Warum der Stellenabbau weitergehen könnte

Zuletzt häuften sich die Hiobsbotschaften für den Schweizer Wirtschaftsstandort. Stellenabbau scheint ein immer beliebteres Mittel, um der sich verschlechternden Geschäftslage zu trotzen. Jan-Egbert Sturm von der Konjunkturforschungsstelle der ETH meint, dass der Trend anhält – aber nicht für alle.

Ein Arbeiter bei der Montage in der Firma Exten, die Plastikmaterialen herstellt.

Bildlegende: Die Arbeitnehmenden könnten abhängig von ihrem Expertenwissen unterschiedlich stark von Stellenabbau betroffen sein. Keystone

SRF News: Verschiedene Branchen bauen Jobs ab, begründet wird das mit dem starken Franken. Widerspiegelt sich das jetzt auch in ihrer KOF-Unternehmensbefragung?

Jan-Egbert Sturm: Tatsächlich sagen die im Februar befragten Unternehmen haben eindeutig, dass die Auftragsbücher nicht mehr derart gefüllt sind wie noch vor kurzem. Also müssten sich die Pläne entsprechend anpassen und man habe vor, in der nächsten Zeit etwas vorsichtiger zu sein. Das bedeutet auch meistens eine grössere Zurückhaltung im Stellenbereich.

Welche anderen Gründe geben die Unternehmen denn für diesen «Jobabbau auf Vorrat» an?

Der Hauptgrund ist im Moment tatsächlich der Schweizer Franken. Man sieht die Wettbewerbsverluste. Und man sieht, dass, wenn man exportiert, die ausländische Kundschaft sofort zurückhaltender reagiert. Auch im Inland gibt es sehr viele Unternehmer die sagen, der Wettbewerbsdruck aus dem Ausland sei viel grösser geworden. Viele Schweizer Kunden geben inzwischen auch an, dass sie etwa mit deutschen oder österreichischen Partnern gewisse Geschäfte durchführen wollen. Der Preisdruck ist sehr gross. Das heisst, dass die Unternehmen nun versuchen, auf der Kostenseite zu sparen – Stellenabbau ist ein Art, wie man das durchführen kann.

«  Bleibt die Situation so, wie sie jetzt eingeschätzt wird, muss man eine längere Zeit damit rechnen, dass Firmen vorsichtiger sind und Stellen abbauen. »

Geht es nun in diesem Stil weiter, sind weitere Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft zu erwarten?

Das lässt sich nicht ausschliessen. Vieles hängt davon ab, wie sich der Wechselkurs entwickelt. Aber auch das Verhalten der Kunden ist entscheidend. Vielleicht ist es nur eine erste Reaktion zu sagen, die Schweiz sei so teuer geworden und man sei deswegen erst einmal zurückhaltend. Im Laufe der Zeit könnten diese Leute zur Einsicht gelangen, dass es nach wie vor gute Gründe gibt, Waren in der Schweiz zu beschaffen. Wenn dieses Denken wieder zurückkehrt, könnte vielleicht die Welle an schlechten Nachrichten etwas reduziert werden. Aber bleibt die Situation so, wie sie jetzt eingeschätzt wird, muss man eine längere Zeit damit rechnen, dass Firmen vorsichtiger sind und Stellen abbauen.

Was auffällt: Der Stellenabbau betrifft vor allem niedrigschwellige Jobs. Was heisst das jetzt für den Produktionsstandort Schweiz? Wird in der Schweiz bald nicht mehr produziert, wenn diese Situation anhält?


Jan-Egbert Sturm zu möglichem Jobabbau in der Zukunft

2:56 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.03.2015

Das ist etwas übertrieben. In gewissen Bereichen gibt es nach wie vor grosse Expertise und mit dem hiesigen Personal lassen sich sehr hochwertige Produkte herstellen. Wenn man die Arbeitskosten im Ausland betrachtet, und sich überlegt, ob man gewisse Aktivitäten verlagern kann, redet man von niederschwelligen Jobs. Die werden als erste ausgelagert.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • KOF- Barometer stürzt ab

    Aus Tagesschau vom 3.3.2015

    Die Folgen des Frankenschocks machen sich erstmals im KOF-Konjunkturbarometer der ETH bemerkbar: Es sinkt so stark wie seit vier Jahren nicht mehr. In allen Wirtschaftsbereichen hat sich die Geschäftslage deutlich verschlechtert. Einschätzungen von SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind.