Dieselfahrzeuge in der Kritik Warum sich die Autobauer gegen eine Nachrüstung sträuben

Die deutschen Autokonzerne treffen sich heute mit der deutschen Regierung zum «Diesel-Gipfel». Unter anderem geht es darum, wie es mit Autos mit manipulierten Dieselmotoren weitergehen soll. Eine Lösung dürfte vor allem für kleinere Autos schwierig zu finden sein, meint ein Experte.

Jahrelang hat der VW-Konzern die Abgaswerte von Dieselmotoren geschönt. In Tat und Wahrheit haben die Motoren mehr Schadstoffe ausgestossen als ausgewiesen. Klar ist: Der Betrug der Autobauer hat den Höhenflug des Dieselmotors gestoppt. Auch in der Schweiz.

Der Schein des Dieselmotors trog

Die Argumente waren vielversprechend: Ein Auto mit Diesel fährt bei gleicher Menge weiter als mit Benzin und stösst erst noch weniger umweltschädliches CO2 aus.

Das hat dem Dieselmotor zum Durchbruch verholfen: Wurden 1996 gut vier Prozent der Autos auf Schweizer Strassen mit Diesel angetrieben, waren es 2016 fast 40 Prozent.

Der Ruf des Dieselmotors war jedoch besser als dieser tatsächlich war, wie der Abgas-Skandal zeigt. «Die besonders gefährlichen Stickoxide wurden in vielen Autos nicht richtig unschädlich gemacht», sagt Christian Bach.

Bach leitet die Abteilung Antriebssysteme an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA: «Die Schwierigkeit ist, dass man diese Stickoxide nicht einfach rausfiltern kann. Man muss sie chemisch in ungiftige Schadstoffe umwandeln.» Technisch sei das machbar, aber teuer.

Neuzulassungen in der Schweiz seit 1996 (PKW): Der Diesel-Boom setzte in der Schweiz Ende der 1990er-Jahre ein. Rot die Neuzulassungen von Benzinern, blau die Neuzulassungen von Dieslern.

«  Die besonders gefährlichen Stickoxide wurden nicht richtig unschädlich gemacht. »

Christian Bach
Leiter der EMPA-Abteilung Antriebssysteme

Zu teuer, befand man bei VW, Audi und Porsche. Den Konzernen erschien es offenbar billiger, bei den Abgastests mit einer Software zu schummeln. Auch unmittelbar vor dem «Diesel-Gipfel» lehnen die Autokonzerne eine teure Nachrüstung ihrer Motoren ab. Die deutsche Umwelthilfe rechnet pro Auto mit rund 1500 Euro.

Lastwagenbranche hat vorgemacht, wie es geht

Auch für Christian Bach ist klar: Einen sauberen Dieselmotor gibt's nicht gratis. Es sei zwar möglich, den Dieselmotor sauber zu machen. Es sei aber eine relativ teure Angelegenheit.

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«Die Autoindustrie hat viele Fehler gemacht»

1:37 min, aus Tagesschau am Mittag vom 2.8.2017

«Deshalb glauben wir, dass der Dieselmotor zumindest bei den kleinen Fahrzeugen, oder bei den Kompaktfahrzeugen einen schweren Stand haben wird», sagt Bach. Bei diesen Fahrzeugklassen zähle jeder Franken. Dort sei der Preis entscheidend.

Gleichzeitig verweist Bach auf die Lastwagenbranche. Diese habe vorgemacht, dass ein sauberer Diesel möglich sei. «Die Lastwagenbranche hatte Ende der 90er Jahre einen ähnlichen Dieselskandal – und änderte sich daraufhin radikal», so Bach. Heute würden Diesellastwagen laut Studien die Gesetze einhalten.

Heute wird sich zeigen, welche Konsequenzen die Autobranche ziehen wird. Der Diesel in seiner heutigen Form hat keine Zukunft mehr. Die Verkäufe gehen weiter zurück, wie die jüngsten Zahlen zeigen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Sollen Diesel-Autos verboten werden?

    Aus Echo der Zeit vom 23.6.2017

    In deutschen Grossstädten denkt man über ein Fahrverbot von Dieselautos nach. Der Ingenieur Andreas Mayer hat einen Dieselfilter für den Tunnelbau entwickelt. Er glaubt nach wie vor an den Diesel. Das Gespräch.

    Roman Fillinger

  • Der lange Abschied

    Aus Einstein vom 23.2.2017

    Diesel- und Benzinmotoren dominieren die Strassen der Welt – trotz ihrer starken Emissionen. Von ihnen loszukommen, stellt uns vor eine gigantische Herausforderung. Kurzfristig sind nämlich keine Alternativen in Sicht. Wie konnte es so weit kommen? Welche Schritte wären nun richtig? Wir haben bei Umweltorganisationen, Behörden und Wirtschaftsverbänden nachgefragt. Es könnte ein langer Abschied werden.