US-Stadt Providence lässt Klage gegen Schweizer Banken fallen

Hochfrequenzhändler und so genannte Dark Pools sollen die Hauptstadt des US-Bundesstaates Rhode Island bei Börsengeschäften benachteiligt haben. Mit einer Sammelklage gegen Banken und Börsen kämpft Providence nun um Entschädigung. Darunter waren UBS und Credit Suisse. Jetzt nicht mehr.

Stadtansicht von Providence.

Bildlegende: Kleine US-Stadt gegen mächtige Finanzwelt: Providence, 180'000 Einwohner, 2 Stunden nördlich von New York. Andreas Faessler

«Eine aktuelle Klage wurde vor wenigen Wochen eingereicht, die beiden vormals Angeschuldigten sind darin nicht mehr vertreten.» Mit diesem Satz bestätigt Jeffrey Padwa, Rechtsvertreter von Providence, im Interview mit «ECO», dass seine Stadt gegen die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse nicht mehr rechtlich vorgeht.

Der Hintergrund der Klage: In den letzten fünf Jahren hat die Stadt Börsen-Aufträge für 611 Millionen US-Dollar vergeben. Es handelte sich hauptsächlich um den Pensionskassenfonds ehemaliger Stadtangestellter, dessen Geld in Aktien investiert worden war. Dabei sollen sich Hochfrequenzhändler mit ihren ultraschnellen Computersystemen insgeheim in den Börsenhandel eingeschaltet und so mitverdient haben.

Informationen gegen Geld

Im Visier der aktuellen Klage sind hauptsächlich US-Börsen. Sie sollen den Hochfrequenzhändlern gegen Entgelt Zugang zu Börsen-Informationen gewährt haben. Auch die US-Bank Barclays steht weiterhin auf der Liste der Angeschuldigten. Ihr bankinternes Handelssystem, der so genannte Dark Pool, soll Hochfrequenzhändlern Zugang zu den Transaktionen gewährt haben.

Jahrelang kämpfte Providence als Folge der Finanzkrise gegen den Bankrott. Bürgermeister Angel Taveras verordnete Kostensenkungen und höhere Steuern und entliess Personal. Jetzt gehe es darum, die Renten der städtischen Angestellten vor Abzockern zu sichern, begründet Jeffrey Padwa die Sammelklage gegen die Finanzwelt an der Wall Street.

Video «Jeffrey M. Padwa zum Grund für die Klage aus Providence (eng.)» abspielen

Jeffrey M. Padwa zum Grund für die Klage aus Providence (eng.)

0:47 min, vom 10.10.2014

Der Rechtsvertreter schweigt sich darüber aus, warum es zum Rückzug der Klage gegen UBS und Credit Suisse kam und ob ein Vergleich mit den Finanzinstituten getroffen wurde. Er mache keine weiteren Angaben, da es sich um ein laufendes Verfahren handle, sagt er im Interview mit «ECO». Die ursprüngliche Klage war im vergangenen April in New York eingereicht worden.

Hochfrequenzhandel

Wertpapier-Handel, der ohne menschliches Zutun auskommt – das ist High Frequency Trading. Computer kaufen und verkaufen autonom Wertpapiere. Kennzeichen dieser Handels-Form sind kürzeste Haltefristen und hohe Umsätze.

«ECO» vom 10.01.2011: Hochfrequenz-Handel: Spiel mit dem Feuer

Dark Pools

«Dark Pools» sind anonyme Handelsräume. Dort können Grossinvestoren abseits der Börsenplätze Hunderte von Millionen Aktien kaufen und verkaufen. Im Unterschied zu normalen Börsen werden die Aufträge nicht öffentlich gemacht. Die anderen Marktteilnehmer sehen nur die Abschlüsse.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Schnelles Geld dank rascher Leitung

    Aus ECO vom 13.10.2014

    Haifische, Parasiten und Räuber – Hochfrequenzhändler haben ein schlechtes Image. Mit ultraschnellen Leitungen verschaffen sie sich entscheidende Vorteile im Börsenhandel. Die «ECO»-Reportage aus den USA zeigt, welche Gefahren drohen, wenn Hochleistungs-Rechner Investoren «melken». Und auch hierzulande ertönt der Ruf nach strengerer Börsenaufsicht.

    Mehr zum Thema