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Wirtschaft Warmes Aare-Wasser drückt AKW-Stromproduktion

Das Atomkraftwerk Mühleberg hat 2015 weniger Strom produziert als im Vorjahr. Denn das Kühlwasser der Aare war deutlich wärmer. Und Mühleberg ist nicht allein: Weltweit ist wegen des Klimawandels mit grossen Einbussen bei der Stromproduktion zu rechnen.

Das Atomkraftwerk Mühleberg
Legende: Das Atomkraftwerk Mühleberg wird mit Wasser aus der Aare gekühlt. Keystone

Klimaforscher sehen für Atom- und fossile Kraftwerke eine schwarze Zufkunft voraus: Laut einer Studie, die in der Fachzeitschrift «Nature Climate Change» publiziert wurde, erleidet die weltweite Stromproduktion in den nächsten Jahrzehnten erhebliche Einbussen, wenn die Wassertemperaturen wegen des Klimawandels steigen.

Wärmeres Wasser, weniger Watt

Bei AKW und fossilen Kraftwerken sei mit bis zu 30 Prozent weniger Strom in den 2050er-Jahren zu rechnen, schreiben die Forscher. In besonders heissen Jahren könne der Einbruch bis zu 90 Prozent betragen.

Denn Atomreaktoren werden heiss und müssen gekühlt werden. Viele AKW stehen deshalb an Flüssen, auch Mühleberg. Wasser aus der Aare wird zur Kühlung benutzt und wieder in die Aare gelassen. Wenn die Aare aber über 20,5 Grad warm wird, muss das Atomkraftwerk Mühleberg seine Produktion drosseln.

Das stehe so in der Konzession, sagt Tobias Fässler, Mediensprecher bei der Betreiberin BKW: Wenn das Wasser über 20,5 Grad warm sei, habe das Auswirkungen auf Flora und Fauna im Wasser. Erwärme das Atomkraftwerk das Wasser wegen der Kühlung noch stärker, so Fässler, «dann ist das ein unerwünschter Nebeneffekt für die Konzessionsbehörden.» 2015 habe Mühleberg deshalb während über zwei Wochen nur zu 80 Prozent produzieren können.

Problem muss Mühleberg nicht mehr kümmern

Ganz neu ist das Problem nicht. Bereits in den Jahren 2003, 2005 und 2006 musste die BKW die Stromproduktion in Mühleberg aus demselben Grund drosseln. Doch das Beispiel zeigt: Nicht nur Wasserkraftwerke sind auf Wasser angewiesen. Atomkraftwerke und auch fossile Kraftwerke, die Gas oder Kohle verbrennen, benötigen Wasser zur Kühlung. Ihr Ertrag sinkt, wenn das Wasser zu warm wird.

Dass in den 2050er-Jahren mit 30 Prozent weniger Strom zu rechnen ist, muss die Betreiber von Mühleberg allerdings nicht mehr kümmern. Ihr Kraftwerk soll 2019 vom Netz gehen. Aber die meisten anderen müssen sich wohl nach alternativen Kühlmethoden umsehen – oder sich auf geringere Erträge einstellen.

6 Kommentare

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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Jetzt muss die Sonnenenergie erst recht gefördert werden. Besonders das Speichern von Sonnenenergie für den Winter muss noch mit aller Kraft erforscht werden.
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  • Kommentar von Markus Berner (Markus Berner)
    Die Atomlobby versuchts mit der Methode der sich selber erfüllenden Prophezeiung: Man behauptet erneuerbare Energien taugen nichts - also baut man nichts - also hats in ein paar Jahren keine Anlagen, also taugen sie nichts...
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Solche Artikelchen kommen zum Glück online ins Haus, sonst wären sie das Papier nicht Wert, wäre es reine Ressourcenverschwendung. Das Problem der "Alternativen" ist ausgerechnet die kalte Jahreszeit, dann muss künftig Kohle und Gas der Umwelt zusetzen um die Grüne Illusion aufrecht zu erhalten. Zuerst aber wird sie tüchtig leiden, bis "umgerüstet" ist und die Alternativproduzenten den grossen Reibach gemacht haben.
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