Warum sich die «Wette auf Burma» lohnt

Burma öffnet sich. In dem Land schlummert enormes wirtschaftliches Potential. Die Schweiz gehört zu den Ländern, die von Beginn weg davon profitieren wollen. Und sie tut gut daran, findet die Wirtschaftskammer Schweiz-Asien.

Zwei Frauen auf einem Kanu-ähnlichen Boot.

Bildlegende: Rohstoffe ohne Ende und jahrzehntelange Embargos: Burma gilt als nächster asiatischer Tigerstaat. Keystone

Seit zwei Jahren stehen die Zeichen in Burma auf Reformen. Das asiatische Land öffnet sich zusehends – politisch wie auch wirtschaftlich.

Jetzt strömen Investoren, Politik- und Wirtschaftsvertreter aus der ganzen Welt nach Burma. Als eines der ersten Länder hat die Schweiz bereits erste Wirtschaftsabkommen aufgegleist.

Bodenschätze und Landwirtschaft

Kein Wunder: Das Land zwischen Indien und China hat ein enormes wirtschaftliches Potential. Es ist reich an Bodenschätzen wie Erdgas, Erzen oder Edelsteinen. Im Rahmen des Goldabbaus wird auch Uran gewonnen.

Seine Geographie macht es zudem interessant für agrar- und hydrowirtschaftliche Interessen. In Burma kann zwei- bis dreimal geerntet werden. Die grossen Wasserbestände ermöglichen Wasserkraftwerke. Riesige Waldbestände können genutzt werden.

Ausländische Delegationen strömen in das Land

Dieses Potential blieb während fast 50 Jahren Militärdiktatur ungenutzt. Nicht zuletzt, weil Burma mit internationalen Sanktionen und Embargos belegt wurde. Entsprechend blieben viele Bereiche des Landes unterentwickelt. Es besteht ein grosser Nachholbedarf.

«Die ausländischen Delegationen geben sich in Burma derzeit die Klinke in die Hand», weiss Barbara Möckli-Schneider, Geschäftsführerin der Wirtschaftskammer Schweiz-Asien, aus eigener Erfahrung. Es fänden permanent Verhandlungen statt, Freihandelsabkommen würden geschlossen – auch die Schweiz ist bekanntlich daran.

Zweifelhafte Produkte aus China

China habe früher als Europa und die USA begonnen, das brachliegende Land zu beackern. «Peking begann vor 15 bis 18 Jahren in Burma zu investieren und das Land mit seinen Produkten zu beliefern», sagt die Vertreterin der Wirtschaftskammer zu SRF News Online.

Aber: Die chinesischen Produkte seien oft von zweifelhafter Qualität gewesen, so Möckli-Schneider. Aus diesem Grund habe Burma grosses Interesse an einem Zugang zum europäischen Markt. «Die Burmesen wollen weg kommen von der Abhängigkeit von ‹poisened food and drugs› aus China», so Möckli-Schneider.

Schritt zurück undenkbar

Mehrere Schweizer Unternehmen stehen offenbar in den Startblöcken. Die Wirtschaftskammer reiste zuletzt im November 2012 mit 25 Firmenvertretern nach Burma. Grossfirmen wie Nestlé, Holcim oder die ABB wollen bereits in den nächsten Monaten in dem Markt aktiv werden.

Weitere dürften folgen: Die reichhaltige Landwirtschaft bietet sich zum Technologietransfer an, Detailhändler fänden in Burma einen Partner für Gemüse- und Früchtenimport, beim Aufbau der Infrastruktur eines ganzen Landes werden Aufträge vergeben. Das sind nur einige von zahlreichen Wirtschaftszweigen.

Könnte sich die Hoffnung in den neuen asiatischen Tiger auch zerschlagen? Kaum, glaubt man bei der Wirtschaftskammer Schweiz-Asien. «Der Schritt zurück ist ein Ding der Unmöglichkeit», glaubt Möckli-Schneider. «Alle in Burma wollen das Land vorwärts bringen.»

Charmeoffensive der Schweiz

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hatte am WEF ein Memorandum zu einem Wirtschaftsdialog mit Burma unterzeichnet. Das Papier ist zwar unverbindlich. Es gilt laut dem Volkswirtschaftsminister aber als erster Schritt zu einer Zusammenarbeit. Die Schweiz war zudem im November 2012 das erste Land, das nach der Wende in Burma eine Botschaft eröffnete.