Zum Inhalt springen

Wirtschaft UBS kauft Ramschpapiere zurück - die Aktionäre freut's

Die UBS kauft im vierten Quartal den Rest der toxischen Papiere zurück, die sie vor fünf Jahren in grösster Not an die Nationalbank abschieben konnte. Konzernchef Ermotti begründet den Schritt mit dem guten Geschäft der letzten Monate. Die Börse reagiert positiv auf die Stärkung des Eigenkapitals.

Firmenlogo der UBS und rechts im Bild die Umrisse einer Taube auf einem Zaun.
Legende: Ende des Jahres will die UBS ehemals faule Wertpapiere aus dem SNB-Stabfund zurückkaufen. Reuters

Die Grossbank UBS hat am Dienstag zusammen mit dem guten zweiten Quartalsergebnis einen Schlussstrich unter ein weiteres schwieriges Kapitel angekündigt: Im vierten Quartal sollen die faulen Papiere zurückgekauft werden, die 2008 in den Wirren der Finanzkrise von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) übernommen worden waren.

Ermotti: Kernkapitalquote wird weiter gestärkt

Die positive Entwicklung in den letzten Monaten habe diesen Schritt jetzt erlaubt, sagte UBS-Chef Sergio Ermotti gegenüber SRF. Dies habe den positiven Effekt, dass nun die Kernkapitalquote im vierten Quartal um 70 bis 90 Basispunkte verstärkt werden könne. «Durch diese Entscheidung schaffen wir positives Kapital, anstatt negatives Kapital zu haben», betonte Ermotti. Mit Prestige habe dies nichts zu tun, es sei eine rein finanzielle und ökonomische Frage im Interesse der Aktionäre.

Per Ende Juni weist die Bank eine Kernkapitalquote nach dem Regelwerk Basel-III von 11,2 Prozent aus, nach 10,1 Prozent am Ende des Vorquartals. Auf Gewinne oder Verluste der UBS hat der Rückkauf keinen Einfluss.

Rettung aus grösster Not

Als die SNB im Oktober 2008 den Stabilisierungsfonds einrichtete, waren die Papiere für knapp 39 Milliarden Dollar an diese Bad Bank gegangen. Für die Anlagen gab es damals kaum noch einen Markt, ihr Bestand in den Büchern der UBS hätte die Bank in den Abgrund reissen können.

Die Märkte für die Papiere erholten sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Die SNB konnte die Bestände in aller Stille abbauen. Ende Juni wurde der Bruttowert des so genannten «Stabfund» noch mit knapp 7,5 Milliarden Franken bewertet.

Kosten: Eine Milliarde plus Anteil am restlichen Stabfund-Wert

Die UBS will nun von ihrer Rückkaufsoption im vierten Quartal Gebrauch machen. Dies wird möglich, weil sich das 2008 von der SNB an den Stabfund entrichtete Darlehen durch den Verkauf und die Bewirtschaftung der Papiere von ursprünglich 44 Millarden auf 1,2 Milliarden Franken verringert hat.

Zu einem früheren Zeitpunkt hatte die SNB der UBS den Rückkauf verweigert, weil es die Eigenkapitalsituation der Bank belastet hätte. Der Preis für den Rückkauf setzt sich zusammen aus einer Milliarde Franken, welche die SNB vertraglich zugesichert erhält, sowie die Hälfte des darüber hinaus gehenden Werts des Stabfunds.

Börse reagiert positiv

An der Börse werteten die Anleger die Nachricht als starkes Signal. Die UBS-Aktie legte im Verlauf des Morgens um drei Prozent zu. Die Kapitalstärkung in Folge des Stabfund-Rückkaufs sowie die Leistung der Bank im zweiten Quartal wurde auch von den Analysten positiv hervorgehoben.

Wie schon in der vergangenen Woche bekannt gegeben, hat die UBS im zweiten Quartal einen Reingewinn von 690 Millionen Franken erzielt. Das sind 30 Prozent weniger als im Vorquartal, aber rund ein Drittel mehr als im zweiten Quartal 2012. Das Resultat der Monate April bis Juni ist beeinflusst von einer grösseren Bereinigung von Altlasten aus der Finanzkrise 2007/2008, die Sonderkosten von 865 Millionen Franken verursachten.

