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Schweizer Firmen in Indien Was hat «Make in India» schon bewirkt?

Das Milliardenvolk birgt ein Riesenpotenzial für ausländische Investoren. Doch es braucht mehr qualifizierte Arbeitskräfte.

Legende: Audio Wirtschaftsprogramm «Make in India»: Bloss ein guter Slogan? abspielen. Laufzeit 4:38 Minuten.
4:38 min, aus Rendez-vous vom 31.08.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Indien hat ein Wirtschaftsförderungsprogramm «Make in India» aufgestellt, um ausländische Firmen ins Land zu bringen. Das Land ist an ausländischen Investoren interessiert.
  • Rund 250 Schweizer Firmen haben bereits einen Geschäftszweig in Indien. Darunter ist auch Dätwyler mit Gummiteilen für Medizinalgeräte.
  • Bundespräsidentin Doris Leuthard weilt zurzeit mit einer Delegation namhafter Schweizer Unternehmen in Indien, um wieder etwas Schwung ins Freihandelsverhandlungen zu bringen.

Ohne Plastiküberschuhe, Mundschutz und Kopfhaube kommt man nicht in die Fabrik von Dätwyler ausserhalb der Stadt Pune. Werksleiter Rahul Dev führt durch die Lagerräume: Die Rohware komme aus der ganzen Welt, hauptsächlich Dätwyler stellt Deckel für Medizinalflaschen oder die Gummipfropfen in den Spritzen her. Da diese in Kontakt mit der Medizin kommen, müssen sie absolut sauber sein.

Sterile Produkte in Indien herstellen ist keine einfache Aufgabe. In grossen Waschmaschinen werden die Gummiteile gewaschen. Das Wasser dafür kommt von einem nahegelegenen, braunen Fluss. Eine eigene Kläranlage reinigt das Wasser, bis es den Anforderungen genügt.

Hilfe von der Schweizer Botschaft

Dätwyler ist seit 2010 in Indien präsent. 420 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen hier. Nächstes Jahr will die Firma die Produktion erhöhen und plant eine zweite Fabrikanlage. Das Land dafür hat Dätwyler vor zwei Jahren gekauft, es fehlen aber noch die Baugenehmigungen.

Die Schweizer Botschaft helfe mit, das Verfahren bei den lokalen Behörden zu beschleunigen, sagt Werksleiter Dev. Ohne Vitamin B scheint es in Indien also immer noch nicht ganz zu funktionieren. Doch eigentlich verspricht das Wirtschaftsprogramm «Make in India» genau das: eine einfachere Bürokratie und effizient arbeitende Behörden.

Wer einen Farbtropfen in eine kleine Wasserflasche gibt, sieht schnell einen Wandel. Doch Indien ist ein riesiger Wassertank.
Autor: Rahul DevWerksleiter bei Dätwyler

Es sei besser geworden mit der Bürokratie, meint Rahul Dev: Brauchte man früher noch über 200 Genehmigungen für eine Firmengründung, sind es heute weniger als 100.

Immerhin: «Make in India» hat ganze Sektoren für ausländische Investitionen geöffnet. Die Armee zum Beispiel oder die Bahninfrastruktur. Die Schweizer Firma Stadler Rail zum Beispiel bewirbt sich für einen Auftrag von der Regierung, um Zugwaggons für die indische Eisenbahn herzustellen.

Ein Slogan allein reicht nicht

Für Ajay Sethi, der ausländische Firmen beim Etablieren in Indien berät, ist «Make in India» vorerst einmal ein guter Slogan: Es mangle an der Infrastruktur. Strassen, die zu einem Fabrikgelände führten, seien oft in einem schlechten Zustand, Strom nicht immer rund um die Uhr verfügbar. Das hindere noch viele Unternehmen, in Indien zu investieren. Dennoch sei genau jetzt der richtige Moment. Denn je besser die Infrastruktur, desto teurer auch die Investitionskosten.

Ein Heer von Arbeitskräften, aber...

Deswegen rät Sethi den Unternehmen, jetzt zu investieren. Mit «Make in India» habe die Regierung den Grundstein gelegt. Was sie noch verbessern müsse, sei die Ausbildung der Arbeiter. Da hinke Indien noch weit hinterher: Eine Million Arbeiter drängen in Indien monatlich auf den Markt. Doch dieser kann sie nicht absorbieren, da sie den Anforderungen der Firmen, die nun angelockt werden, oft nicht genügen. «Make in India» verfehlt also momentan eines seiner Hauptziele: Arbeitsplätze schaffen.

Die Firma Dätwyler bildet ihre Arbeiter selbst aus. Bis sie auf geschulte Fachkräfte zurückgreifen kann, werde es noch einige Zeit dauern, sagt Werksleiter Dev: «Wer einen Farbtropfen in eine kleine Wasserflasche gibt, sieht schnell einen Wandel. Doch Indien ist ein riesiger Wassertank.» Bis Reformen wie «Make in India» wirklich greifen, brauche es viel Zeit.

Thomas Gutersohn

Thomas Gutersohn

Thomas Gutersohn hat in Genf Internationale Beziehungen studiert und arbeitet seit 2008 bei Radio SRF. Ab 2012 berichtete er als Korrespondent aus der Westschweiz. Seit 2016 lebt er im indischen Mumbai und berichtet für SRF aus Indien und Südasien.

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