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Wirtschaft Verschmähtes Schweizer Fleisch ist in China Delikatesse

Die Schweiz hat einen Abnehmer für Schlachtprodukte gefunden, die im Heimmarkt nicht mehr ankommen. Nebenprodukte vom Schwein gelangen nach China. Dort kosten sie teilweise mehr als Filets oder Koteletts.

Schnäuzchen, Schwänzchen, Füsse – in der Schweiz werden diese Teile des Schweins kaum mehr gegessen. «Gnagi», «Schnörrli» und Innereien sind zu sogenannten Schlachtnebenprodukten geworden. Aufgetischt werden nur noch Filets und Koteletts – mit möglichst wenig Fett und frei von Knochen. Ein Drittel des Schweins gelangt so nicht mehr auf Schweizer Teller.

«Wenn man von Fleisch spricht, verstehen viele Leute nur ein Filet, einen Braten oder ein Plätzli», beschreibt Armin Haas vom Fleischverarbeiter Micarna den kulinarischen Wandel in der Schweiz. «Aber Knochen und Schwarten sind auch Fleisch. Das sind genusstaugliche Lebensmittel.»

Schweinefüsse machen schöner

Die Chinesen sehen das noch so. Sogar mehr als das: Gerade Teile, die fett sind und abgenagt werden können, gelten als Delikatessen. Schweinefüsse sollen schön machen, sagt ein chinesischer Küchenchef gegenüber «ECO». Diese sind in China gar teurer als Koteletts. Denn ein Schwein habe nur vier Füsse, aber viele Rippen.

Legende: Video «Armin Haas, Micarna, über Fleischverständnis» abspielen. Laufzeit 0:48 Minuten.
Vom 08.02.2013.

Schweinefleisch ist das in China meistverzehrte Fleisch. Die Volksrepublik kann die steigende Nachfrage nicht mehr allein decken. Diese Entwicklung macht sich die Schweiz zunutze: Was hiesige Konsumenten nicht mehr anrühren, kann gewinnbringend weiterverkauft werden.

Zwischenstation Deutschland

Schweizer Fleischproduzenten exportieren allerdings nicht direkt nach China. Über Deutschland findet das Schweinefleisch seinen Weg nach Fernost. Auf diese Weise erklärt sich, dass 77 Prozent der Schweizer Fleischexporte nach Deutschland gehen. Seitdem die Schweiz den neuen Markt entdeckt hat, sind die Exporte um das 15fache gestiegen.

Schweizer Fleischproduzenten haben eine Exportlizenz nach China bei den chinesischen Behörden beantragt. Zudem stehen die Schweiz und China seit zwei Jahren in Verhandlungen um ein Freihandelsabkommen. Am diesjährigen World Economic Forum versprühte der zuständige Bundesrat Zuversicht. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir im Verlauf der nächsten Monate zu einer Lösung kommen», sagte Johann Schneider-Ammann.

Legende:
Schweizer Fleischexporte Die Ausfuhr von Schweizer Fleisch wuchs auf das 15fache. EZV

«ECO»-Schwerpunkt

Schweinefüsse

Die Berichte zum globalen Schweinefleisch-Handel im Wirtschaftsmagazin «ECO».

7 Kommentare

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  • Kommentar von Carmen K., Stein AG
    Es ist wirklich erschreckend wie langweilig die Schweizer Gastronomie geworden ist, weil überall, in der Deutschschweiz insbesondere, auf allen Speisekarten nur noch teures Kurzgebratenes angeboten wird. Einzig im franz.-sprachigen Teil des Landes wird oft noch mit viel Arbeit undCreativität saisonal gekocht, und dazu gehören Fleischteile, die längst aus der Alltagsküche verschwunden sind, weil man sie als Individualperson nicht mehr zu kaufen bekommt. Das ist wirklich ein Jammer!
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  • Kommentar von De Ambrosis Romi, Asp
    Eigentlich hätte ich Schnörrli, Schwänzli etc. sehr gerne.... aber man bekommt's ja nirgends mehr zu kaufen. Läuft da nicht etwas verkehrt? Weshalb machen die vielen "Spitzenköche" nicht Menü-Vorschläge für solche Produkte?
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  • Kommentar von Esther, Basel
    Öhrli, Schnörli, Schwänzli, hab' ich geliebt, wenn meine Mutter diese damals vom Bell mitbrachte. An eine Erbsensuppe ohne Gnagi war nicht zu denken. Glücklicherweise gibt es heute noch "Metzgete". Ein feines Suppenhuhn in einer Gerstensuppe gibt es auch kaum noch. Die "Edelstücke" werden mit der Zeit einfach nur langweilig - ist immer dasselbe. Um "minderes" Fleisch zu zubereiten, müsste man kochen und viele können das nicht mehr oder haben bei der heutigen Hektik keine Zeit/Lust dazu.
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