50 Prozent mehr Neugeld im ersten Semester

Insgesamt nahm die Vermögensverwaltung im Quartal unter dem Strich 10,1 Milliarden Franken an neuen Kundengeldern entgegen. Dazu kamen 2,8 Milliarden Dollar Netto-Neugeld in der UBS-Vermögensverwaltung auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Laut Konzernchef Ermotti ergibt sich für das erste Halbjahr damit Neugeldzufluss von 36 Milliarden Franken, 50 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahresperiode.

Die Vermögenswerte stammen zu rund 90 Prozent von sehr reichen Privatkunden in Übersee. Die Vermögensverwaltung hat nach Angaben der Bank operativ die beste Profitabilität seit vier Jahren erreicht. Auch in der Investmentbank liefen die Geschäfte dank eines regen Aktienhandels so gut wie lange nicht mehr.

Stellenabbau geht weiter

Trotz des guten Geschäftsgangs hält die UBS an ihrem massiven, Ende 2012 im Rahmen der Fokussierung auf die Vermögensverwaltung bekannt gegebenen Stellenabbau fest. Bis Ende Jahr dürfte der Bestand auf rund 60'000 Stellen sinken. Die Bank will 2015 noch rund 54'000 Mitarbeiter beschäftigen. Damit wären rund 10'000 Stellen weggefallen, rund ein Viertel davon in der Schweiz.

8 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von R.käser, Zürich
    Mit einer Kernkapitalquote von 11% steht die UBS gut da. - heist es .... Wenn ein potentieller Eigenheim Erwerber mit 11% Eigenmittel eine Liegenschaft über eine solch dubiose Firma finanzieren will, dann giltndieser als insolvent. Insolvent weil er der Bank zuwenig liquide Mittel zum Zokken bringt? Jeder EFH Besitzer mit 11% Eigenmittel ist als solventer und voralem als massiv seriöser als eine Bänkster Organisation zu betrachten- habt Ihr das in Bern begriffen oderbseid Ihr einfach zu korrupt
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von R.käser, Zürich
    Der Bundesrat ohne Parlament hat wie im Casino ein Grossteil des Volksvermögens auf eine Zahl gewettet und Glück gehabt. Dabei wurden die Bänkster bedingungslos mit Geld von der Nationalbank bedient. Ist es die Aufgabe des Bundesrates die Demokratie zu untergraben und die Wirtschaftskriminalität staatlich zu legalisieren? Ich möchte wissen, was die Idioten welche dieses handeln beführworten sagen würde wenn die bundesrätliche Zokke in die Hose gegangen wäre.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stefan Pfister, Zürich
    Ich verlange, dass dieser Gewinn der SNB zu 100% in die Entwicklungshilfe fliesst!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von wadoo schmidli, luzern
      warum?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Also eigentlich doch in eine Entwicklungshilfe hier in der Schweiz könnte ich mir vorstellen. (smile)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von jo term, zurich
      der Gewinn soll den Aktieninhabern ausbezahlt werden , die auch das Vertrauen in die Bank hatten in der schlechten Zeit.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Fabian Mueller, Zuerich
      @ jo term: Hat da jemand mit Aktien verlust gemacht? ;-) Jeder Aktionaer kann dankbar sein, dass die SNB ueberhaupt geholfen hat. Sonst waere die Aktie heute quasi wertlos. Der Gewinn gehoert ganz klar der SNB, resp. dem Staat. Dieser hat hier naemlich auch das Risiko getragen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von h. anni, zürich
      @Pfister Hatten sie zu heiss in den letzten Tagen und somit den 30.7. mit dem 1. April verwechselt? Oder wollen sie ernsthaft noch mehr Wasser in den Rhein schütten? Vielleicht tue ich ihnen auch Unrecht und sie meinten mit "Entwicklungshilfe", dass sie diesen Gewinn innerhalb der CH für die ärmere Gesellschaft verwenden wollen. Wie auch immer. Man kann nachlesen, wie die SNB-Gewinne verteilt werden, aber sicher nicht so, wie sie sich das ausdachten. Zum Glück.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen