«Ich bin gerne der Boss»

Inga Beale ist gerngesehener Gast am WEF. Sie gehört zu den wenigen Topfrauen in der Wirtschaft. Nach einer Karriere in den Teppichetagen Schweizer Versicherungen ist sie seit einem Jahr Chefin der britischen Lloyds. Am WEF setzte sie sich dafür ein, dass mehr Frauen die Chefsessel erobern.


Inga Beale, CEO Lloyds

Bildlegende: Inga Beale, CEO Lloyds Reuters

Inga Beale zieht es an die Spitze. Deshalb arbeitet sie heute in London, obwohl sie ihren Wohnsitz immer noch in der Schweiz hat. Sie war bereits beim Rückversicherer Converium oberste Chefin und als sie später bei der Zurich-Versicherung nur noch Mitglied der Geschäftsleitung war, habe sie gemerkt, dass sie wieder selber Boss sein wollte.


«Ich bin gerne der Big Boss»

3:08 min, aus Echo der Zeit vom 24.01.2015

Offener Blick, entschlossener Händedruck und ein dezidierter Auftritt: Die 52-jährige Britin hat in ihrer Jugend Rugby gespielt. Sie strahlt Entschlossenheit aus und verfügt wohl auch über gestählte Ellbogen.

Seit einem Jahr ist sie mittlerweil Chefin des britischen Versicherungsriesen Lloyds. Sie freut sich über ihren erstes WEF in dieser Funktion. Auf ihrem Programm stand unter anderem das Thema Innovation. Denn neue Technologien verändern die Versicherungswirtschaft. Deshalb tauschte sie sich mit Branchenkollegen über die wichtigsten Trends aus. Und sie will neue Kundensegmente erschliessen.

Lloyds war bislang vor allem in den tradionellen Industrieländern tätig. Künftig will der brititsche Versicherungskonzern vermehrt in den aufstrebenden Ländern tätig sein. Deshalb hofft Beale, in Davos Verteter aus Schwellenländern zu treffen.

Für feste Frauenquoten

Ihr zweites wichtiges Thema am WEF war Gleichstellung – im Managment-Slang heisst das Gender-Diversity. Auf ihrem Weg an die Spitze eines 325-jährigen Traditionskonzerns hat Inga Beale erlebt, dass Frauen immer noch Extrahürden zu nehmen haben. Deshalb gehört sie inzwischen ins Lager derer, die Quoten fordern für Frauen in Top-Positionen. Vor 30 Jahren, als sie ins Berufsleben eingestiegen ist, habe sie noch gemeint, Frauen würden quasi automatisch in Führungspositionen kommen, sagt Beale. Mittlerweile aber halte sie konkrete Quoten für eine gute Sache.

Werden Unternehmen verpflichtet, eine Frauenquote zu erfüllen, dann würden sie anfangen, Führungspersonal ausserhalb der traditionellen Männernetzwerken rekrutieren, meint Inga Beale. Und dann würden sie auch qualifizierte Frauen finden.

Bei Lloyds will sie mit dem guten Beispiel vorangehen. In der neunköpfigen Geschäftsleitung hat es mittlerweile vier Frauen – und das in einem Haus, das noch in den siebziger Jahren den Frauen den Zutritt in den Handelsraum verweigerte. Im Verwaltungsrat hingegen besteht noch Nachholbedarf. Dort ist das Ziel eines 25-prozentigen Frauenanteils noch nicht erreicht.

In Europa haben nur wenige Frauen eine ähnlich eindrückliche Arbeitsbiographie wie Inga Beale. Deshalb ist die Lloyds-Chefin ein gerngesehener Gast bei Podiumsdiskussionen zum Thema Gender Diversity am WEF. Von diesen Runden erhofft sie sich ein Geben und Nehmen.

Input geben und von anderen lernen: Mit dieser Strategie hat es Inga Beale bis ganz an die Spitze geschafft - und man glaubt es ihr, wenn sie sagt: «Ich bin gerne der Boss.»