Zum Inhalt springen
Inhalt

Vegane Ernährung Raus aus der Chörnlipicker-Ecke

Grossverteiler setzen vermehrt auf vegane Produkte: Ihre Umsätze mit Milchersatzprodukten steigen.

Legende: Video Vegan wächst zweistellig abspielen. Laufzeit 06:47 Minuten.
Aus ECO vom 02.10.2017.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Markt mit Milchersatzprodukten ist seit 2015 von 17 auf 27 Millionen Franken gewachsen.
  • Der Jahresumsatz für Fleischersatzprodukte beträgt 64 Millionen Franken.
  • Über 30 Prozent der Bevölkerung sind Veganer, Vegetarier oder Flexitarier.

«Keine grössere Firma kann es sich heute erlauben, nicht auf den veganen Wachstumsmarkt aufzuspringen», sagt Renato Pichler, Geschäftsführer von Swissveg, der Interessensvertretung der Veganer und Vegetarier in der Schweiz. Swissveg sei über das V-Label in Kontakt mit über 200 Lebensmittel-Herstellern. «Überall wird stark entwickelt: Auch Firmen, bei denen man es nicht erwarten würde – Milch- oder Fleischverarbeiter – setzen heute auf vegane Produkte.»

Das Möbelhaus Ikea etwa führt seit September in seinen Restaurants vegane Gerichte. Migros-Tochter Bischofszell Nahrungsmittel produziert seit zwei Jahren vegetarische Burger für die Gastronomie – dieses Jahr werden bereits 70 Tonnen abgesetzt.

Detailhändler erweitern veganes Sortiment

Coop hat eine neue Marke kreiert: Der Karma-Shop im Bahnhof Zug ist seit Ende Mai geöffnet. Im Sortiment: Ausschliesslich vegetarische und vegane Produkte. Insgesamt verdoppelte Coop das vegane Angebot in den letzten zwei Jahren auf 370 Artikel. Die Migros führt rund 440 vegane Produkte. Bis Ende Jahr will sie das Sortiment gegenüber dem letzten Jahr um 30 Prozent erweitern. Das Wachstum liegt seit 2013 im zweistelligen Prozentbereich.

Der Verkauf von Milchersatzprodukten ist seit 2015 von 17 auf 27 Millionen Franken gestiegen, ein Wachstum von 59 Prozent. Damit steht die Schweiz zusammen mit Frankreich an der Spitze beim Konsum von Reis-, Hafer- und Sojamilch.

Legende:
Milchersatzprodukte Europa In der Schweiz und in Frankreich wächst der Markt für Milchersatzprodukte wie Reis- oder Hafermilch am stärksten. (Quelle: Nielsen) Nielsen

Drei Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ernähren sich vegan, 11 Prozent vegetarisch. Bei den 15-34-Jährigen bezeichnen sich sogar sechs Prozent als vegan. 17 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich als Flexitarier – das heisst, sie essen selten Fleisch. Die Zahlen stammen aus einer Umfrage, die Demoscope im Frühling im Auftrag von Swissveg, dem Interessenverband der Veganer und Vegetarier, durchführte.

Milchersatzprodukte Schweiz


2015
2016
2017Wachstum in Prozent
Umsatz vegane Milchersatzprodukte
CHF in Mio.

17.1
23.2
27.159
Reismilch
9.2
10.7
11.525
Sojamilch
7.1
8.5
8.621
Mandelmilch
0.4
2.9
4.9
1125
Hafermilch
0.3
0.9
2.0
567
Andere
0.1
0.2
0.2
100

Auch der Markt für Fleischersatzprodukte wächst: Aktuell beträgt der Jahresumsatz über 64 Millionen Franken. Darauf setzen Betriebe wie die Migros-Tochter Bischofszell Nahrungsmittel. Das Thurgauer Unternehmen mit rund 675 Millionen Franken Umsatz hat vor zwei Jahren angefangen, Fleischalternativen zu produzieren. Zur sogenannten Vegi-Planet-Linie für die Gastronomie gehören sechs vegetarische Burger. Dieses Jahr werden bereits 70 Tonnen produziert. Der Brokkoli-Käse-Burger ist der beliebteste. Von der Entwicklung bis zur Produktion dauert es höchstens sechs Monate.

Veganes Jungunternehmen

Was für andere reines Geschäft bedeutet, ist für Freddy Hunziker und die Mitarbeiter seiner Firma New Roots eine Lebenshaltung: Die Produzenten von veganem Käse aus Cashew-Nüssen sind selber überzeugte Veganer.

Nach einem Unfall begann der gelernte Polymechaniker an Käsealternativen zu tüfteln. Mit nur 21 Jahren startete er vor drei Jahren mit der Produktion. Heute macht New Roots schon mehr als eine halbe Million Franken Umsatz, beliefert Bio-Läden in der ganzen Schweiz und steht kurz vor der Expansion ins Ausland.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Ich bin dafür dass die Massentierhaltung und die Tiertransporte von Land zu Land verboten würden. Aber dass ich deshalb auf Fleisch mit Mass, oder Milchprodukte verzichte, ganz sicher nicht. Wenn ich an ein gutes selbst gemachtes Fondue denke, die Veganer wissen gar nicht was sie verpassen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Aytac Dogan (1923)
    Anstatt die volle Aufmerksamkeit in diese Sparte zu legen wäre ein zuckerfreies oder sehr stark zuckerreduziertes Lebensmittelangebot der bessere Ansatz. Milchprodukte, vorallem was den reinen Milchkonsum anbelangt, bin ich grundsätzlich auch eher neg. eingestellt aber diese Volksvergiftung durch Zucker ist ein absolutes NoGo!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dave Gruen (Echt jetzt?)
    Ab und zu esse ich ein vegetarisches oder veganes Menü. Die Abwechslung und die neuen Geschmackserlebnisse gefallen mir. Nur noch vegi oder vegan will ich nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen