Twitter kämpft weiter mit den Userzahlen

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat sich im Frühjahr besser geschlagen als erwartet. Sprudelnde Werbeeinnahmen liessen den Umsatz ansteigen. Gewinne macht das Unternehmen weiterhin nicht.

Twitterchef Jack Dorsey im Freien von vorne fotografiert

Bildlegende: Twitter-Chef Jack Dorsey hält nicht viel von der Arbeit seines Vorgängers an der Unternehmensspitze. Reuters

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat Anleger mit besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen entzückt. Doch dann folgte der Schock in Form von schwachem Nutzerwachstum und trübem Geschäftsausblick.

Im zweiten Quartal steigerte Twitter den Umsatz auf 502 Mio. Dollar (+ 61 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Grund dafür waren steigende Werbeeinnahmen, wie Twitter mitteilt. Unter dem Strich verlor das Unternehmen noch immer Geld. Das Minus betrug 137 Mio. Dollar, das waren 8 Mio. weniger als im Vorjahr.

Die Werbeeinnahmen nahmen um 63 Prozent auf 452 Mio. Dollar zu. Davon entfielen 88 Prozent auf das zukunftsträchtige Geschäft mit mobilen Anzeigen auf Smartphones oder Tablets. Der Zuwachs ist jedoch der bisher schwächste in einem Quartal seit dem Börsengang vom November 2013.

Neuer Chef nimmt kein Blatt vor den Mund

Twitters Mitgründer und Interimschef Jack Dorsey sprach Klartext: Er schwor die Investoren auf schwere Zeiten ein. Vor allem das Nutzerwachstum entpuppt sich als grosses Problem. Die Zahl der User, die mindestens einmal im Monat Twitter nutzen, stieg im zweiten Quartal kaum noch und lag zuletzt bei 316 Millionen.

Dorsey, der den Chefsessel zu Monatsbeginn vom zurückgetretenen Dick Costolo übernahm, ging mit dem bisherigen Kurs hart ins Gericht. Das Bemühen, neue Nutzer zu gewinnen, habe keine nennenswerte Wirkung gezeigt: «Das ist inakzeptabel».

Die Massen erreichen

Twitter braucht ein klares Konzept, um Nutzer zu überzeugen und profitabel zu werden. Doch grosse Hoffnungen sollen sich Investoren vorerst nicht machen: «Wir erwarten kein nachhaltiges, bedeutendes Wachstum, bevor wir den Massenmarkt erreichen», sagte Finanzchef Anthony Noto. Und das werde noch erheblich dauern. Möglicherweise wird sich um diese Baustelle ohnehin bald ein anderes Management kümmern – Twitter wird nämlich schon länger als Übernahmekandidat gehandelt.