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Wirtschaft Überraschender Abgang bei Zurich

Der Chef des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich, Martin Senn, wird per Ende Jahr zurücktreten. Verwaltungsratspräsident Tom de Swaan übernimmt die Konzernleitung vorübergehend. Der neue Chef soll offenbar von ausserhalb des Konzerns kommen.

Martin Senn an einer Pressekonferenz.
Legende: Abrupter Abgang: Der Konzernchef der Zurich Versicherung, Martin Senn, tritt zurück. Keystone

«Wir mussten in den vergangenen Monaten einen Rückschlag einstecken, aber ich bin sicher, dass wir die richtigen Massnahmen getroffen haben, um unsere Ziele zu erreichen», erklärte Martin Senn in der Mitteilung zu seinem Rücktritt als CEO der Zurich Insurance Group.

Nach Absprache mit dem Verwaltungsrat habe er sich zu diesem Schritt entschieden, schreibt die Versicherungsgruppe. Senn war rund sechs Jahre an der Spitze des Konzerns.

Kritik zuletzt angewachsen

Über einen Abgang Senns wurde zuletzt in den Medien spekuliert, nachdem vor allem in der Schadenversicherungssparte General Insurance (GI) Probleme zu Tage getreten waren.

Im dritten Quartal führten die operativen Probleme, etwa im US-Haftpflichtgeschäft, und die hohen Kosten aus den Explosionen vom August am Hafen der chinesischen Stadt Tianjin sogar zu einem Verlust in der GI-Sparte. Auf Gruppenebene brach der Quartalsgewinn um 80 Prozent ein.

Bereits anlässlich des Investorentags im Mai musste Senn der Zurich eine Strategieüberprüfung anordnen. Schrittweise wurde seither ein Stellenabbau angekündigt: für Deutschland (500 Stellen), Grossbritannien (400) oder das Global Team von General Insurance (200 Stellen bis Ende 2016).

«Externe Kandidaten» bevorzugt

Ein Nachfolger von Senn muss erst noch bestimmt werden. Verwaltungsratspräsident Tom de Swaan übernehme die Konzernleitung ad-interim, teilte der Konzern mit. Und auch Vize-Präsident Fred Kindle werde in der Übergangsphase zusätzliche Verantwortung übernehmen.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte de Swaan, der künftige Chef solle von ausserhalb des Unternehmens kommen: «Wir haben entschieden, uns auf externe Kandidaten zu fokussieren.»

SRF-Wirtschaftsredaktorin Susanne Giger zum Rücktritt Senns:

SRF-Wirtschaftsredaktorin Susanne Giger zum Rücktritt Senns:
«Offensichtlich gab es bei Zurich zwei gegensätzliche Seiten, die übereinkamen, dass es besser ist, wenn man sich trennt. Streitpunkte waren etwa die gescheiterte Grossübernahme des britischen Versicherers RSA. Hier stellt sich die Frage, ob der Verwaltungsrat die Übernahme forciert hatte, die Geschäftsleitung aber den Fokus auf das Lösen der Probleme in der eigenen Schadenabteilung legen wollte. Zudem haben die Zahlen bei Zurich zuletzt nicht gestimmt, es entstand ein grosser Spardruck. Zugleich erwarten die Aktionäre, dass die Zurich wächst. Möglicherweise war CEO Martin Senn dem Verwaltungsrat in diesem Bereich zu wenig aggressiv. Für den Konzern und die Zurich-Angestellten bedeutet der Rücktritt Senns ein grosser Unsicherheitsfaktor. Bereits sind in den vergangenen Monaten einige langjährige Mitarbeiter in den oberen Chargen abgesprungen. Es ist wichtig, dass nun möglichst schnell Klarheit über den neuen Chef geschaffen wird. Eher ungewöhnlich auch, dass VR-Präsident Tom de Swaan nun interimistisch als CEO amtet. Das deutet darauf hin, dass man extern nach einem neuen Chef sucht, der einen neuen Wind ins Unternehmen bringen soll.»

Aktienwert nach Rücktritt gesunken

Der Rücktritt von Senn habe keinen Einfluss auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens, verkündete die Versicherungsgruppe. Der CEO-Wechsel bei der Zurich könnte aber auch mit der bevorstehenden nächsten Strategieperiode ab 2017 zu tun haben. Bis spätestens Mitte 2016 muss intern die Festlegung neuer operativer und finanzieller Ziele beginnen.

Die Aktien der Zurich sind nach dem Rücktritt von Senn mit tieferen Kursen in den regulären Handel gegangen. Das Tagestief lag am Dienstag bei 267,70 Franken.

2 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Es nervt. In allen Nachrichten ist die erste Meldung der Abgang von Senn bei der Zürich. „In China ist ein Sack Reis umgefallen“ ist in Sachen Dringlichkeit in etwa vergleichbar. Es interessiert uns nicht. Schon gar nicht, weil alle wissen, dass die Misere bei der Zürich zum Schluss von den Mitarbeitenden ausgebadet wird, während das (Ex-)Topmanagement sich in Boni bzw. Abgangsentschädigungen suhlt. Lasst solcherlei Meldungen einfach weg oder vermeldet Sie als Einzeiler zum Schluss…
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  • Kommentar von Thomas Schweizer (Schweizer_Thomas)
    Rücktritt entspricht "Goldener Fallschirm" ... In 100 von 100 Fällen so. Bei allen CXX genau gleiches Verhalten festzustellen. Und bei VR's nicht besser. Es gibt Biografien nachzulesen --- Recherchen http://www.theofficialboard.de/biografie/martin-senn
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