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WEF 2016 «Erhöhte Bedrohung» am WEF

In Davos gehen die Sicherheitsverantwortlichen des World Economic Forum (WEF) von einer «erhöhten Bedrohung» aus. Als neue Gefährdung werden auch Selbstmordattentate mit Sprengstoffgürteln in Betracht gezogen. Konkrete Anzeichen für Anschlagspläne lägen indessen nicht vor.

Legende: Video «Verschärftes Sicherheitsdispositiv in Davos» abspielen. Laufzeit 1:44 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.01.2016.

Zwei Tage vor Beginn des 46. World Economic Forum (WEF) haben die Sicherheitsorgane in Davos über eine erhöhte Bedrohungslage informiert. Demnach liegen derzeit zwar keine konkreten Anschlagspläne gegen das WEF vor. Dennoch nehmen die Verantwortlichen die Situation ernst: Sie gehen von einer erhöhten Bedrohung aus.

Die Lage sei ruhig, sagte der Kommandant der Bündner Kantonspolizei, Walter Schlegel. Er ist Gesamtverantwortlicher für die Sicherheit am WEF. Seit den Anschlägen im November in Paris werden jedoch auch Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürteln als potenzielle Gefahr gesehen.

Halter und Schlegel.
Legende: WEF-Sicherheitschef Walter Schlegel (r.) neben Divisonaer Jean-Marc Halter, Kommandant des Militäreinsatzes. Keystone

Die Sicherheitskräfte haben darauf mit verschiedenen Massnahmen reagiert. Die nachrichtendienstliche Aufklärung wurde schon im Vorfeld des WEF stark intensiviert. Zudem wurde in Davos die Polizeipräsenz erhöht und die Kontrollen ausgeweitet. Alle involvierten Polizeikorps absolvierten Spezialausbildungen in Terrorbekämpfung.

Unterstützung anderer Kantonspolizeien und der Armee

Die Bündner Kantonspolizei wird unterstützt von Polizeikräften aus der ganzen Schweiz. Deren Anzahl wird nicht bekanntgegeben. Die Armee ist mit 4500 Personen im Einsatz, 95 Prozent davon Milizsoldaten.

Hauptaufgabe der Armee ist die Wahrung der Lufthoheit und der Luftpolizeidienst. Dazu kommen Objekt- und Personenschutz, die Abwehr biologischer und chemischer Waffen und die Logistik. Ausserdem half die Armee bei den Aufbauarbeiten und stellte unter anderem 46 Kilometer Absperrgitter auf.

Keine Einflussnahme ausländischer Sicherheitsdienste

In den Grundzügen ist das Sicherheitsdispositiv laut Schlegel gleich wie in den Vorjahren. Auf Terrorismus ist es ist seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA ausgerichtet.

Involviert sind laut dem Polizeichef sämtliche nachrichtendienstliche Stellen der Schweiz, ebenso die Nachrichtendienste der Nachbarländer sowie die wichtigsten Nachrichtendienste der Welt. Die ausländischen Dienste lieferten Informationen. Direkt beeinflussen könnten sie die Arbeit der Schweizer Sicherheitskräfte aber nicht.

«Unser Einsatz folgt den Standards für internationale Kongresse», erklärte Schlegel. Zwar würden einzelne Staaten versuchen, Auflagen zu machen, aber die Schweizer würden sich keinem Einfluss unterwerfen. «Wir definieren, wo sich ausländische Personenschützer aufhalten dürfen und welche Kompetenzen sie haben», sagte der Sicherheitschef.

VIP-Schutz als grösste Herausforderung

Als grösste Herausforderung bezeichnete Schlegel die besonders hohe Anzahl von wichtigen Personen (VIP), bei denen völkerrechtliche Schutzverpflichtungen bestünden. Rund 100 der 2500 Teilnehmer, etwa Staats- und Regierungschefs und Angehörige von Königshäusern, würden in besonderem Umfang geschützt. Eine Erleichterung für den Sicherheitseinsatz ist hingegen, dass keine Demonstrationen angesagt sind – zum zweiten Mal seit Jahren.

Wie jedes Jahr gleicht Davos einer Festung. Die zwei Zufahrtswege durch das Prättigau und das Landwassertal werden kontrolliert, vier Sicherheitszonen im Ort können nur mit Bewilligung betreten werden, und auch Hotels sind gesichert.

26 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Zitat Papst Franziskus: "DIESE WIRTSCHAFT TÖTET". Wenn die finanzielle Schieflage in der Welt weiter fortschreitet, ist die Demokratie gefährdet. Es folgt Gewalt. Die Globalisierung funktioniert nur wenn eine gewisse Solidarität die Ärmsten auch telhaben lässt. Heute dominiert aber der angloamerikanische Finanzkapitalismus definiert Werte von Unternehmen einzig über die Interessen der Aktionäre, niemals über die Interessen der Arbeitskräfte, der staatlichen Steuereinnahmen oder der Natur.
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Papst Franziskus mag das gesagt haben. Aber im Kontext von Sicherheitskräften denkt man wohl eher daran, dass er selbst ein potenzielles Ziel von gewaltbereiten Islamisten ist.
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Die Lage sei ruhig, sagte der Kommandant der Bündner Kantonspolizei, Walter Schlegel. Er ist Gesamtverantwortlicher für die Sicherheit am WEF. Seit den Anschlägen im November in Paris werden jedoch auch Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürteln als potenzielle Gefahr gesehen." Die können tatsächlich auch enormen Druck und Macht ausüben.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    Ich würde eher sagen, erhöhte Bedrohung durch das WEF. Treffen sich doch dort die Leute, welche für die aktuelle Lage verantwortlich sind. Damit meine ich die Personen, welche die völkerrechtswidrigen Kriege im Osten zu verantworten haben und auch die, welche an diesen Kriegen eine goldene Nase verdienen.
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