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Zu teure AKW Was bedeutet das Aus von Westinghouse für die Atomindustrie?

Legende: Audio AKW-Bauer Westinghouse ist zahlungsunfähig abspielen. Laufzeit 4:13 Minuten.
4:13 min, aus Echo der Zeit vom 29.03.2017.

Darum geht es

Der angeschlagene japanische Industriekonzern Toshiba schickt seine kriselnde US-Tochter Westinghouse in die Insolvenz und will damit seine eigene Zukunft sichern.
Die Japaner hatten den AKW-Bauer Westinghouse 2006 für mehr als fünf Milliarden Dollar gekauft, um ins US-Atomgeschäft einzusteigen, das man damals für stabil hielt.
Doch statt Gewinne hagelte es massive Verluste wegen Verzögerungen und Kostenüberschreitungen beim Bau von Atomkraftwerken in den USA.
Wer für den Weiterbau dieser AKW nun aufkommen wird, ist gänzlich offen. Ein Teil der Kosten ist bereits auf US-Steuerzahler abgewälzt worden.
Zu sehen ein Mann mit in einen langen Zopf gebundenen, grauen Haaren und grauem Dreitagebart.
Legende: Mycle Schneider. ZVG

Atomkritiker: Es gibt heute keinen Markt für AKWs mehr

Die Insolvenz des AKW-Bauers Westinghouse sei eine Zäsur, sagt der atomkritische Publizist Mycle Schneider. «Man darf nicht vergessen, dass das Unternehmen der grösste historische Bauer von Atomkraftwerken ist.» Dass AKW-Bauer bankrottgehen, ist laut Schneider neu. Bisher seien eher Stromunternehmen wegen Finanzierungsproblemen pleite gegangen.

Westinghouse leidet unter einem milliardenhohen Schuldenberg. Das Unternehmen habe sich verspekuliert, stellt Schneider fest.

Nach marktwirtschaftlichen Gesetzen kann man heute keine Atomkraftwerke mehr bauen. Das ist völlig unmöglich.
Autor: Mycle Schneider

Westinghouse sei davon ausgegangen, weltweit Dutzende neue Atomkraftwerke zu billigen Preisen bauen zu können, obwohl sein Paradeprodukt, der AP1000-Reaktor, noch gar nicht fertig entwickelt war. In der Folge liefen Bauzeiten und Kosten aus dem Ruder. Ähnlich ergehe es auch dem französischen Konkurrenten Areva, der in Finnland seit zwölf Jahren an einem neuen AKW baut.

«Nach marktwirtschaftlichen Gesetzen kann man heute keine Atomkraftwerke mehr bauen. Das ist völlig unmöglich», bilanziert Schneider und stellt fest: Wenn Atomenergie weiter genutzt werden solle, brauche es auch finanzielle Unterstützung vom Staat.

Mit grauen Haar und Brille auf einem Podium, Publikumsfragen beantwortend.
Legende: Michael Schorer. ZVG

Atombefürworter: In Asien wird die Atomkraft massiv ausgebaut

Das Problem der Verzögerungen bei AKW-Bauten kennt auch Michael Schorer. Er ist Sprecher des atomfreundlichen Schweizer Nuklearforums. Speziell in Europa gebe es sehr starke und bei den vier jüngsten US-Projekten gewisse Bauverzögerungen, nicht aber in Russland und Asien. «Dort kann man ein Kernkraftwerk in der Regel in fünf bis sechs Jahren bauen.» Gerade in Asien werde die Atomkraft weiterhin massiv ausgebaut.

Wenn Kernenergie und ihre Vorteile genutzt werden sollen, braucht es zumindest die politische Unterstützung des Staates.
Autor: Michael Schorer

Derzeit befinden sich laut Schorer weltweit 59 Kernkraftwerke im Bau, davon allein 20 in China, 7 in Russland und 5 in Indien. Weitere werden in den Arabischen Emiraten, den USA und in Südkorea gebaut. Letztes Jahr sind weltweit zehn neue AKWs ans Netz gegangen, neun davon in Asien.

In Europa, Japan und den USA seien die Vorbehalte gegen die Atomkraft grösser. Schorer fordert daher: «Wenn Kernenergie und ihre Vorteile genutzt werden sollen, braucht es zumindest die politische Unterstützung des Staates.»

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    85% des weltweiten Energiebedarfs werden heute mit Kohle, Erdöl und Erdgas abgedeckt. Langfristig muss die Menschheit die fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energie und Kernenergie (Kernkraftwerke mit neuen Brennstoffen und später auch Kernfusion) abdecken. Die heutigen Kernreaktoren der Gen. 3+ sind zu teuer. Doch ein "Atomausstieg" wäre ein unsinniger Entscheid. Offenheit für kommende Entwicklungen sowohl bei den erneuerbaren Energien wie bei der Kernenergie ist die beste Energiestrategie.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Hr. Jorns, an den tatsächlichen Vorgängen im Bereich Energie im Land würde dieser strategische Unterschied mindestens in den kommenden 10+ Jahren nichts ändern. Denn in dieser Zeit werden keine Optionen offen sein, weder technologische noch politische, um neue AKW's, egal welcher Generation, in der CH zu bauen.
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    2. Antwort von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
      @Beat Reuteler; Ein Verbot für neue Kernkraftwerke hätte zurzeit zwar keine Wirkung auf die Stromproduktion. Doch die dringend notwendige international koordinierte Entwicklung von Reaktoren der 4. Generation ist in der Schweiz leider nur in kleinem, fast ein wenig verstecktem Rahmen bei Prof. Prasser am PSI möglich. Unnötige Verbote können - wie eben in diesem Fall - langfristig unerwünschte negative Folgen haben.
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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Es braucht nicht nur politische, sondern auch massive finanzielle Unterstützung. Dieses Geld ist aber viel besser in Technologien für Neue Erneuerbare Energieformen zu investieren. Das Risiko ist geringer und die Nachhaltigkeit besser. Es ist auch nicht unbedingt besser wenn ein solches Kraftwerk termingerecht fertiggebaut wird. Schlimmestenfalls kann dies nämlich bedeuten dass es bei der Sicherheit Kompromisse gibt.
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