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Verstösse gegen Abgasregeln Milliarden-Vergleich: Daimler legt Diesel-Verfahren in USA bei

  • Mit einer Zahlung von umgerechnet gut zwei Milliarden Franken will Daimler in den USA den Streit mit Behörden und Kunden um angebliche Verstösse gegen Abgasregeln lösen.
  • Der Autobauer legt mit insgesamt zwei Vergleichen Ermittlungsverfahren der US-Behörden und zudem zahlreiche Klagen von Autobesitzern bei.
  • Dies teilten das Justizministerium sowie der Konzern selber mit.
  • Daimler und seiner Tochter Mercedes-Benz USA wurden überhöhte Abgaswerte bei rund 250'000 Diesel-Fahrzeugen vorgeworfen.
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Aus dem Archiv: Volkswagen muss Schadenersatz zahlen
Aus Tagesschau vom 25.05.2020.
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Der Vergleich sende eine «klare Botschaft» an Autohersteller, dass die US-Regierung bei der Einhaltung von Emissionsstandards hart durchgreife. Das sagte der Leiter der Umweltbehörde EPA, Andrew Wheeler, bei einer Pressekonferenz in Washington. Daimler habe dubiose Software zur Abgaskontrolle gegenüber den Behörden nicht offengelegt. Das Justizministerium verhängte nach eigenen Angaben ein zivilrechtliches Bussgeld von 875 Millionen Dollar – insgesamt werde der Vergleich Daimler rund 1.5 Milliarden Dollar kosten.

Der Konzern selbst hatte bereits im August verkündet, bezüglich der Rechtskonflikte eine Grundsatzeinigung nicht nur mit den Behörden, sondern auch mit privaten Klägern in den USA erzielt zu haben. Am Montag lieferte Daimler auch hierzu Details. Demnach werden zur Beilegung der US-Sammelklagen von Autobesitzern rund 700 Millionen Dollar fällig, sodass sich der rechtliche Befreiungsschlag in den USA insgesamt auf deutlich mehr als zwei Milliarden Dollar summiert.

Konzern bestreitet Vorwürfe

Ob die in den Fahrzeugen verwendeten Funktionen «defeat devices» sind, also eine unzulässige Abschalteinrichtung der Abgasreinigung, werde in dem Vergleich aber nicht festgestellt, betonte Daimler. «In den Vergleichsvereinbarungen wird explizit festgehalten, dass das Unternehmen die Vorwürfe der Behörden sowie die Ansprüche der Sammelkläger bestreitet und keine Haftung gegenüber den USA, Kalifornien, den Klägern oder in sonstiger Weise einräumt.»

Daimler muss keine Autos von Kunden zurückkaufen

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Seit 2016 ist Daimler wegen angeblich frisierter Messwerte zum Ausstoss des Schadstoffs Stickoxid im Visier der US-Justiz. Gezielte Manipulationen der Abgastechnik mit einer Schummelsoftware, wie sie jahrelang bei Volkswagen (VW) zum Einsatz kam, hatte der Konzern jedoch stets zurückgewiesen. Anders als die Wolfsburger, die 2015 auf Druck der US-Behörden Abgasbetrug im grossen Stil eingeräumt hatten, gibt Daimler im Rahmen der Vergleiche kein Schuldeingeständnis ab und muss auch keine Fahrzeuge von Kunden zurückkaufen oder sich künftig durch einen Aufpasser von den US-Behörden überwachen lassen.

Dafür muss Daimler die Autos – ähnlich wie in Europa – per Software-Update nachbessern. Hinzu kommen weitere Umweltmassnahmen, für die der Konzern zur Kasse gebeten wird. Zusätzlich zu den in den Vergleichen festgelegten Summen rechnet Daimler mit Kosten in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe für die Umsetzung der Einigung.

Die Klägeranwälte verbuchten den Kompromiss als Erfolg. «Besitzer von schmutzigen Mercedes-Dieselautos werden endlich die Kompensationen erhalten, die sie verdienen», erklärte Steve Berman. Der bekannte US-Anwalt leitet die Grosskanzlei Hagens Berman, die schon vielen anderen Konzernen, darunter VW in der «Dieselgate»-Affäre oder General Motors im Skandal um defekte Zündschlösser, zu schaffen machte. Seiner Firma nach können betroffene Mercedes-Besitzer durch den Vergleich je 3290 Dollar oder mehr an Entschädigung erhalten.

Weitere Klagen möglich

Ganz abhaken kann Daimler das Thema allerdings noch nicht. Die Vergleiche müssen in den USA noch gerichtlich genehmigt werden und beenden nur Zivilverfahren, sodass weitere strafrechtliche Konsequenzen nicht auszuschliessen sind. Die US-Umweltbehörden pochen seit den massiven Verletzungen des Luftreinhaltungs-Gesetzes durch VW penibel auf die Einhaltung der Emissionsstandards und haben auch dem italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler schon einen teuren Vergleich abgerungen. US-Sammelklagen wegen angeblicher Abgasmanipulationen laufen auch noch gegen einige andere Autobauer.

SRF 4 News, 15.09.2020, 05:00 Uhr ;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Misra Namana  (Misra Namana)
    Korrektur: Der Satz "Besitzer von schmutzigen Mercedes-Dieselautos werden endlich die Kompensationen erhalten, die sie verdienen" vom US Anwalt müsste eigentlich heissen: " Unsere Kanzlei bekommt endlich die Millionen gestopft, die wir uns bei diesem Prozess ergaunert und erpresst haben".
    Denn wieso sonst würde Daimler 2 Milliarden bezahlen, wenn sie selbst sagen, sie haben nichts falsch gemacht? Da muss viel Druck und Erpressung dahinter stehen.
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  • Kommentar von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
    In der CH ist übrigens nichts passiert, was einer Arbeitsverweigerung der Staatsanwaltschaft gleichkommt.
    Wohl dank der Autolobby.
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    1. Antwort von Thomas Hanhart  (Thomas63)
      Von Konsumentenschutz à la USA oder D können wir hier nur träumen. Und warum? Weil wir ihn nicht wollen, weil Bemühungen in dieser Hinsicht immer gleich als sozialistisch und bürokratisch etikettiert werden und wir das glauben. Das hat nichts mit unseren Staatsanwälten zu tun. Wir müssen uns selbst an der Nase nehmen und endlich was tun, z.B. mit einer Initiative Sammelklagen ermöglichen. Ansonsten bleibt uns halt wirklich nur die Faust im Sack, wie jetzt all den Besch.... des Dieselskandals.
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