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US-Zölle auch auf EU-Importe «Werden überall Zölle eingeführt, muss die Schweiz mitziehen»

Legende: Audio Alu-Verbandspräsident Menet zu den US-Zöllen abspielen. Laufzeit 02:35 Minuten.
02:35 min, aus HeuteMorgen vom 01.06.2018.

Nun erheben die USA also Zölle für Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU. Für die Schweiz mit ihrer bedeutenden Aluminiumindustrie gelten diese Zölle schon seit März, weil sie nie in den Genuss einer Ausnahmeregelung kam wie die EU-Staaten oder Kanada und Mexiko.

Trotzdem befürchtet die Schweizer Aluminiumindustrie Auswirkungen der US-Zölle auf EU-Importe – wenn auch indirekte, wie Marcel Menet vom Schweizer Verband der Aluindustrie erklärt.

Marcel Menet

Marcel Menet

Präsident Aluminiumverband Schweiz

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Marcel Menet ist Geschäftfsführer von alu.ch, dem Aluminiumverbvand der Schweiz. Der Ingenieur ist auch Lehrbeauftragter, Link öffnet in einem neuen Fenster an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW.

SRF News: Was bedeutet die Einführung von Stahlzöllen durch die US-Behörden für die Schweiz?

Marcel Menet: Kurzfristig ändert sich für die Schweizer Aluindustrie nicht viel. Die Zölle für Schweizer Exporte in die USA gelten ja bereits seit einigen Wochen. Seit dem 12. Mai müssen zudem Ausfuhren in die EU speziell deklariert werden. Eine Schweizer Firma muss seither seinem Kunden in der EU mitteilen, dass dieser eine Einfuhrlizenz in seinem Land lösen muss. Erst dann kann die Schweizer Firma den Export tätigen.

Alubarren aufgestapelt.
Legende: Die Schweizer Aluindustrie gerät weiter unter Druck: Für die Weiterverarbeitung bereite Alubarren. Keystone

Die Schwierigkeiten bestehen also vor allem beim Export in die EU – und die Einführung der US-Zölle auf EU-Produkten wirkt sich auf die Schweizer Stahl- und Aluminiumindustrie gar nicht so stark aus?

Auf den zweiten Blick hat der Entscheid der USA sehr wohl einen Einfluss auch auf die Schweiz. Wir befürchten, dass Aluminiumfirmen in der EU Aufträge in den USA verlieren. Diese Firmen werden dann nach neuen Märkten Ausschau halten – etwa in der Schweiz. Damit könnte der Druck auf die Schweizer Alufirmen nochmals zunehmen, sie könnten auch in der Schweiz selber Aufträge verlieren.

Alufirmen aus der EU könnten neue Märkte suchen – etwa die Schweiz.

Wie kann die Schweiz reagieren, falls dies so kommt?

Zuerst muss man nun abwarten. So finden in der nächsten Woche Gespräche zwischen einer Schweizer und einer EU-Delegation in Brüssel statt. Doch die Schweiz muss sich durchaus Gedanken machen, ob sie ebenfalls gewisse Massnahmen ergreifen muss. Denn die Schweizer Alufirmen möchten natürlich mit gleich langen Spiessen wie die ausländische Konkurrenz im internationalen Markt agieren können.

Die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Aluindustrie wird sich nicht rasch verbessern.

Was meinen Sie mit «Massnahmen»?

Wenn überall auf der Welt solche Zölle eingeführt werden, dann muss auch die Schweiz mitziehen. Es zeigt sich jetzt, dass der US-Entscheid, solche Zölle einzuführen, einen ganzen Rattenschwanz von Entwicklungen ausgelöst hat. Das sind sehr beunruhigende Konsequenzen für die ganze Welt.

Lässt sich bereits abschätzen, welche Auswirkungen die US-Zölle und die Lizenzpflicht für Exporte in die EU auf die Schweizer Aluminiumindustrie auswirkt?

Dazu ist es noch zu früh. Zwar herrschte nach der Einführung der Exportlizenzen in der EU ein ziemliches Chaos weil die einzelnen Länder schlecht darauf vorbereitet waren und die Vorschrift unterschiedlich umsetzten. Inzwischen hat sich das in vielen Ländern etwas gebessert. Klar aber ist, dass die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Aluindustrie dadurch gelitten hat. Sie wird sich auch nicht so schnell wieder verbessern.

Das Gespräch führte Markus Föhn.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Wir wollen keine Diktatur der Wirtschaft in der Schweiz. Schweizer Unternehmen sind von unfreundlichen Übernahmen und mit Zöllen zu schützen. Internationale Unternehmen in der Schweiz haben sich den Entscheiden des Schweizer Volkes zu fügen oder das Land zu verlassen. Die Zuwanderung ist mit Kontingenten zu begrenzen. Die EU ist nicht Europa und die Schweiz wird die Diktatur der EU nicht zulassen !
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  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Das Gleichgewicht des unregulierten Marktes ist Mär von Wirtschaftsprofessoren im Dienste weniger Konzerne. Nur die Souveränität unabhängiger Staaten kann die Diktatur dieser Wirtschaftsdiktatur zurückbinden auf den effektiven Bedarf im Dienste der Menschen. Daher geht nationales Recht in jedem Fall vor. Zölle und steigende Preise haben die Eigenschaft den Konsum auf das notwendige Mass zu reduzieren !
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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Ich sehe das wirklich als ein Mechanimus wie Geld von den abstakten Produkten zur Realwirtschaft umverteilt werden kann, das würde viel soziale Spannung rausnehmen und die Patroten besänftigen, denn wenn es alle tun müssen ist das zuerst zwar eine Verteuerung der Produkte aber eine Spirale zum Geld in die Realwirtschaft und zu besseren Marchen pro Stück. Entweder Trump durchschaut das und wäre köüger als gedacht oder er hat gute Berater oder das Bauchgefühlt meint es gut mit ihm.
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