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WEF 2015 «Die Welt ist ausser Kontrolle geraten»

Eine Rekordzahl von Menschen hofft auf eine bessere Zukunft im Westen. Was ist die Antwort auf diese Wirtschaftsmigration? Susanne Wille diskutierte diese Fragen am WEF in der SRF-Debatte mit ihren Gästen – unter ihnen Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz.

Legende: Video Die Debatte in voller Länge abspielen. Laufzeit 06:00 Minuten.
Aus News-Clip vom 22.01.2015.

Die Alarmglocken schrillen unüberhörbar: Nach Angaben der Vereinten Nationen sind derzeit so viele Menschen auf der Flucht wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Mehr als 50 Millionen Menschen haben ihr Heimatland verlassen – aus Angst vor Krieg und Folter, aber auch aus wirtschaftlicher Not.

Gleichzeitig wächst macht sich in vielen anderen Ländern Europas das Gefühl breit, Migranten könnten Arbeitsplätze wegnehmen, den Wohlstand mindern oder die eigene Kultur verändern. Ist die Migration ausser Kontrolle geraten?

«Wenn es schwierig ist, dann in den Nachbarstaaten»

«Wenn sie die Regionen anschauen, in denen Krieg herrscht, muss man sagen: In diesen Regionen ist Migration ausser Kontrolle geraten», sagte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Sie verwies aber auch auf die grossen regionalen Unterschiede. «Ungefähr zehn Prozent kommen nach Europa, der Rest bleibt in der Region. Wenn es eine schwierige Situation gibt, dann vor allem in den Nachbarstaaten», so Sommaruga. Dort sei Hilfe gefragt. «Was kann Europa beitragen, um den Schutz dieser Menschen zu gewährleisten?»

Globale Herausforderung

«Wir leben in einer Zeit der grössten menschlichen Mobilität. Jeder siebte Mensch lebt nicht in dem Land, in dem er geboren ist», gab der Chef der Internationalen Organisation für Migration, William Lacy Swing, zu bedenken. Es gebe derzeit so viele humanitäre Katastrophen wie nie. Gleichzeitig werde Migration so schlecht wahrgenommen wie selten zuvor. Nicht die Migration sei das Problem. «Die Welt ist ausser Kontrolle geraten», so Lacy. Er forderte grössere Anstrengungen von der Politik, um der Probleme Herr zu werden.

Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita pflichtete Lacy bei. «Migration ist eine weltweite Herausforderung. Jeder von uns muss mit seinen Mitteln versuchen, die Abwanderung möglichst klein zu halten», so Keita. Unter anderem müsse jungen Menschen vermittelt werden, welche Gefahren Migration bergen könne.

«Die Emotionen sind ausser Kontrolle»

Hikmet Ersek, Chef von Western Union – einem Finanzdienstleister, der vielen Migranten zur Geldübermittlung dient – erinnerte daran, dass viele Migranten mit ihrer Arbeit für den Wohlstand im Westen sorgten. «Wir sitzen hier beim Weltwirtschaftsforum und wollen, dass das Geld fliesst, wir wollen Wachstum – aber wir mögen es nicht, dass die Menschen über die Grenzen gehen. Da wird es plötzlich emotional.»

Fast jedes zweite der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt sei von einem Migranten oder von dessen Kindern aufgebaut worden. «Die Länder, in die sie kommen, können von ihnen profitieren. Was heute ausser Kontrolle ist, sind eher die Emotionen.»

Europa gehe falsch mit Migration um, sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. «Das ist das grosse Problem für die Europäer. Wir nehmen die Migration zur Kenntnis, aber wir organisieren sie nicht.» Statt sich um diese Frage zu kümmern, bekämpfe man die Migration und versuche, Grenzen zu dicht zu machen. «Das ist unverantwortlich.» Schulz forderte ein Quotensystem in Europa – ähnlich wie in den USA und in Kanada.

Migration weltweit

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Erstmals ist Schweizer Radio und Fernsehen am WEF in Davos Gastgeber einer eigenen Livedebatte. Ihr Thema: «Escape from Poverty» – Flucht aus der Armut. Unsere Infografik zeigt, dass weltweit mehr 230 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen haben. 51 Millionen von ihnen sind auf der Flucht. Mehr. Mehr.

Das WEF in Davos

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Schweizer Radio und Fernsehen begleitet das 45. Weltwirtschaftsforum in Radio, TV und online. Seien Sie bei spannenden Gesprächsrunden dabei, hören Sie, was WEF-Gäste im Interview zu sagen haben und lesen Sie, was sonst noch in Davos passiert. Mehr.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Eberhard, 5722 Gränichen
    Frau Wille ist die beste Moderatorin des SRF's, die ich je gehört habe. Was mich an diesem Forum störte, waren die Lügen des Western Unions Chefs. In meinen Augen die grösste betrügerische Bank die es je gab. Dieser Mann gehört nicht in ein Forum wo es um Migration geht. Zudem das Gesäusel von Sommaruga und das Gejammer von Schulze waren auch nicht unbedingt ein Knaller. Ich frage mich wirklich wieso für solch Gesäusel und Lügen und Geheuchel die Steuerzahler soviel Geld bezahlen müssen.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Letztlich ist die Situation die Folge einer unersättlichen Gier einer Minderheit, welche immer mehr Menschen die Lebensgrundlage und die Zukunftsaussichten raubt. Es ist eine seit über einem Jahrhundert laufende Entwicklung. Z.B. Technologien und Rahmenbedingungen (z.B. Keynes Vorschlag für eine Weltwährung), welche zu breitem Wohlstand beitragen aber keine Gewinnflüsse Zugunsten einer reichen Minderheit generieren, wurden seit über 100 Jahren mit allen Mitteln, inkl. Gewalt, unterdrückt.
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  • Kommentar von Dieter Wundrak-Gunst, Frenkendorf
    Sagen wir es kurz, ganz normal in der heutigen digitalen Welt sind die Menschen weltweit informiert. Also ganz normal, dass man dort hin will, wo der Honig blüht. Dann auch dies, dass man in den Löhnen in den Teppichetage massvoll überzogen hat. Früher war es so ähnlich bei den Adligen, dann kam die Revolution. Und heute, wir sehen es ja wunderbar, dann einmal die Finanzkrise, dann die menschliche Krise, einfach Krisen, die es immer mehr hat. Und wir kann man es lösen? Ganz einfach gemeinsam.
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