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Wirtschaft Toplöhne sinken trotz «Abzocker-Initiative» kaum

Die Schweizer Aktionäre haben derzeit Hochsaison: Ein Unternehmen nach dem anderen lädt zur jährlichen Generalversammlung. Überall wird über die Vergütungen der Konzernleitung abgestimmt – so will es die Umsetzung der «Abzocker-Initiative». Was sind die Auswirkungen?

Hunderte Personen sitzen im Hallenstadion (fotografiert von hinten), vorne auf der Bühne spricht jemand.
Legende: Die Aktionäre können an der GV (hier im Fall CS) über die Löhne mitbestimmen. Keystone

Die Aktionäre der Credit Suisse können an der heutigen Generalversammlung unter anderem über die Boni für das letzte Jahr abstimmen. Schliesslich wissen sie jetzt, wie gross der Konzerngewinn ausgefallen ist, aus dem die Boni bezahlt werden. Andere Konzerne, etwa Nestlé, haben ein anderes Prozedere gewählt: Die Nestlé-Aktionäre mussten letzte Woche bereits die Boni für das kommende Jahr absegnen.

«Blankoscheck» macht keinen Sinn

Dominique Biedermann von der Anlagestiftung Ethos passt das ganz und gar nicht. Seiner Ansicht nach macht es keinerlei Sinn, vorgängig über künftige Boni abzustimmen. «Das ist ein Blankoscheck», kritisiert er. Denn schliesslich wisse heute noch niemand, wie der Geschäftserfolg im nächsten Jahr ausfallen werde. Entsprechend könnten die Aktionäre nicht bereits jetzt über die Boni für nächstes Jahr entscheiden.

Von einem solchen Blankoscheck hält auch Claudio Kuster nichts: Er war damals Mitinitiant der so genannten Abzocker-Initiative. Sie schreibt den Konzernen vor, dass sie neu ihre Topsaläre und Bonustöpfe von den Aktionären genehmigen lassen müssen. Ob vorgängig oder nachträglich, liess das auch Minder-Initiative genannte Volksbegehren aber offen, wie Kuster einräumen muss: Man habe dies nicht wortwörtlich in die Verfassung genommen. «Da müssen wir vielleicht auch selbstkritisch sein.»

Wie lange Konzerne noch Blankoschecks für künftige Managerboni von ihren Aktionären einholen können, wird im Übrigen in der Politik im Rahmen der Aktienrechtsreform bereits wieder diskutiert.

Ziel waren nicht unbedingt tiefere Toplöhne

Wer gehofft hatte, die Initiative würde die Abzockerei künftig verhindern, indem die Topsaläre sinken würden, sieht sich wohl getäuscht. «Das war auch nicht unbedingt das Ziel», so Mitinitiant Kuster. Vielmehr sei es darum gegangen, dass der Aktionär, beispielsweise im Fall von schlechtem Geschäftsgang, «die Notleine reissen kann».

Das begrüsst auch Pensionskassen-Berater Biedermann: Schliesslich habe der Druck der Aktionärs-Generalversammlungen mehr Transparenz gebracht «und auch eine vernünftigere Struktur» der Vergütungen. Die Unternehmen müssen den Aktionären jetzt also die Struktur ihrer Lohnsysteme und Bonuszahlungen besser erklären.

Das ist zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings sind die Vergütungssysteme in vielen Unternehmen noch immer derart kompliziert, dass sie nur Experten wirklich durchschauen können.

Legende: Video Brady Dougan kramt zum Abschied sein Deutsch hervor abspielen. Laufzeit 0:13 Minuten.
Vom 24.04.2015.

7 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Die ehemaligen Gegner dieser Initiative versuchen mit dieser Schlagzeile die Abzocker-Initiative schlecht zu reden. Diese war aber sehr, sehr gut, denn hätte es sie nicht gegeben wären die Boni weiter in unvorstellbare Höhen steigen.Jetzt bleiben sie wenigsten vorläufig stehen. Die Aktionäre habe eindeutig mehr zu sagen, und es wird so Schritt für Schritt in jedem Jahr für vernünftigere Unternehmenspolitik gesorgt. Aktionäre achtung!, denn natürlich versuchen es die Unternehmer mit allen Tricks.
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Darum dürft ihr nicht noch mehr Rechte wählen , die SP muss zum Ausgleich gestärkt werden , sonst wird das wieder weiter missbraucht die Oben Alles, die Unten nichts .Wann wird der Büezer endlich wach und mündig ? Und wählt für seinen Sack und nicht immer in die Säcke von denen sie belogen und bestohlen werden um den gerechten Lohn .
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  • Kommentar von Michael Frank, Bern
    Wenn ein finanzmarkttechnisch versierter Manager über Private Mittel von 50mio verfügt, muss man ihm 10mio Gehalt zahlen, damit das gamblen an den Märkten nicht sehr viel lukrativer ist (bzw. das Geldabzapfen, denn mit Glück hat das momentan nichts zu tun).
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