Verlegerverband startet Charmeoffensive

Weil der grosse Ringier-Verlag vor einem Jahr aus dem Verband Schweizer Medien ausgetreten ist, fehlt diesem viel Geld. Nun soll es der neue Präsident Pietro Supino richten – mit einer Charmeoffensive.

Pietro Supino spricht.

Bildlegende: «Wir haben sehr viele gemeinsame Interessen mit Ringier», sagt Verlegerpräsident Pietro Supino. Keystone

Pietro Supino, neuer Präsident des Verbands Schweizer Medien, will Ringier wieder ins Boot holen. Er sei bereits bei Marc Walder, dem Geschäftsführer von Ringier, gewesen und habe ihn eingeladen, zurückzukehren. «Ich bin überzeugt, dass wir sehr viele gemeinsame Interessen haben», sagt Supino, der auch Verwaltungsratspräsident des Tamedia-Verlags ist.


Frischer Wind beim Verlegerverband

1:57 min, aus HeuteMorgen vom 23.09.2016

Walder gibt Supino jedoch einen Korb: «Ringier wird nicht mehr in diese Türe eintreten.» Dazu seien die medienpolitischen Ansichten zu unterschiedlich. «Das kann man nicht einfach mit dem Satz ‹Wir würden Euch gerne wieder aufnehmen› wegwischen», sagt Walder.

Presserat weiter unterstützen

Die Positionen scheinen tatsächlich unvereinbar: So ist der Verband gegenüber der SRG weitaus kritischer eingestellt als das Medienhaus Ringier, das bei der Werbevermarktung mit der SRG zusammenspannt.

Weil Ringier vor einem Jahr aus dem Verband ausgetreten ist, fehlt diesem ein grosser Beitragszahler. Er wollte deshalb seine Zahlungen an den Schweizer Presserat einstellen, der darüber wacht, ob Zeitungen und Onlinemedien fair berichten. Jetzt haben die Verleger jedoch – als zweiten Schritt der Charmeoffensive – beschlossen, den Presserat weiter zu unterstützen.

Verlegerpräsident Supino betont, die ideelle Unterstützung des Presserates durch die Verleger sei nie infrage gestellt gewesen. Nun habe der Verband entschieden, die nötigen Mittel dafür zur Verfügung zu stellen. «Ich bin froh darüber.»

Verhandlungen über GAV

Als dritten Schritt der Charmeoffensive will der Verband mit den Medienschaffenden über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) sprechen. Das freut Stephanie Vonarburg von der Mediengewerkschaft Syndicom: «Wir sagen seit dem Beginn des vertragslosen Zustands vor zwölf Jahren, dass es einen GAV braucht, damit die Arbeitnehmenden in den Medien gute Arbeit liefern können.» Doch auch hier reicht eine Charmeoffensive nicht. Inhaltlich liegen die Positionen der Sozialpartner noch weit auseinander, und es stehen schwierige Verhandlungen an.

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