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Wirtschaft Trusts: Ungeeignet für Steuerbetrug

Die Offshore-Leaks-Enthüllungen haben sogenannte Trusts in den Fokus gerückt: Vehikel, die Reiche in aller Welt zur Steuerhinterziehung benutzt haben sollen. Doch Trusts sind nicht per se illegal. Und es ist auch nicht jeder ein Steuerhinterzieher, der Vermögen in Steueroasen angelegt hat.

Überblendung von Palme und Geldnoten
Legende: Erbstreitigkeiten verhindern – oft ist das der Grund für die Einrichtung eines Trusts. SRF

Offshore-Leaks hat Gunter Sachs in die Schlagzeilen gebracht – einer der bekanntesten Namen unter 300 Personen und 70 Gesellschaften aus der Schweiz, die in den Dokumenten des internationalen Recherche-Netzwerks auftauchen: 1994 liess der Fotograf, der von 2008 bis zu seinem Tod 2011 im Berner Oberland steuerpflichtig war, in der Karibik Trusts errichten. Der Verdacht: Mit den vor allem im angelsächsischen Raum weit verbreiteten Vehikeln habe Gunter Sachs Steuern hinterzogen.

Dagegen verwahrt sich sein Willensvollstrecker: Peter Hafter, ehemaliger Partner der Anwaltskanzlei  Lenz & Staehelin, errichtete 1994 auf den Cook Islands für Gunter Sachs Trusts für seine Nachkommen. Der heute 82jährige Anwalt sagt im Interview mit «ECO», das im Trust liegende Vermögen habe sein Klient immer ordnungsgemäss versteuert.

Legende: Video Peter Hafter über Gunter Sachs' Finanzen abspielen. Laufzeit 00:55 Minuten.
Aus ECO vom 08.04.2013.

Natürlich könnten Trusts – wie auch Aktiengesellschaften und Stiftungen – zum Hinterziehen von Steuern missbraucht werden. Doch seien Trust denkbar schlecht dafür geeignet, weil der Name des Trustgründers in den Dokumenten festgehalten sei: «Kein Steuerbetrüger wird auf den Gedanken kommen, sein nicht deklariertes Geld ausgerechnet in einem Trust zu verbergen, dessen Errichtungsurkunde seinen Namen und die Namen seiner Kinder nennt», so Peter Hafter.

Zentrale Frage: Ist ein Wertewandel im Gang?

Ähnlich äussert sich der Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf, der seit Ende 2012 die Financial Intelligence Unit von Liechtenstein leitet: Er vergleicht einen Trust mit einem Auto, das 220 Kilometer schnell fahren kann: Nicht jeder, der damit unterwegs sei, fahre zwangsläufig zu schnell.

Natürlich sei es so, dass Trusts auch zur Steuerhinterziehung missbraucht werden könnten und auch missbraucht wurden – so wie Schweizer Banken jahrzehntelang Steuerhinterzieher als Kunden akzeptiert hätten. Die zentrale Frage heute sei, ob bei Anwälten und Steuerberatern ein Wertewandel im Gang sei: Ob sie sich – ähnlich wie Banken mit der Weissgeld-Strategie – vom Geschäft mit Steuerhinterziehern verabschieden würden.

Legende: Video Trusts: Sinnvolle Vehikel für Unternehmer (inkl. Interview) abspielen. Laufzeit 09:12 Minuten.
Aus ECO vom 08.04.2013.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Trau schau wem, oder derzeit ist er medialerweise schuldig, bis man das effektive Gegenteil beweisen kann. Zur Not kann man davon ausgehen, dass jeder das glaubt was er oder sie ohnehin glauben wollen. Da spielen beweisbare und belegbare Tatsachen letztlich gar keine Rolle mehr. Diese Mittel da, heiligen selbstverständlich jeden Zweck. - Nur der politische Effekt zählt, man will ja klar von der EURO-Problematik ablenken und da sind bequeme Sündenböcke unabdingbar.
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