Zum Inhalt springen
Inhalt

Ungebremster Steuerwettbewerb Bislang kann die Schweiz US-Firmen halten

Legende: Audio US-Firmen wandern nicht reihenwiese ab abspielen. Laufzeit 04:07 Minuten.
04:07 min, aus Echo der Zeit vom 04.04.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Senkung der Firmensteuern in den USA hat bislang keinen Exodus von US-Firmen aus der Schweiz zur Folge.
  • Das könnte sich ändern, falls die Steuervorlage 17 nicht durchkomme, ist ein Experte von KPMG überzeugt.
  • Denn der weltweite Steuerwettbewerb der Staaten geht unvermindert weiter.

Die Senkung der Firmensteuern durch US-Präsident Donald Trump freut viele Firmen in den Vereinigten Staaten. Und sie könnte Auswirkungen auf die Schweiz haben: Hier ansässige US-Firmen könnten versucht, sein, in die USA zurückzukehren.

Bislang sei dies aber erst «ganz vereinzelt» passiert, sagt Stefan Kuhn vom Beratungsunternehmen KPMG. Die Firmen würden keinesfalls gleich massenweise in die USA abwandern, nur weil sie dort weniger Steuern als bisher bezahlen müssen.

Schweiz hat auch andere Standortvorteile

Für bekannte US-Konzerne in der Schweiz wie beispielsweise Johnson & Johnson oder Procter & Gamble gibt es noch einige andere als steuerliche Gründe, ein Standbein in der Schweiz zu haben. Hier gibt es gut ausgebildete Fachkräfte oder eine hohe Rechtssicherheit. Das seien ebenfalls wichtige Standortvorteile, stellt Kuhn fest.

Und: Gerade in der Pharmabranche sei die Schweiz ein globaler Player mit einer sehr guten Infrastruktur. «Das lockt sogar weitere US-Unternehmen an.»

Symbolbild: Bündel von Franken-Noten.
Legende: Die Schweiz bleibt vorerst attraktiv für US-Firmen, die möglichst wenig Steuern bezahlen wollen. Keystone

USA steuerlich bloss im Mittelfeld

Dass die Steuersenkung für Unternehmen in den USA keine magnetische Wirkung entfaltet, hat auch damit zu tun, dass dort der Gewinnsteuersatz nach Trumps Reform vergleichsweise hoch bleibt. Das zeigen die Zahlen des neuen Tax Reports von KPMG klar.

Mit der Senkung der Gewinnsteuern auf Bundesebene von 35 auf 21 Prozent rücken die USA vom Hochsteuerland ins internationale Mittelfeld vor. Die Schweiz dagegen rangiert im vorderen Drittel. Hier verlangen Bund, Kantone und Gemeinden zusammengerechnet durchschnittlich nur rund 18 Prozent. Typische Tiefsteuer-Kantone wie Luzern, Zug, Schwyz oder Neuenburg sind noch günstiger.

Internationale Firmen werden sich nach einer allfälligen Ablehnung der Steuervorlage 17 nicht zweimal überlegen, ob sie die hohen Steuern bezahlen sollen.
Autor: Stefan KuhnSteuerexperte KPMG

Die Frage ist allerdings, wie geschickt sich die Schweiz nun im globalen Steuerwettbewerb positioniert. Denn ihre bisherigen Steuerprivilegien für Grosskonzerne muss sie auf ausländischen Druck aufgeben, respektive durch neue Vergünstigungen ersetzen.

Auf die Steuervorlage 17 kommt es an

Im ersten Anlauf ist diese Reform (USR III) letztes Jahr an der Urne gescheitert. Im Herbst kommt nun eine überarbeitete Unternehmenssteuerreform (Steuervorlage 17) ins Parlament. Und möglicherweise steht eine zweite Volksabstimmung bevor. Ein abermaliges Scheitern hätte Folgen, warnt der Mann von KPMG.

Sollten ausländische Grosskonzerne nach einer Ablehnung der Steuervorlage 17 durch das Volk auf ihre bisherigen Steuerprivilegien verzichten müssen, würden sie nach Alternativen zur Schweiz suchen. «Sie werden sich nicht zweimal überlegen, ob sie die hohen Steuern bezahlen sollen», ist der KPMG-Experte überzeugt.

Solche Firmen würden also zumindest einen grösseren Teil der Gewinne künftig anderswo versteuern – wo es günstiger ist. Denn der globale Schönheitswettbewerb unter den Staaten, den US-Präsident Trump mit seiner Steuerreform lediglich zusätzlich angeheizt hat, dauert weiter an.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Steff Stemmer (Steff)
    Ich frage mich wo das noch hinführt? Es gibt immer wie weniger Arbeitsstellen für Normalos, Firmen automatisieren und roboterisieren, steigern dadurch Gewinn und Ausstoss. Keine Arbeiter die Steuern zahlen und den gesteigerten Gewinn der Firmen soll noch tiefer besteuert werden? Wo soll das Geld herkommen um unser System aufrecht zu erhalten? Dafür EL, Sozialleist. kürzen und IV in Frage stellen! Irgendwann wirds knallen?! Nicht erwähnt, Patentboxen und F&E Abzüge, eine weitere Ungerechtigkeit!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    2) Realistisch betrachtet bringen die US-Firmen am CH-Arbeitsmarkt nur einen geringfügigen Nutzen. Ihre Schlüsselpositionen (Führung bzw. hochqualifizierte Forscher usw.) sind fast ohne Ausnahme durch "mitgebrachte" AN besetzt. Klar, in den unteren Regionen finden auch CHs Unterschlupf. Aber das ist es schon. Wenn diese Firmen eine Abwanderung prüfen, dann nehmen sie gleich die Belegschaft mit. Dann haben sie ein Problem, wenn AN erkennen, dass anderswo die Soz.beiträge viel höher ausfallen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    "Ich erkenne Angstmacherei, wenn ich es sehe" - hat eine britische Studentin in der Brexit-Debatte direkt dem PM Cameron in die Augen gesagt. So sieht's hier auch aus. Mit USRIII hat Bundesbern eindeutig den Bogen überspannt. Hätte sie dem Normalo auch etwas mehr als ein Zückerli gegeben, bzw. wäre die Abstimmung nicht im Schatten der AHV-70-Fr-Debatte passiert, wäre die Toleranz für USR sicherlich höher gewesen. 2) folgt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen