schweiz installiert. Eine davon auf dem Dach von Carlos Capdevila, im Kanton Freiburg. Bei ihm sei dabei nicht das Geldsparen im Vordergrund gestanden, sagt der Hausbesitzer: «Effektiv spare ich nicht so viel Stromkosten. Es geht mir mehr darum, alternative Energie zu produzieren.»

Natürlich hat Hausbesitzer Capdevila auch Respekt gehabt vor der grossen Investition. Vor allem aber habe ihm das Jungunternehmen Arbeit abgenommen, sagt Capdevila: «Es war mir zu kompliziert, mich mit verschiedenen Angeboten auseinanderzusetzen. Ich hatte so weniger Papierkram mit der Gemeinde oder mit der Baubewilligung.»

Kein Papierkram, keine Grossinvestition für den einzelnen Hausbesitzer – Oscar Ax von Younergy sieht grosses Potential für sein Unternehmen in der Schweiz: «Im westeuropäischen Vergleich hat die Schweiz punkto Solarenergie Aufholbedarf»

Ungelöste rechtliche Fragen

Nicht alle traditionellen Energieversorger haben Freude an den neuen Konkurrenten. Verschiedene Fragen sind noch ungelöst. Darf beispielsweise ein Hausbesitzer, der mit Younergy zusammenarbeitet, seine Mieter zum Konsum und Bezahlen von Solarstrom verknurren? Younergy ist überzeugt, dass sich diese Frage bald von alleine löst. Dann nämlich, wenn Solarstrom vom eigenen Dach günstiger wird als der billigste Strom aus dem Netz.

Zurzeit ist Solarstrom in der Schweiz noch teuer und rar. Erst knapp zwei Prozent der Schweizer Energie stammt aus Sonnenkollektoren. Auch die Windenergie steckt in ihren Anfängen. Dank der Wasserkraft wird aber in der Schweiz bereits über 60 Prozent saubere Energie produziert, so wie sie Billy Parish definiert.

«Noch viel Arbeit bis zur sauberen Energie»

Um bis 2050 das 100-Prozent-Ziel zu erreichen, sind noch grosse Anstrengungen nötig. Diese lohnten sich aber, ist der Solar-Leasing-Pionier Parish überzeugt.

In diesem Übergang könnten nach den Berechnungen von Parish 125‘000 neue Jobs geschaffen werden, sagte Parish am Swiss Energy and Climate Summit in Bern. Auch wenn die Solar-Energie in der Schweiz dereinst boomen sollte, bleibt das wohl eine gewagte, optimistische These.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    Und noch zum Bild und zum Unterschied zwischen Sonnenkollektoren einerseits und Fotovoltaik-Panels andererseits (andere Ausdrücke für letztere: PV-Panels, Solarmodule - bestehend aus Solarzellen): Links auf dem Dach sind PV-Panels zur Erzeugung elektrischer Energie zu sehen; rechts Sonnenkollektoren zur Erzeugung von Wärme - meist genutzt für Warmwasser; die hier gezeigten leisten (aus der relativ grossen Fläche zu schliessen) wohl auch einen Beitrag an die Gebäudeheizung.
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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    "Erst knapp zwei Prozent der Schweizer Energie stammt aus Sonnenkollektoren." Gemeint ist wohl, dass erst zwei Prozent der ELEKTRISCHEN Energie aus PV-PANELS stammen (Sonnenkollektoren produzieren Wärme) - eine korrekte Aussage. Ergänzen könnte und sollte man sie mit der Information, dass die mittlere jährliche Wachstumsrate von 2000 bis 2015 in der Schweiz 28% betrug (berechnet nach BFE, Statistik der erneuerbaren Energien), weltweit 50% (berechnet nach BP Statistical Review of World Energy).
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Nichts gegen PV-Anlagen auf dem Dach. Aber bitte die Kosten selbst tragen und nicht auf die Allgemeinheit wie mit der KEV abwälzen und vor allem: die Folgekosten der PV-Anlagen (Bsp: in Sachen Netzstabilität) sollen auch von den Betreibern der PV-Anlagen übernommen werden, gemäss Verursacherprinzip. Und schon dürfte das Thema gegessen sein.
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    1. Antwort von Max Blatter (maxblatter)
      Das Dogma, dass der Markt als "Summe der Egoismen" von selbst zu einem volkswirtschaftlich optimalen Resultat führe, griff bei der Elektrizitätsversorgung nie. Diese ist von Natur aus komplex und zudem hochgradig international vernetzt: Man denke an den europäischen Netzverbund, der vor über 50 Jahren in der Schweiz (Laufenburg) seinen Anfang nahm! Das Verursacherprinzip in Ehren, aber es ist schwer korrekt zu quantifizieren und muss jedenfalls durch das Solidaritätsprinzip ergänzt werden.
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    2. Antwort von Markus Berner (Markus Berner)
      Herr Ducrey, gilt das auch für Atomstrom? Auch Atomstrom kostet viel mehr als der mittlere Strompreis - und wird quersubventioniert, d.h auf die Allgemeinheit abgewälzt.
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    3. Antwort von Daniel Kunz (Daniel Kunz)
      Verursacherprinzip? Klar am besten jetzt sofort für alle, die nachhaltigen Solarstrom produzieren wollen. Aber die letzten 200 Jahre war ihnen egal, dass die Verursacher nicht für die Schäden an der Natur aufkamen. Solidarisch werden wir übrigens auch die Schäden an der Natur ertragen müssen. Wir sitzen alle im gleichen Boot und ich bin froh, wenn es ander als sie, Leute gibt, die unser System nach vorne bewegen.
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