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Wirtschaft Warum die Finma auf Einzelpersonen abzielt

Ein auferlegtes Berufsverbot. Stresstests, deren Ergebnisse die Öffentlichkeit nicht erfährt. Die Finanzmarktaufsicht fängt sich mit ihrer Arbeitsweise immer wieder Aufmerksamkeit ein – und Kritik. Im «ECO»-Studio bezieht Finma-Direktor Mark Branson Stellung zum Vorgehen seines Instituts.

Legende: Video Mark Branson über Berufsverbote und Bussen abspielen. Laufzeit 1:48 Minuten.
Vom 03.11.2014.

Die Finanzmarktaufsicht Finma hat die Möglichkeit, Berufsverbote für Einzelpersonen auszusprechen. Dieses Mittel hat sie vergangene Woche eingesetzt. Andreas Waespi, ehemaliger CEO der Bank Coop, darf drei Jahre lang seinem Beruf nicht nachgehen. Er soll eine zentrale Rolle beim Manipulieren des Aktienkurses seiner Bank gespielt haben. Sein vorgesehenes Amt als Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank wird er nicht antreten können.

Mit dem Aussprechen dieses Berufsverbots schlägt die Finma einen neuen Kurs ein. «Wir legen mehr Gewicht auf das Identifizieren und Sanktionieren von Einzelpersonen, die Aufsichtsrecht verletzen», sagt Direktor Mark Branson im «ECO»-Studio. In seinem ersten ausführlichen TV-Interview seit seiner Ernennung im April 2014 rechtfertigt er dieses Vorgehen mit Blick auf die vergangenen Jahre: «Es gibt schlicht zu viele Skandale, insbesondere in der Bankenwelt.»

Berufsverbote effektiver als Bussen

Branson bestätigt im Interview zudem, dass die Finma ihren Spielraum stärker ausnutze als früher. Sie bewegt sich in ihren Aktivitäten stets zwischen Persönlichkeitsschutz und öffentlichem Interesse. Im Fall Bank Coop hat sie sich für das öffentliche Interesse entschieden und entsprechend über ihre Massnahme informiert.

Im Vergleich zu Milliarden-Strafen, wie sie etwa die USA immer wieder verhängen, ortet der gebürtige Brite in den Massnahmen der Finma eine stärkere nachhaltige Wirkung. «Das hat einen grösseren Effekt als eine grosse Busse auszusprechen», glaubt Branson. «Sie ist heute angekündigt, morgen bezahlt und übermorgen vergessen.» Massnahmen, die auf ein konkretes Geschäftsfeld zielten, seien wirkungsvoller.

Unabhängig von der persönlichen Meinung des Finma-Direktors: Es wäre ihm ohnehin nicht möglich, Bussen auszusprechen. Dazu fehlt der Finanzmarktaufsicht die gesetzliche Grundlage.

UBS und CS hätten Stresstest bestanden

Die Finma steht immer wieder wegen mangelnder Transparenz in der Kritik. Wen kontrolliert sie genau? Auf welche Art und Weise? Wie lauten die Ergebnisse ihrer Massnahmen? Anders machte es jüngst die Europäische Zentralbank bei ihrem Stresstest. Sie hat 130 Finanzinstitute von Finnland bis Griechenland überprüft. 25 Geldhäuser fielen durch – die Resultate sind öffentlich.

Legende: Video Mark Branson über Stresstests und den US-Steuerstreit abspielen. Laufzeit 3:58 Minuten.
Vom 03.11.2014.

Die Finma hingegen gibt keinen Einblick in die Ergebnisse der «Was-wäre-wenn»-Situationen, die sie mit Banken durchspielt. Mark Branson glaubt, diese Strategie erlaube einen besseren Dialog mit den Finanzinstituten. Ohne den Druck, die Resultate solcher Tests zu veröffentlichen, könne man strengere Szenarien durchspielen.

Bezüglich der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse bestätigt er zumindest, wovon Experten bereits ausgegangen waren: «Wenn sie durch diesen europäischen Prozess hätten gehen müssen, hätten sie diesen sicher gut bestanden.»

Die Behörde

Die Behörde

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht existiert seit 2009 und soll Gläubiger, Anleger und Versicherte auf dem Schweizer Finanzplatz schützen. Sie beschäftigt mehr als 500 Angestellte. 2013 setzte die Finma 140 Mio. Franken um und erzielte 13 Mio. Gewinn. Ihre Gelder erhält sie von jenen, die sie kontrolliert: den Akteuren auf dem Finanzplatz.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond, Vivis
    Solange die FINMA mit rotierenden Baenkstern bestueckt wird, werden nicht Kunden, Staat und Steuerzahler vor diesen, sondern die kriminellen Bankster vor Haftung und Strafverfolgung geschuetzt. Wenn noetig unter Opferung von Kunden mit politisch scheinlegalisiertem Bruch des BankKUNDENgeheimnisses (wie die Baenkster immer wieder selber betonen). Bis jetzt wurden Baenkster hoechstens gesperrt, wenn sie in der Freizeit auffaellig hurten, nicht wenn sie zu gierige Aktionaere kriminell bereicherten
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  • Kommentar von Daniel Frei, Lupfig
    Finma-CEO Branson gibt deutlich den Tarif durch. Und das ist gut so. Solche Leute braucht unser Land! Hoffentlich wird er noch weiteren kriminellen Banker- Personen das Handwerk legen. Denn unsere Bankenwelt braucht Leute in der Teppichetage, die "sauber" sind".
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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Die Finma und der BR ist für mich erst wieder glaubwürdig wenn die ganze UBS Geschichte aufgearbeitet ist. Ich glaube aber nicht, dass ein ehemaliger UBSler das Problem angeht. Darum ist für mich die Finma eine Beschiss Organisation wie die UBS u. der BR der mit Notrecht und bedingungslos der UBS geholfen hat. Wir lernen, wenn Grosse einen großen Beschiss machen und dabei groß Versagen, dann wird das von der Regierung gedeckt. Mir wird übel, ich schäme mich für dieses Pack! Villiger freute sich!
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