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Abschied vom Verbrennungsmotor Volvo wird elektrisch

«Zukunftsweisend»: Wer das chinesisch-schwedische Produkt wählt, fährt bald zwingend halb oder ganz mit Strom.

Legende: Audio Volvo puscht Elektro-Strategie abspielen. Laufzeit 05:36 Minuten.
05:36 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Volvo verabschiedet sich als erster traditioneller Autobauer von Gefährten, die ausschliesslich Benzin oder Diesel verbrennen.
  • Ab 2019 werden neue Modelle entweder mit Elektro- oder Hybrid-Antrieb ausgerüstet. Verbrennungsmotoren gibt es dann nur noch für ältere Modelle.
  • Bis 2025 will der chinesisch-schwedische Konzern eine Million Elektroautos verkaufen.
  • Das sei die «einzig mögliche und zukunftsweisende Strategie», sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilindustrie an der Universität Duisburg.
Wer das Elektroauto verschläft, der verschläft die Zukunft.
Autor: Ferdinand Dudenhöffer

Ferdinand Dudenhöffer bringt es auf den Punkt: «China setzt auf das Elektroauto. Wer nicht auf dem grössten Automobilmarkt ist, ist damit nicht im Automobilgeschäft». Entsprechend setze Volvo nun ganz klar die Weichen für den chinesischen wie auch für den europäischen Markt. Auch hier führe der Weg zum reinen Elektroauto, betont der Experte. Er verweist auf den Dieselgate und die grossen Probleme in den Grosstädten mit Stickoxiden sowie Kohlendioxid-Emissionen.

Zwar hat laut Dudenhöffer die ganze Branche gemerkt, wo die Zukunft liegt. Doch Volvo gehe nun beherzt und mit grossen Schritten voran, während etwa die deutsche Automobilindustrie weiterhin auf eine Fächerstrategie setze.

Die Deutschen wollen alles machen, um nichts zu vergessen. Das ist der falsche Weg.
Autor: Ferdinand Dudenhöffer

Dudenhöffer ist überzeugt, dass der Markt für die Volvo-Strategie bereit ist. Und dies nicht zuletzt wegen des «Diesel-Absturzes» in Europa. Er erinnert an den Vorreiter Tesla, der in ein paar Wochen mit dem Model 3 herauskommt, einem reinen Elektroauto für 35'000 US-Dollar. Tesla baute im letzten Jahr 80'000 Elektroautos und im laufenden Jahr bereits fast 50'000. Eine halbe Million sollen es 2019/2020 sein.

Volvo hat einen grossen Vorteil

Zum Umstand, dass Tesla noch keine schwarzen Zahlen schreibt, während Volvo dies mit Elektroautos bereits kann, verweist Dudenhöffer auf die ungleichen Startbedingungen: Volvo kann sein heute noch zu mehr als 90 Prozent auf traditionellen Motoren basierendes Geschäft weiterbetreiben und gleichzeitig in die Elektroautos investieren. Tesla musste mit einem blanken Papier anfangen und braucht seine Mittel noch zur Modellentwicklung und zum Aufbau von Vertriebssystemen.

Tesla macht deutlich mehr als alle anderen Autobauer.
Autor: Ferdinand Dudenhöffer

Was bedeutet «Elektro» für die Volvo-Preise?

Dudenhöffer geht davon aus, dass die noch teureren Elektroautos ab etwa 2020 auf dem Niveau von Dieselautos verkauft werden können. Gründe seien die sinkenden Batteriepreise und die vergleichsweise günstigen Elektromotoren. Eine grosse Batterie mit 100 Kilowattstunden wie bei Tesla werde dann nur noch 10'000 Euro kosten. Autos mit normalen Verbrennungsmotoren und Dieselfahrzeuge würden dagegen eher teurer – wegen zusätzlicher Abgasreinigungstechnik.

Der Volvo-Konzern ist offen und ehrlich, wenn er heute seinen Kunden noch Dieselmotoren verkauft.
Autor: Ferdinand Dudenhöffer

Dudenhöffer würdigt die «ehrliche» und offene Ansage von Volvo, nicht mehr in Verbrennungsmotoren zu investieren. Auch die anderen Hersteller würde ihre Dieselstrategie nun schrittweise zurückfahren, allerdings eher im Geheimen.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Irgend wie habe ich bei diesem Bericht da ein Deja-Vue-Erlebnis. Von derlei visionären Ziele wurde gerade in diesem Bereich schon immer berichtet. Und das mit dem Batterieproblem ist nicht wirklich zufriedenstellend gelöst und wird man wohl auch nie richtig lösen können, obwohl schon in den letzten 10 bzw. 20 Jahren immer wieder davon geredet wurde. Mir scheint sogar, dass gerade die Batterie oekologisch da kaum wirklich überzeugen kann, vergl. Produktion, Lebensdauer, Reichweite, Preis, uvam.
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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    Bravo!
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Hybrid ist Quatsch und Elektro ebenso. Zumindest zum heutigen Zeitpunkt und Stand der Technik. Ein Hybrid schleppt zusätzliches Gewicht mit und braucht mehr als ein VW Lupo. Dazu kommt die Produktion und Entsorgung der Batterien. Energieverschwendung pur, auch wenn die Werbung was anderes vormacht! Einzige Alternative heutzutage wäre die Wasserstoff-Brennstoffzell Technik oder ein "Hybrid" der permanent eine kleine Batterie mittels sparsamem Generator voll hält.
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