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Venezolanische neue Währung «Der Petro ist nicht mal halb so sicher wie eine Kryptowährung»

Legende: Audio Wirtschaftsredaktor Philip Meyer: «Der Petro ist eine Art digitale Staatsanleihe.» abspielen. Laufzeit 04:54 Minuten.
04:54 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.02.2018.

Seit Dienstag hat Venezuela zwei Währungen, den Bolivar und den Petro. Der Petro ist eine Kryptowährung. Damit will Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro die Inflation im Land bekämpfen, denn es droht der Staatsbankrott. Maduro hat verkündet, es seien bereits Millionen zusammengekommen.

SRF News: Venezuela habe zum Handelsstart Petros im Wert von 735 Millionen Dollar verkauft, sagt Staatschef Maduro. Ist das viel?

Philip Meyer: Für Venezuela wäre es zumindest ein bisschen etwas von dem Geld, das es dringend benötigt. Doch ist es bei Staatsausgaben von über 200 Milliarden nicht viel. Ohnehin ist nicht klar, ob wirklich so viel Geld einbezahlt wurde. Das ist eigentlich nur eine unbelegte Aussage des Präsidenten.

Philip Meyer

Philip Meyer

Philip Meyer berichtet als Wirtschaftsredaktor seit fünf Jahren für Radio SRF über IT- und Telekomunternehmen sowie alte und neue Medien. Er ist zudem Chef vom Dienst im Newsroom von Radio SRF.

Weiss man etwas über die Investoren?

Der Clou an einer Kryptowährung ist, dass Transaktionen anonym laufen und kaum rückverfolgbar sind. Oft ist es so, dass man bei einer solchen neuen Kryptowährung in Bitcoin oder Eta einzahlen kann. Das macht es doppelt schwierig zu sagen, woher das Geld kommt.

Die USA haben verlauten lassen, eine Investition in den Petro sei eine Umgehung der Sanktionen.

Weltweit ist sehr viel schlecht verzinstes Geld im Umlauf. Deshalb gibt es sicher Anleger, die bereit sind, in extreme Risikoanlagen zu investieren. Das sind vor allem Investoren, die sich vor den USA nicht fürchten. Die USA haben nämlich verlauten lassen, eine Investition in den Petro sei eine Umgehung der Sanktionen.

Maduro erhofft sich durch den Petro den Befreiungsschlag aus der Wirtschaftskrise. Ist das mit den aktuellen Zahlen realistisch?

Das wäre nur dann der Fall, wenn alles Geld tatsächlich in den Aufbau der Wirtschaft investiert würde. Doch nicht einmal die Ölförderung, der Hauptwirtschaftszweig Venezuelas, funktioniert mehr richtig. Es ist selbst dann nicht sicher, dass die Investition etwas bringen wird, wenn alles Geld zusammenkommt.

Verknüpft ist die Währung mit dem Rohölpreis, gedeckt ist sie durch Rohölreserven, das heisst, sie hat einen Realwert. Kann man überhaupt von Kryptowährung sprechen?

Eigentlich nicht, denn es ist nicht wirklich eine Kryptowährung, selbst wenn die Technologie auf der so genannten Block-Chain-Technologie basiert. Und wir nehmen an, dass es so ist.

Der Petro ist nicht nur den Schwankungen des Ölpreises ausgesetzt, es besteht auch die Befürchtung, dass Venezuela das dahinterliegende Öl gar nicht liefern kann.

Die Unabhängigkeit fehlt, da die Kontrolle beim Regime liegt. Hier muss man eher von einem mit Rohstoffen unterlegten Kredit sprechen oder einer Art digitaler Staatsanleihen mit anonymen Komponenten. Der Petro ist nicht nur den Schwankungen des Ölpreises ausgesetzt, es besteht auch die Befürchtung, dass Venezuela das dahinterliegende Öl gar nicht liefern kann. Es ist insgesamt eine sehr unsichere Sache, nicht mal halb so sicher, wie eine Kryptowährung sein kann.

Der Petro ist weltweit die erste staatliche Kryptowährung. Erwarten Sie, dass das Modell angesichts des venezolanischen Starterfolgs Schule macht?

Ist es wirklich ein Erfolg? Man muss das genau anschauen. Zwar gibt es Theorien, die besagen, man könne eine staatliche Kryptowährung auf einem Korb von mehreren Rohstoffen anlegen, die sich gegenseitig ein Stück weit stabilisieren. Aber das bleiben weiterhin Theorien. Weiter gibt es verschiedene Länder zum Beispiel Estland, die untersuchen, ob man eine Art staatliche Kryptowährung einsetzen könnte. Die beobachten schon, ob hinter diesem Modell eine Realität liegt. Allerdings ist das alles noch sehr weit weg, und die Staaten sind noch sehr skeptisch, ob solche Kryptowährungen überhaupt als Währungen funktionieren.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Kari Raeschter (K. Raeschter)
    In Venezuela hilft nur eines: Maduro und seine ganze Regierung muss weg. Es braucht dort eine Reform und neue Köpfe an der Spitze des Landes. Sanchez und Maduro (linke Politiker) haben es fertig gebracht, Venezuela an den Rand des Ruins zu treiben, obwohl das Land sehr viele Rohstoffe hätte zum Verkaufen.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Frage an die Commendatrices/Commendadores: Sind 'Sanktionen‘ nicht eigentliche Eingriffe eines souveränen Staates in die Souveräntität eines anderen Staates? Wenn dem so ist, wäre es doch höchste Zeit, das die Staatengemeinschaften, die nicht zu den Big Fellows gehören, dies einfach unterbinden? Denn diese Eingriffe in die so scheinheilig hochgehaltene Staatssouveränität mal im Namen der Menschenrechte - ab und an im Namen der Frauenrechte ist, doch tödlich für unseren Planeten?
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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Nationale Währungen gegen private Währungen, das ist der Krieg, der im Geldsystem stattfindet. Eine Demokratie kann nur so auf private BitCoin antworten, wie Venezuela dies tut. Mit einer demokratischen Währung. Schade dass die Schweizer Politiker das noch nicht erkannt haben.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Ein interessanter Aspekt ... Macht Sinn, Herr Muri.
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      ... das deckt sich mit dem aktuellen Phänomen, der monetären Intrusion von institutioneller Kreditgeber in den eigentlichen ‚Gesellschaftvertrag‘, mit der Vorstellung, dass die Politik der Öffentlichen Hand eine zu sein hat, die sie sich zunehmend nach deren Erfordernissen zu richten hat und nicht mehr oder immer weniger im Dienste der Menschen vor Ort zu sein hat.
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    3. Antwort von Ivo Muri (Ivo Muri)
      Ja Frau Kunz - es gibt keine Demokratie ohne nationale Währungsräume. BitCoin und Co. Führt uns auf direktem Weg in die Privatrechtsgesellschaft. Eine Gesellschftsform, die wir früher „Feudalismus“ nannten.
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