Tiefere Boni für Banker – dafür höhere Löhne

2013 haben die Bankangestellten in der Schweiz zwar leicht höhere Fixlöhne erhalten, aber einen deutlich tieferen Bonus. Das zeigt die aktuelle Salärumfrage des Bankenpersonalverbandes. Und sie zeigt auch: Die Angestellten sind mit ihren Löhnen weniger zufrieden als auch schon.

Hände, die ein Portemonnaie halten.

Bildlegende: Mehr als die Hälfte der befragten Bankangestellten sind nicht glücklich über ihr Salär. Keystone

Es war hierzulande auch schon angenehmer ein Bankangestellter zu sein. Die hohen Löhne der Top-Banker, die Steuerstreitigkeiten mit den USA, die Finanzkrise und die Diskussionen um Schwarzgeld haben der Reputation der Branche arg zugesetzt.

Wenigstens – so mochten sich viele sagen – stimmt die Lohntüte. Doch das droht sich zu ändern. Die Fixlöhne sind zwar in den letzten zwei Jahren noch leicht gestiegen und liegen mittlerweile bei durchschnittlich 105'000 Franken pro Jahr.

Die Boni aber, also die leistungsabhängigen Vergütungen, sind in derselben Zeit jedoch deutlich zurückgegangen. Der Mittelwert der Boni liegt heute einen Fünftel tiefer also 2011 – bei rund 25'000 Franken.

Denise Chervet, Geschäftsführerin des Bankpersonalverbands ist ob dieser Entwicklung besorgt: «Wir sind nicht zufrieden, dass die Boni zurückgegangen sind. Wir sind aber zufrieden, dass das Verhältnis Bonus Lohn kleiner wird.» Sie erwarte, dass die totalen Vergütungen nicht sänken. «Das ist aber eine Gefahr, gegen die wir kämpfen.»

Arbeitsklima entscheidend

Weniger als die Hälfte der Bankangestellten ist über ihre Vergütung noch glücklich. Was dabei auffällt: Es sind vor allem die Angestellten der Grossbanken und Auslandbanken, die nicht zufrieden sind – obwohl diese unter den Bankangestellten zu den Grossverdienern gehören.


Salärumfrage: Banker erhalten weniger Boni

3:35 min, aus SRF 4 News aktuell vom 11.09.2013

Für Denise Chervet ist deshalb klar: «Die Lohnzufriedenheit hängt sehr stark mit anderen Punkten insbesondere dem Arbeitsklima zusammen.» Das Arbeitsklima in den Banken sei in den letzten Monaten schlecht gewesen. «Der Druck ist sehr gross und die Zukunftsperspektiven sind sehr unsicher.»

Vor allem bei den Grossbanken und den Auslandbanken in der Schweiz schlägt sich dieser Druck aufs Arbeitsklima nieder. Es sind gerade diese Banken, die im Zusammenhang mit Steuerflucht stark unter internationaler Beobachtung stehen. Die zunehmende internationale Tendenz, die Finanzmärkte stärker an die Kandare zu nehmen und zu regulieren, verunsichert die Angestellten zusätzlich. Sie wissen nicht, ob ihr Arbeitsplatz künftig noch sicher ist, wenn ihre Bank das Geschäftsmodell komplett anpassen muss.

Frauen verdienen 40 Prozent weniger

Die Salärumfrage des Bankenpersonalverbands zeigt aber auch ein altes Problem auf, das längst nicht nur in der Finanzbranche vorhanden ist: Der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau ist immer noch beträchtlich und beträgt durchschnittlich knapp 40 Prozent. Ein Grossteil davon lässt sich durch unterschiedliche Qualifikation, Tätigkeitsbereich oder Kaderstufe erklären – aber längst nicht alles.

Nicht erklären lassen sich elf Prozent Lohnunterschied der Finanzindustrie: Sie liegt mit diesem Wert deutlich höher als der Privatsektor, wo der diskriminierende Lohnunterschied bei 8.7 Prozent liegt.

Lösung: definierte Lohn-Bandbreiten?

Der Bankenpersonalverband diskutiere dieses Problem seit längerem mit den Banken – es sei aber nicht so einfach zu lösen, erklärt Denise Chervet: «Das Problem ist, dass die Löhne individuell festgelegt werden. Dies ist für die Banken schwierig zu steuern. Sie hängen stark von vielen Chefs ab.»

Eine mögliche Lösung wäre für Chervet klarer definierte Lohn-Bandbreiten. Und nicht zuletzt auch kollektive Lohnerhöhungen für Frauen, um die Ungleichheit aus der Welt zu schaffen.

(basn;engf)