Volle Kassen, aber noch wenig Mut zu Investitionen

Zahlreiche Konzerne melden wieder gute Halbjahreszahlen und schöne Gewinne. Doch gross investiert wird mangels Vertrauen noch nicht. Das spürt auch die exportabhängige Schweizer Maschinenindustrie. Neue Tendenzen in Europa und den USA sind aber durchaus vielversprechend.

Ein Auslieferungsturm beim VW-Konzern in Wolfsburg.

Bildlegende: Grosskonzerne wie VW haben volle Kassen. Doch die Investitionslaune hält sich noch in Grenzen. Keystone

Maschinen kaufen, neue Produktionsanlagen bauen – das könnten viele Unternehmen in den USA und in Europa. Das Geld dafür wäre da. Konzerne wie der US-Technologie-Gigant Apple oder Europas grösster Autobauer, Volkswagen, haben Bargeld zuhauf. Doch lieber geben sie das Geld an die Aktionäre zurück, statt es zu investieren.

Das beobachtet Christian Gattiker, Chefstratege der Bank Julius Bär, auch in der Schweiz. Viele börsenkotierte Schweizer Unternehmen seien dazu übergegangen, ihre Dividenden stärker zu erhöhen als die Gewinne gestiegen seien.

Woher kommt die Zurückhaltung?

Das Nachsehen haben die kleinen und mittleren Zuliefer-Betriebe. Sie würden den Grossen nur zu gern neue Maschinen und Anlagen verkaufen. «Wir spüren, dass Kunden nicht investieren und damit auch unsere Unternehmen nicht ausgelastet sind», bestätigt Swissmem-Direktor Peter Dietrich.

UBS-Chefökonom Daniel Kalt erklärt die Zurückhaltung mit einer weiterhin bestehenden grösseren Unsicherheit: Europa sei eigentlich immer noch in der Rezession oder erhole sich nur sehr langsam. Erst mit dem Vertrauen kämen auch die Investitionen zurück.

Re-Industrialisierung als grosse Chance?

Für die exportorientierten Schweizer Maschinenbauer ist die EU der wichtigste Abnehmer. Solange dort die Konjunktur stockt, müssen sie sich gedulden. Einige von ihnen hoffen derweil aber noch auf eine andere Entwicklung: Re-Industrialisierung heisst das Stichwort, das derzeit vor allem der Politik gut gefällt. US-Präsident Barack Obama zum Beispiel will sie unbedingt, die Renaissance der heimischen Industrie.

Der Chef des Ostschweizer Werkzeugmaschinenherstellers Starrag, ortet deshalb neue Absatzchancen in Amerika: «Die grossen US-Konzerne haben erkannt, dass mit 50-jähriger Produktionstechnik global kein Blumentopf zu gewinnen ist», sagt Frank Brinken. Wer also weiterhin qualifizierte Jobs anbieten, kurze Entscheidungswege und eine kurze Lieferkette haben wolle, müsse investieren.

Näher an die Wertschöpfungskette

Kurze Lieferketten und modernste Technik werden in der Industrie immer wichtiger. Niedrige Löhne sind weniger entscheidend als gute Maschinen. Und das spricht für die eher teuren Schweizer Produkte.

Modernste Industrie-Anlagen direkt vor der Tür will nun auch die EU. Mindestens ein Fünftel der Wirtschaftsleistung solle künftig wieder aus der eigenen Industrie stammen, verkündete vor Jahresfrist die EU-Kommission in Brüssel. Derzeit sind es im Schnitt der EU-Länder nur rund 15 Prozent.

Maschinenindustrie kann hoffen

Diese Zurückverlagerung der industriellen Wertschöpfungskette nach Europa biete durchaus auch Chancen für die Schweizer Maschinenindustrie, erklärt Swissmem-Direktor Dietrich: Die KMU-Struktur könne so vereinfacht in diese Ketten hineinkommen.

Hoffen auf den Aufschwung in der EU, hoffen auf eine stärkere Industrie in Europa und den USA. Und vor allem hoffen auf mehr Investitionen aus den vollen Kassen der Grosskonzerne. Viel mehr bleibt den Schweizer Maschinenbauer derzeit nicht übrig.

brut;galc

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Peter Dietrich, Direktor von Swissmem.

    Trotz voller Kassen, keine Investitionen

    Aus Echo der Zeit vom 12.8.2013

    Zur Zeit präsentieren die Unternehmen ihre Halbjahreszahlen. Viele schreiben satte Gewinne. Aber statt zu investieren, geben viele das Geld lieber den Aktionären zurück. Darunter leiden die Schweizer Maschinenbauer.

    Jan Baumann