«Russland ist für Investoren einfach zu riskant»

Selten war Russland mit so wenigen Teilnehmern am WEF vertreten wie in diesem Jahr. Die Probleme in der Heimat sind dieses Jahr wohl zu gross: der Ölpreis am Boden, der Rubel auf einem historischen Tief. Den Optimismus, den einige Russen in Davos verbreiten, teilen Experten nicht.

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So wenige Russen wie selten in Davos

2:56 min, vom 24.1.2015

Feiern, als ob nichts wäre – das ist Russland. Die russischen Parties gibt es auch in diesem Jahr. Doch der erste Eindruck täuscht: Selten waren so wenige Russen am WEF wie 2015. «Die Nachfrage nach Parties ist viel kleiner als in anderen Jahren», sagt Maria Morozova, die Organisatorin der russischen Anlässe in Davos. «Einige wurden im letzten Moment abgesagt. Es sind weniger Leute hier und die, die hier sind, wollen sich mehr aufs Geschäft konzentrieren», erklärt sie. Und fügt hinzu: «Im Moment ist den Russen wenig nach Feiern zumute.»

Ein bisschen Optimismus...

Russland im freien Fall: Der Ölpreis am Boden, der Rubel historisch tief und die Sanktionen des Westens treffen die Wirtschaft zusätzlich. Einer aber versprüht ungebrochenen Optimismus: Alexey Repik, der Präsident des russischen Wirtschaftsverbandes «Business Russia».

«Ich vertrete 75'000 Unternehmen, die weder mit Öl, noch Metallen Geschäfte machen», sagt Repik, der selbst Pharma-Unternehmer ist. «Wir sind die neue Generation, die New Economy Russlands. Wir haben das Potential, uns an die neuen Bedingungen anzupassen. Unser Einfluss auf und unser Anteil an der russischen Wirtschaft nimmt zu – vor allem längerfristig, spätestens bis 2030.»

... doch die Experten sehen schwarz

Dieser Optimismus wird am WEF nicht geteilt: Experten gehen davon aus, dass Russland den Tiefpunkt noch nicht erreicht hat. «Die Russen bemühen sich um Optimismus – vor allem die neue Mittelklasse, die sich in den letzten zehn Jahren etabliert hat. Aber die Aussichten haben sich verdüstert, Russland befindet sich mitten in einem Sturm.» In diesem Jahr werde die Wirtschaft um fünf Prozent schrumpfen, sagt Scott Key, Chef des Beratungsunternehmens IHS. «Es kommt noch einiges auf Russland zu. Internationale Investoren haben ihr Vertrauen in das Land verloren.»

So ist denn die russische Regierung am WEF mit Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow nur mit der zweiten Liga vertreten – zu gross sind die Probleme in der Heimat. «Russland hat nicht gerade viele Freunde im Moment», sagt Scott Key von IHS. «Die Sanktionen des Westens verhindern Investitionen im Land. Und es gibt interessante Alternativen. Indien zum Beispiel bietet viele Möglichkeiten oder auch Japan und die USA.» Auch Europa erhole sich. «Russland ist für Investoren einfach zu riskant.»