Vekselberg hält nun 63 Prozent an Sulzer

Der russische Milliardär Viktor Vekselberg hat die Mehrheit an Sulzer übernommen. Ursprünglich sollte die Aktienmehrheit eigentlich in Händen unabhängiger Aktionäre bleiben.

Viktor Vekselberg (Aufnahme von 2013).

Bildlegende: 63 Prozent aller Sulzer Aktien kontrolliert Vekselbergs Renova-Gruppe heute. Ziel war das allerdings nicht. Keystone

Viktor Vekselberg wird Mehrheitsaktionär von Sulzer. Das vom russischen Milliardär lancierte Pflichtangebot an die anderen Aktionäre wurde von diesen rege genutzt. Vekselberg muss nun gut eine Milliarde Franken aufwerfen.

Gemäss provisorischem Ergebnis wurden Vekselbergs Anlagegruppe Renova 29,50 Prozent aller Aktien per 31. Juli angedient. Mit den Aktien, welche Renova bereits hielt, beläuft sich ihr Anteil nun auf 62,86 Prozent. Nach Ende der Angebotsfrist waren es erst 42 Prozent gewesen.

Mehrheit sollte bei unabhängigen Aktionären bleiben

Ursprünglich war nicht eine erhebliche Erhöhung der Beteiligung das Ziel. Renova wollte stattdessenden den Weg für einen Aktienrückkauf freimachen. Renova besass bereits knapp ein Drittel der Sulzer-Anteile und wäre bei einem Aktienrückkauf wahrscheinlich gezwungen worden, ein Pflichtangebot zu lancieren.

So erwarb Renova Ende Juli einige Aktien, überschritt damit die Schwelle von einem Drittel und musste gemäss Börsengesetz ein Übernahmeangebot lancieren.

Veränderungen an der Börse als Grund für den Wandel

Die Aktienmehrheit sollte gemäss ursprünglicher Verlautbarung in den Händen von unabhängigen Aktionären bleiben. Dass sich indes – in der Nachfrist des Pflichtangebots – viele Sulzer-Aktionäre zu einem Ausstieg entschieden haben, erklären Experten im Verweis auf zwei Faktoren: mit den allgemein gesunkenen Börsenkursen und dem schwachen Marktumfeld von Sulzer im Öl- und Gasgeschäft.

So sieht auch Fabien Haecki, Industrieanalyst bei der Bank Vontobel, den Hauptgrund für die unerwartete Entwicklung darin, dass die Börse seit August ziemlich unter Druck gekommen sei. Und er folgert mit Blick auf Renova: «Plötzlich wurde das Übernahmeangebot ziemlich attraktiv, und einige Aktien wurden angedient, so dass Renova fast zu einer Zweidrittelmehrheit gekommen ist», analysiert Haecki.

Veskelberg dürfte an eingeschlagener Strategie von Sulzer festhalten

Haecki geht nicht davon aus, dass Investor Vekselberg durch die wider Erwarten erlangte Aktienmehrheit die eingeschlagene Strategie bei Sulzer verändern wird. Denn der eingeschlagene Weg, die Komplexität der Firmenstruktur abzubauen, sei die richtige Antwort auf die derzeit schwachen Öl- und Gasmärkte.

Für den Vollzug des Pflichtangebotes sind noch die kartellrechtlichen Genehmigungen ausstehend.