Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt

Gute Nachrichten für Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen: Sie haben die Qual der Wahl. Es gibt nämlich deutlich mehr Lehrstellen als Schulabgänger. Das zeigt das neuste Lehrstellen-Barometer des Seco. Weniger Freude an dieser Situation haben die Unternehmen.

8500 Lehrstellen waren Ende August in der Schweiz noch nicht besetzt. Das sind deutlich mehr als vor einem Jahr. Vor allem in traditionellen handwerklichen und technischen Berufen haben die Betriebe zunehmend Mühe, Lehrlinge zu finden.

Damit bestätige sich ein Trend, sagt der Ökonom Rudolf Strahm, der sich in der Berufsbildung sehr gut auskennt. Es sei zurzeit – im Gegensatz zu den 1990er-Jahren – auch für schulisch schwächere Schüler einfacher, eine Lehrstelle zu finden.

Zu viele Alte – zu wenig Jugendliche

Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt ist eine Folge der demographischen Entwicklung, also der Alterung der Bevölkerung. Jahr für Jahr gibt es rund 1000 bis 1500 Jugendliche weniger, die eine Lehrstelle suchen. Für die Ausbildungsbetriebe heisst das, sie müssen Abstriche am Anforderungsprofil machen. «Sie müssen sich mit den Jugendlichen begnügen, die da sind», sagt Strahm.

Damit kommen vermehrt auch Jugendliche zu Lehrstellen, die punkto Bildung weniger mitbringen, namentlich Jugendliche mit Migrationshintergrund. Gerade in technischen Berufen seien diese Jugendlichen aber oft «sehr entwicklungsfähig», so Strahm. Auch wenn die betreffenden kaum einen geraden deutschen Satz schreiben könnten und von den Schulnoten her nicht sehr stark seien.

Frauen in technische Berufe locken

Brachliegendes Potenzial sieht der Bildungsexperte auch bei den Frauen. Man müsse sie vermehrt für technische Berufe interessieren. Mit Werbung etwa, oder mit Schnuppertagen. Gefordert sei aber auch der Staat, so Strahm weiter. Der Staat könne das Angebot von sogenannten Basis-Jahren ausbauen, wie es sie etwa in der Informatik gebe. Das entlastet die Betriebe, da die Jugendlichen das erste Lehrjahr in der Berufsfachschule verbringen.

Dort würden die Grundkenntnisse vermittelt, etwa Computerwissen oder technisches Englisch. Das erste Lehrjahr sei jeweils das teuerste für den Arbeitgeber, so Strahm. Wenn nun der Staat quasi die Kosten für das erste Lehrjahr übernehmen würde, könnten noch mehr Lehrstellen besetzt werden – dies hätten Pilotprojekte gezeigt.

Den Staat käme die Finanzierung solcher Basisjahre immer noch günstig im Vergleich zu dem, was ihn etwa Gymnasiastinnen und Gymnasiasten kosten. Mehr Geld für die Förderung der Berufslehre sei auch deshalb gerechtfertigt, ist Strahm überzeugt.