Wandel bei Kuoni: Die wichtigsten Fragen

Nach dem Verkauf des Reisegeschäfts ändert sich für Kuoni-Kunden vorläufig nichts. Doch wie geht es mit dem Unternehmen weiter? SRF-Wirtschaftsredaktor Iwan Lieberherr liefert Antworten.

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Kuoni – ein 109-jähriges Schweizer Unternehmen

2:09 min, aus Tagesschau vom 14.1.2015

SRF: Was ändert sich mit diesem Konzernumbau bei Kuoni für die Mitarbeiter?

Iwan Lieberherr: Die dürften wohl ein etwas mulmiges Gefühl haben. Immerhin sind 3'800 Angestellte in mehreren Ländern betroffen. Im besten Fall erhalten sie einfach einen neuen Besitzer. Und alles geht weiter wie bisher. Die Idee der Kuoni-Gruppe ist es, einen Besitzer finden für das gesamte Paket – oder für die einzelnen Länder-Einheiten, also die Schweiz, Grossbritannien, Skandinavien und so weiter.

Und was wird der Käufer, der neue Besitzer, mit dem Reisegeschäft von Kuoni machen?

Der soll investieren, das Geschäft weiter entwickeln. Konzernchef Peter Meier sagte an der Medienkonferenz, dass gerade Kuoni Schweiz profitabel sei und eine vielversprechende Zukunft vor sich habe. Vermehrt komme sogar wieder junge Kundschaft in die Reisebüros. Der neue Besitzer soll das Geschäft wie bis anhin weiterführen – mit den bestehenden Angestellten, die ja Erfahrung haben und gut ausgebildet sind.

Möglichst sollen auch die bestehenden Marken weitergeführt werden. Hierzulande beispielsweise Kuoni Schweiz oder Helvetic Tours für Pauschalreisen. Diese Marken sind bekannt, haben einen Wert. Ein neuer Besitzer, ein grosser Reiseanbieter aus dem Ausland vielleicht, wird sich wohl zweimal überlegen, ob er diese Namen ändert.

Warum soll sich das für einen Käufer eher lohnen als für Kuoni selbst?

Die Margen in diesem Massengeschäft sind eher gering. Aber es gibt bestimmt grosse Unternehmen, die darauf ausgerichtet sind – und nur dieses Geschäft betreiben und es ausbauen möchten. Die könnten ein Interesse daran haben, den Schweizer Markt zu erschliessen. Oder andere Teile des Kuoni-Reisegeschäfts zu übernehmen.

Solche Akteure brauchen die Masse, sie brauchen Volumen. Denn das bedeutet, dass man beim Einkauf bessere Konditionen aushandeln kann. Die Kuoni-Gruppe selber betreibt weltweit verschiedenste Geschäfte und ist nun zum Schluss gekommen, dass sie künftig nicht in alle, sondern nur in margen-starke Geschäftsbereiche investieren will.

In ersten Reaktionen begrüssen Analysten den Umbau und loben, dass sich Kuoni «auf das profitablere Kerngeschäft konzentriert». Was ist denn dieses profitablere Kerngeschäft, das bei Kuoni bleibt?

Ein kleines, aber sehr lukratives Geschäft ist das Visa-Geschäft. Kuoni erledigt im Auftrag von Regierungen Visa-Formalitäten für Reisende. Das Unternehmen hilft etwa beim Ausfüllen von Formularen, schaut, dass alle Daten vollständig sind, reicht das Gesuch dann an die zuständigen Behörden weiter, die darüber entscheiden – und dann wieder zurück zu den Kunden.

Viele Regierungen lagern diese Arbeit aus Spargründen aus. Kuoni hat dieses Geschäft vor 13 Jahren selber erfunden und hat bis heute schon 1400 Zentren eingerichtet, in denen Visumsanträge für 45 Länder verarbeitet werden. Letztes Jahr waren das 18 Millionen Visumsgesuche. Kuoni ist hier weltweit führend.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Kuoni gibt Feriengeschäft auf

    Aus Tagesschau vom 14.1.2015

    Es ist das Ende einer Ära. Der Reisekonzern Kuoni verabschiedet sich vom Geschäft mit den Privatkunden in den klassischen Reisebüros und setzt künftig auf Grosskunden und das Ausstellen von Visa.