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Wirtschaft Übernahmeangebot erwischt Sika auf dem falschen Fuss

Die französische Saint-Gobain-Gruppe will die Kontrolle über Sika erlangen – gegen den Willen des Verwaltungsrates. Dieser sieht das in seinen Augen erfolgreiche Geschäftsmodell des Unternehmens gefährdet. SRF hat mit dem Vorsitzenden des Sika-Verwaltungsrates, Paul Hälg, gesprochen.

Legende: Video Eklat bei Baustoffriesen Sika abspielen. Laufzeit 1:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.12.2014.

SRF: Die Übernahme durch die Saint-Gobain-Gruppe hat Sika auf dem falschen Fuss erwischt. Kann man das so sagen?

Paul Hälg: Das stimmt, wir waren ziemlich überrascht über diese Nachricht am Freitagabend. Und wir hatten ein ziemlich beladenes Wochenende.

Sie sitzen mit Vertretern der Gründerfamilie Burkard im Verwaltungsrat. Sie haben trotzdem nichts von deren Verkaufsplänen gewusst. Das spricht nicht gerade für ein gutes Vertrauensverhältnis innerhalb dieses Gremiums.

Es ist so, dass auch die Vertreter dieser Familienholding, die im Verwaltungsrat sitzen, nichts von dieser Transaktion wussten. Natürlich mit Ausnahme eines Familienmitgliedes, das auch im Verwaltungsrat vertreten ist.

Innerhalb des Gremiums haben wir eine offene Kommunikation und ein gutes Verhältnis. Aber da diese Vertreter selber nichts wussten, konnte auch nichts kommuniziert werden.

Die Familie hat sich nicht verpflichtet gesehen, zu sagen, dass sie verkaufen will?

Nein, sie wollte das offensichtlich geheim halten. Vielleicht auch aus dem Grund, dass sie so allenfalls wieder vom Verkauf zurücktreten könnte, hat sie mit niemandem darüber geredet.

Welches alternative Vorgehen hätten Sie sich gewünscht?

Legende: Video SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind zu den Hintergründen abspielen. Laufzeit 1:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.12.2014.

Ich kann den Wunsch verstehen, dass man seine Anteile verkaufen will. Ich glaube, es müssten Lösungen gesucht werden, mit denen die Interessen aller Stakeholder gewahrt bleiben. Da gäbe es sicher andere Lösungen, die man anschauen müsste.

Saint-Gobain möchte mit 16,1 Prozent des Aktienkapitals 52,4 Prozent der Stimmrechte erlangen. Sie haben an der Medienkonferenz gesagt, dass sie lieber gleich zu 100 Prozent geschluckt würden. Also, dass auch die Drittaktionäre ein Angebot bekämen. Was wäre der Unterschied?

Erst einmal: Verkauft zu werden, ist a priori nicht unbedingt interessant. Aber zumindest wäre im Fall einer 100-prozentigen Übernahme eine Industrielogik sichtbar, und die Verhältnisse wären klar. Was mich an dieser Situation stört, ist, dass die Verhältnisse nicht klar sind, und sehr viele Konflikte entstehen können.

Was meinen sie damit?

Die Synergien können nicht umgesetzt werden, wenn unterschiedliche Eigentumsverhältnisse vorhanden sind. Die Konkurrenzsituation wird ein Problem darstellen. Und ausserdem kann das Wachstum für Sika eingeschränkt werden, weil wir nicht mehr alle Geschäftsfelder offen haben, die wir vorher offen hatten.

Sie sprechen auch von Interessenkonflikten. Können Sie Beispiele nennen?

Zum Beispiel haben wir eine ganz klare Wachstumsstrategie. Wir wachsen auch über Aquisitionen. Es wird Situationen geben, in denen wir die gleiche Firma übernehmen wollen. Wer übernimmt jetzt, Saint-Gobain oder wir? Wenn sie bestimmen, werden sie sicher ein Interesse daran haben, dass sie übernehmen können. Weil dann 100 Prozent des Gewinns bei ihnen anfällt und sonst nur ein Sechstel. Das ist ein ganz klarer Konflikt. Und solche gibt es unzählige.

Wie geht es jetzt weiter? Sitzen Sie noch einmal mit den Käufern an einen Tisch?

Es wird sicher noch Gespräche geben. Solange die Struktur so bleibt, ist es für den Verwaltungsrat sicher kein gangbarer Weg. Wir werden jetzt sehen, wie sich die Sache weiterentwickelt.

Die unabhängigen Verwaltungsräte haben entscheiden, dass sie gehen, wenn der Deal so zustande kommt. Wenn er hingegen platzen sollte: Können sie überhaupt Verwaltungsräte bleiben?

Es wird sich zeigen, wie dann die Situation aussieht. Das ist jetzt noch Spekulation.

Das Gespräch führte Eveline Kobler.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub, Bern
    Überall in der EU leere Kassen. Aber für sowas ist plötzlich haufenweise Geld vorhanden. Merkwürdig! Wokkriegen sie das denn her?
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  • Kommentar von Hans Wuhrmann, Amriswil
    Wenn schon das Schweizer Aktienrecht überarbeitet werden soll, dann ist es jetzt höchste Zeit, die Stimmrechtsaktien in Einheitsaktien zu überführen. Dafür kann auf Blödsinn wie die Geschlechterquote gern verzichtet werden.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Jetzt geht die Übernahme der Schweiz durch die EU einfach auf wirtschaftlichem Weg vonstatten. Eine Traditionsfirma um die andere wird mit leckeren Angeboten von gierigen Interessenten zum Verkaufen animiert. Der Ausverkauf der Heimat geht also munter weiter. Und ihre Bewohner leisten ihren Beitrag dazu. Wenn der Staat ausgeräumt ist, steht er da, wie ein leeres Haus und kann dann leicht und billig auf politischem Weg von der EU übernommen werden.
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    1. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Und dank hohem sFr-Kurs fischen seit Jahren die Schweizer dick in EU-und anderen Gefilden ...
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    2. Antwort von E. Siefert, Basel
      Wenn auf der einen Seite "gierige Interessenten" stehen, stehen am anderen Ufer noch "gieriegere Verkäufer", sonst kann der "gierige Interessent" noch so lange nach dem "Filet" lechzen. Also ist es in diesem Fall wohl wieder einmal jene Generation der Unternehmerfam., die nur noch das Geld interessiert + die keinen Bezug mehr zum Fam.-Erbe in Form eines Unternehmens hat.. Wie heisst es so schön: 1 Generation gründet ein Unternehmen, die 2te führt es weiter und die 3te lässt es zu Grunde gehen.
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