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Wirtschaft Viel Arbeit für die Finma 2012

Die Lebensversicherer unter Druck, der Hypothekarmarkt in Schieflage, die Finanzbranche im Umbruch: Die Finanzmarktaufsicht musste letztes Jahr mehrere Brandherde bekämpfen. Laut Finma-Direktor Raaflaub wird die Arbeit der Finma systematischer und glaubwürdiger.

Patrick Raaflaub, Direktor der Finma
Legende: Patrick Raaflaub: «Wir werden eine professionelle Aufsichtsbehörde.» Keystone

Das letzte Jahr war nicht einfach für die Schweizerische Finanzmarktaufsicht (Finma). Ihre Arbeit wurde an allen Ecken und Enden kritisiert. Patrick Raaflaub nimmt die Kritik gelassen: «Wir sind den Aufsichtsprozess sehr viel systematischer angegangen als in der Vergangenheit. Wir haben auf neue Herausforderungen reagieren müssen. Ich denke, wir sind dabei, uns zu einer professionellen und anspruchsvollen, aber auch glaubwürdigen Aufsichtsbehörde zu entwickeln.»

Eine Branche, auf die die Finma letztes Jahr ein besonderes Augenmerk hatte, waren die Lebensversicherer. Diese sind wegen langfristiger Garantieversprechen bei sinkenden Zinsen unter Druck. Der Quotient des massgeblichen Solvenztests SST ist innerhalb eines Jahres von durchschnittlich 145 auf 105 Prozent gefallen.

Die Finma lockerte daher vorübergehend die Anforderungen an den SST. Sie gestattet den Versicherern während der nächsten drei Jahre, bestehende Verpflichtungen mit einer risikobehafteten Zinskurve statt mit der vorgesehenen Rendite von Bundesanleihen zu berechnen.

Beim heiss laufenden Immobilienmarkt setzte die Finma letztes Jahr einen weiteren Schwerpunkt. Raaflaub begrüsste die strengeren Bedingungen für Risikoschuldner, die sich die Banken im Sinne einer Selbstregulierung auferlegt haben. Mit der vom Bundesrat angeordneten Verschärfung der Eigenmittelvorschriften für Hypotheken hätte die Finma dagegen bekanntlich noch zuwarten wollen.

Finanzbranche ist herausgefordert

Die Finma habe keine flächendeckend unvorsichtige Kreditpolitik festgestellt, hielt Raaflaub fest. Je nach Region und Bank gebe es aber grosse Unterschiede bei der Kreditvergabepolitik. Die Beurteilungen gehen laut Raaflaub von «vorsichtig» bis «gewagt». «Die Finanzbranche oder mindestens Teile davon, stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Sie müssen sich auf neue Realitäten ausrichten, seien es neue weltwirtschaftliche Realitäten, aber auch auf neue Realitäten in Sachen ausländischen Ansprüchen an die Schweiz», sagt er. Entscheidend sei aber, was in die Gesetze hineinkomme. Auf dieser Basis mache die Finma ihre Arbeit.

Auch letztes Jahr setzte sich die Finma für die internationale Anerkennung der Liquidationspläne für die Schweizer Grossbanken ein. Nur durch eine wirkungsvolle Konkursdrohung könnten die Marktkräfte wiederhergestellt und Steuerzahler wie auch Einleger vor Verlusten geschützt werden, sagte Raaflaub.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Tja, die Fachleute können doch nichts dafür. In den VWL-Lehrbüchern finden sich keine Modellrechnungen, Zeichnungen, Diagramme, die auf diese undurchsichtige jahrelange Krise passen. So wie die Politik mit ihrer try-and-error-Therapie rumtappt, so tappen auch die Theoretiker mit ihren Prognosen im Nebel. Also weiter so: regelmäßig die "Stimmung" in der Wirtschaft abfragen, dann sehen wir alle weiter! Sozusagen von Tag zu Tag. Reicht doch!
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