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Unia fordert Regeln am Bau Mit beheizten Baracken und warmen Getränken gegen die Kälte

Legende: Audio Kälteempfehlungen für Bauarbeiter umstritten abspielen.
1:50 min, aus HeuteMorgen vom 26.02.2018.
  • Auf der Internetseite des Baumeisterverbandes finden sich Empfehlungen für die Arbeit an Tagen mit Eisestemperaturen, wie sie derzeit vorherrschen.
  • Diese Vorschläge für freiwillige Massnahmen der Unternehmen hält die Gewerkschaft Unia allerdings für unzureichend.
  • Die Arbeitnehmer-Vertreter fordern stattdessen feste Regeln, die letztlich für alle Firmen im Baugewerbe verbindlich sein sollen.

Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) hat auf seiner Internetseite Kälte-Empfehlungen für Firmen der Branche publiziert. Die dort aufgelisteten, freiwilligen Massnahmen können den Arbeitsalltag der Arbeiter bei klirrenden Temperaturen erleichtern.

«Jeder Unternehmer entscheidet selbst»

Dazu gehört etwa die Gewährung längerer Pausen für Arbeiter, das Angebot warmer Getränke und die Bereitstellung beheizter Baracken. Die Verantwortung liege allerdings im Endeffekt beim einzelnen Bau-Unternehmer, unterstreicht Philipp Senn, Kommunikationsverantwortlicher beim SBV: «Jeder Unternehmer entscheidet selber, ob gewisse Arbeiten nicht oder nur reduziert durchgeführt werden. Sei es, weil sie technisch nicht möglich sind oder aus Gründen der Arbeitssicherheit oder des Gesundheitsschutzes.»

Diese Vorgehensweise sei in der Praxis aber nicht zufriedenstellend, finden die Gewerkschaften. Denn die Erfahrung zeige, dass nicht alle Bau-Unternehmer gleich verantwortungsbewusst handeln.

Nationale Branchenlösung gefordert

Deshalb fordert die Unia verbindliche Regeln, ab welcher Temperatur und bei welchen Wetterbedingungen Bauarbeiten eingeschränkt oder sogar eingestellt werden müssen.

Im Kanton Waadt gebe es bereits eine solche Branchenregelung, sagt Unia-Vertreter François Clément. So müssen dort Bauarbeiten draussen beendet werden, wenn der Wetterdienst meldet, dass die gefühlte Temperatur kälter als minus acht Grad ist.

Das sollte auch für andere ein Vorbild sein: «Wir brauchen eine nationale Branchenlösung für Schlechtwetter auf Baustellen - für die Gesundheit und die Sicherheit der Arbeitnehmer. Und wir brauchen das jetzt.»

Mehr Bürokratie durch starre Regeln

Davon will der Schweizerische Baumeisterverand aber nichts wissen. Starre Regeln würden nur mehr Bürokratie verursachen, aber nicht mehr Sicherheit bringen.

Die Baumeister wollen die Entscheidung auch an den kalten Tagen wie bisher beim einzelnen Unternehmer lassen. Denn der kenne die lokalen und individuellen Verhältnisse am besten.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Wozu die "mehr Bürokratie" als Argument überall hinhalten muss... Mir kommt vor, als würden Arbeitgeberverband und Baumeisterverband grundsätzlich die Schriftlichkeit scheuen... (Ironie off)
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Glaube das ist heute schon der Normalzustand, wir sind ja kein "Schwellenland"!
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Die Lehre ist eine Alte: wer immer kann, sollte sich gewerkschaftlich organisieren. Denn zwischen den smarten Unternehmer, die sich dem lean Management und der Flexibilisierung der Arbeits-(kräfte) verschrieben haben und den vielen, vielen, die eine Stelle brauchen, ist niemand, der sie vor Willkür schützt. Diejenigen, die Arbeiten müssen sich schon selber schützen, respektive an jemanden delegieren ....und die gibt es seit manchen Jahren, die Gewerkschaften.
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    1. Antwort von A. Moser (AM)
      Die Lehre ist eine Alte - nur die Realität eine andere! Die Mehrheit der Arbeitgeber sind keine "Lean-Management-Betriebe" - sondern KMU. Und die können für ihre 2-3 MA nicht mal eben noch eine beheizte Baracke kaufen, weil es alle 5 Jahre ein paar Tage wirklich "a***kalt" ist! Für Grossbetriebe mag die UNIA SInn machen - doch die wollen Regeln, die ALLE betreffen und damit viele KMU kaputt machen! Und am Ende? Haben wir nur noch Grossbetriebe, die weiter jede Gesetzeslücke schamlos ausnützen!
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      'die ALLE betreffen und damit viele KMU kaputt ' Da werden die Argumente kapitalistischen Wirtschaftens schön brav internalisiert. Auch KMU's könnten sich zusammenschliessen und dieses Teile und Herrsche, dass alle Beteiligten zu mundgerechten Häppchen für die 'Grossen' macht, etwas entgegen halten.... Denn es gibt immer mehr Beteiltigte auf allen Seiten, die das wirtschaften auf Kosten der Schwächeren nicht mehr einfach so und unbesehen unterstützen und hinnehmen.
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