Humanitäre Anleihen statt Spenden – die Lösung?

Syrien, Libyen, Jemen: Die Kosten der Konflikte steigen. In der Not ist das IKRK erfinderisch geworden und stellte am WEF ein neues Finanzierungsmodell vor: Humanitäre Anleihen. Sie sollen private Anleger mobilisieren, um Opfern von Krisen zu helfen – und an der Verbesserung ihrer Lage zu verdienen.

IKRK-Präsident Peter Maurer spricht am WEF in Davos über die Herausforderungen der humanitären Hilfe.

Bildlegende: IKRK-Präsident Peter Maurer spricht am WEF in Davos über die Herausforderungen der humanitären Hilfe. Keystone

Es ist eine Kooperation von privaten Anlegern, dem IKRK und staatlicher Entwicklungshilfe, die Charles-Antoine Janssen anstrebt. Er hat den humanitären Bond entworfen und spricht von einer riesigen Innovation bei der Erschliessung von Hilfsgeldern. 90 Millionen Menschen leiden in Entwicklungsländern und Krisenregionen unter Invalidität. Ihnen soll das Geld von privaten Anlegern helfen.

Er erklärt die Idee so: Ein Investor kann in humanitäre Bonds des IKRK investieren. Das Geld finanziert Rehabilitationszentren in Ländern wie Afghanistan, der Zentralafrikanischen Republik oder dem Jemen. Nach fünf Jahren wird gemessen, ob die besagten Projekte erfolgreich sind. Ausschlaggebend ist zum Beispiel ist die Anzahl rehabilitierter Personen im Verhältnis zum personellen Aufwand.

Zehn Prozent Rendite wegen hohem Risiko möglich

Eine unabhängige Stelle misst den Erfolg, und bei positivem Ergebnis erhalten die Investoren einen Gewinn ausgeschüttet. Circa zehn Prozent werde dieser Gewinn betragen, sagt Janssen. Denn das politische Risiko in Krisenländern sei hoch.

Das sei für den Versicherungskonzern Zurich durchaus interessant, sagt Risikochefin Cecilia Reyes. Und der Gewinn sei doppelt, finanziell und sozial. Humanitäre Bonds seien eine sehr willkommene Diversifizierung des Portfolios.

Ungewöhnlich ist beim finanziellen Instrument, dass Regierungen und staatliche Organisationen für die möglichen Gewinne der Investoren aufkommen.

So ist Alexander de Croo, Vize-Premierminister von Belgien, bereit, im Falle des Erfolgs der Projekte einen Teil der belgischen Entwicklungsgelder zur Verfügung zu stellen, um die privaten Investoren zu vergüten. Denn angesichts der vielen Krisenherde sei es dringend nötig, die Privatwirtschaft für die humanitäre Hilfe zu mobilisieren, sagt de Croo. Worüber man schon lange spreche, mache die finanzielle Innovation des IKRK nun möglich.