Warum Elektroautos es noch immer schwer haben

Sie machen keinen Lärm, sind hocheffizient und stossen kein Abgas aus: Elektroautos werden als ökologische Alternative zu herkömmlichen Autos gepriesen. Die Autoindustrie träumt von neuen Märkten und entwickelte bereits eine ganze Palette von Modellen. Bis zum Massenmarkt fehlt aber noch einiges.

Ausschnitt eines Elektroautos, das an eine Ladestation angehängt ist.

Bildlegende: Noch fehlen genügend Ladestationen für Elektroautos. Keystone/Archiv

«Setzen Sie sich in ein modernes E-Fahrzeug und lassen Sie sich überraschen. Das macht wirklich Freude!» Der da spricht, ist nicht ein Elektroautohändler, sondern Rudolf Dieterle, Direktor des Bundesamtes für Strassen.

Auch die europäischen Autohersteller sind auf den E-Mobilitätszug aufgesprungen. Unter anderem, weil sie Schadstoffvorgaben der EU erreichen müssen. Und die Verkaufszahlen steigen: letztes Jahr in Deutschland um 100 und in der Schweiz um gut 50 Prozent – allerdings noch auf sehr tiefem Niveau.

Zu wenig «grüne» Tankstellen im öffentlichen Raum

Damit das Elektroauto vom Nischen- zum Massenprodukt wird, brauche es vor allem ein Netz von Ladestationen, ist Daniel Schafer überzeugt. Er ist CEO von Energie Wasser Bern. Für das Laden im öffentlichen Raum gebe es noch Schwierigkeiten. «In Bern haben wir Ladestationen im sogenannten halböffentlichen Raum aufgestellt, beispielsweise in Parkhäusern.» Im öffentlichen Raum stellten sich aber relativ schnell Fragen bezüglich Baubewilligungen. Schafer hofft, dass sich das künftig ändern wird.

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Aus dem Archiv: Aufbau von Strom-Tankstellen stockt

8:13 min, aus ECO vom 10.3.2014

Zum Beispiel müssten Autobahnraststätten verpflichtet werden, neben Bleifrei und Diesel auch elektrischen Strom anzubieten. Oder die Städte sollten vermehrt «grüne» Parkplätze schaffen, auf denen ausschliesslich Elektroautos zum Aufladen parkiert werden dürfen.

Energieversorger hoffen auf Kompensationsgeschäft

Bis jetzt kann mit Ladestationen noch kein Geld verdient werden. Der Strom, der angezapft werden kann, ist vielerorts noch gratis. Doch die Energieversorger hoffen, dass sich das ändert und Elektromobilität für sie ein Geschäftsfeld wird, das die Ausfälle im traditionellen Stromgeschäft kompensiert.

Dabei hat der Aufbau eines Netzes von öffentlichen Ladestationen vor allem auch eine psychologische Bedeutung. Mit Reichweiten von 130 und mehr Kilometern können Elektroautos im Alltag problemlos über Nacht zu Hause aufgeladen werden. Viele potentielle Käufer möchten aber zumindest theoretisch auch weiter von zu Hause wegfahren und während einer Kaffeepause ihre Autobatterie laden können.

«Der Zug ist nicht mehr zu bremsen»

Rund 40 öffentliche Schnellladestationen gibt es in der Schweiz bereits. Rund 250 seien wohl nötig, sagt Peter Arnet, Chef E-Mobilität beim Energiekonzern Alpiq. Mit immer mehr Elektroautos, die auf den Markt kommen, werde der Druck grösser, sagt er. Arnet ist zuversichtlich, dass die Schnellladestationen gebaut werden. «Die Frage ist nur, ob sie in einem, in zwei oder in drei Jahren aufgestellt sein werden. Der Zug ist aber sicher nicht mehr zu bremsen.»

Bremsen möchte diesen Zug kaum jemand. Damit Elektroautos aber ihr Versprechen an die Umwelt einhalten, müssten sie mit sauberem Strom fahren, sagt die Grüne Nationalrätin und Umweltwissenschaftlerin Aline Trede. «Wenn man den Strom-Mix aus der EU nimmt, sind wir bei gleich viel Emissionen wie bei einem Benzinmotor. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir darauf achten, dass nur erneuerbarer Strom in diese Batterien fliessen wird.» Es braucht also nicht nur mehr Elektro-Zapfsäulen, sondern auch noch Öko-Strom drin.