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WEF 2016 Künstliche Intelligenz: Wann übertreffen Maschinen ihre Schöpfer?

Für die nächste industrielle Revolution braucht es Geräte und Maschinen, die schlau sind. Schon heute kennen wir solche künstlichen Intelligenzen – Suchmaschinen, selbstfahrende Autos oder Smartphone-Assistenten zum Beispiel. Experten wie Stuart Russell aber sind überzeugt: Das ist erst der Anfang.

Was ist künstliche Intelligenz? Fragen wir Siri, die freundliche Smartphone-Assistentin. «Ich habe das hier gefunden», antwortet die Computerstimme. Und spuckt einen Wikipedia-Eintrag aus, den sie im Internet gefunden hat. Eine wirklich intelligente Antwort ist das nicht.

Stuart Russell, Professor in Berkeley, hier beim WEF in Davos.
Legende: Was ist künstliche Intelligenz? Spannende Antworten von Stuart Russell, Professor in Berkeley, hier beim WEF in Davos. Swiss-image.ch/ Moritz Hager

Fragen wir also jemanden, der es besser weiss. Stuart Russell, Professor für Informatik an der University of California in Berkeley, ist einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz.

Im Kleinen längst Realität

Was ist künstliche Intelligenz? Es gehe darum, so der Experte, Computer noch schlauer zu machen als sie ohnehin schon sind. So schlau, dass sie sich Dinge selbst beibringen können. Dass sie ihr Verhalten von selbst an bestimmte Gegebenheiten anpassen, ohne dass ein Mensch das vorher programmieren muss.

Was wie Science-Fiction tönt, ist – im Kleinen zumindest – längst Realität. Siri etwa, die Smartphone-Assistentin, ist eine Form künstlicher Intelligenz. Sie kann Sprache erkennen und lernt mit der Zeit immer besser, auf die Wünsche ihrer Benutzerinnen und Benutzer einzugehen. Ein anderes alltägliches Beispiel seien Suchmaschinen, sagt Stuart Russell. «Sie sind recht einfache künstliche Intelligenzen, die von selbst herausfinden, welche Suchresultate uns am meisten interessieren.»

Auch selbstfahrende Autos, wie sie etwa Google erfolgreich getestet hat, sind ein Beispiel für künstliche Intelligenz: Die Fahrzeuge können von selbst die Verkehrslage einschätzen und bei Gefahr schneller bremsen als jeder Mensch.

Künstliche Intelligenz ist nicht gleich künstliche Intelligenz

Allerdings – und diese Unterscheidung ist wichtig – mit dem, was wir gemeinhin als Intelligenz verstehen, lassen sich solche Systeme nicht vergleichen. Denn die künstlichen Intelligenzen, die heute schon im Einsatz sind, haben jeweils nur einen spezifischen Zweck. Der Computer, der das Google-Auto steuert, kann zwar den Strassenverkehr meistern. Müsste er aber Schach spielen, wüsste er nicht, wo anfangen.

Die Wissenschaft unterscheidet deshalb zwischen «narrow artificial intelligence» - künstlicher Intelligenz, die auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiert ist – und «general artificial intelligence» - künstlicher Intelligenz, die, zumindest theoretisch, keine Grenzen kennt. Doch um eine solche künstliche Intelligenz möglich zu machen – eine, die dem Menschen in fast allen Belangen überlegen wäre – seien noch einige wissenschaftliche Durchbrüche nötig, so Stuart Russell.

Die Fiktion ist da schon weiter: Im Kino kam menschenähnliche künstliche Intelligenz in den vergangenen Jahren entweder als Romanze vor wie im Film «Her» oder als Schreckensvision wie in «Ex Machina».

Es gibt keinen Grund zu glauben, dass man die Evolution nicht noch übertreffen könne.
WEF-Teilnehmer mit Virtual-Reality-Brillen
Legende: WEF-Teilnehmer nehmen eine Auszeit in der virtuellen Realität Keystone

Experte Russell hat keinen Zweifel daran, dass es irgend einmal eine künstliche Intelligenz geben wird, die der des Menschen gleich kommt – und sie sogar übertrifft. «Es gibt wirklich keinen Grund zu glauben, dass das unmöglich ist», sagt er. Unser Gehirn schaffe das ja auch – und es gebe keinen Grund zu glauben, dass man die Evolution nicht noch übertreffen könne.

Auf einen Zeitpunkt, wann das möglich sei, will sich Russell nicht festlegen. Doch für die Forschung sei es wichtig, sich auf dieses Ereignis vorzubereiten. Indem sie ihre künstlichen Intelligenzen streng kontrolliere, ihnen klare Aufgaben und Ziele gebe, die sich nicht plötzlich gegen die eigenen Schöpfer wenden könnten – gegen die Menschen. Denn, so mahnt Stuart Russel, wenn ein System erst einmal intelligenter sei als man selbst, dann lasse es sich kaum mehr kontrollieren.

18 Kommentare

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  • Kommentar von Mike Baumgartner (Mike47)
    Siri? Ich rede doch nicht mit einem Handy!!! Selbstfahrende Autos? Ich fahre selber ganz gerne, danke!! Bei mir stossen die Computerfirmen wohl auf Granit, denn ich bin ein Mensch mit Initiative. Ich agiere einfach selbst viel lieber!! Sollen doch die Computer- und Roboterheinis ihre schönen neuen Apparate, mit denen sie das ganz grosse Geld wittern, selbst benutzen!!
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    1. Antwort von Chuck Müller (Chuck)
      Sie können dem Wandel nicht entkommen. Technologie wird Ihr leben dominieren, auch wenn Sie nicht daran Teilhaben. Zeitungsberichte werden von Computern geschrieben, Ihr Geld auf der Bank von Computern gemanaged, in Läden und Restaurants werden mehr und mehr Roboter zu finden sein. Und es wird der Tag kommen, an den nicht-selbstfahrende Autos verboten werden.
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    2. Antwort von Martin Steffen (_ms)
      @ Chuck Müller, Seuzach: Und genau das ist das Fatale an der ganzen Entwicklung - ich habe keine Wahlmöglichkeit, kann Big Data und dem IoT nicht entrinnen! Genau das ist "Google/US Totalitarismus", Massen(selbst)versklavung! Die Mehrheit macht dabei begeistert und "hörig" mit und findet die "moderne" Welt zumindest vorerst noch soooo cool und soooo bequem...
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Die künstliche Intelligenz ruft bestimmt bei vielen Hoffnung und Zukunftsträume aus. So wird es in Zukunft nie mehr Schuldige geben, wo künstliche Intelligenz eingesetzt ist. Ich gehe davon aus, dass auch die künstliche Intelligenz, intelligentere Betrügereien bewerkstelligen kann, als dies VW-Häuptlinge getan haben. Vielleicht sind die Roboter dann wirklich so intelligent, dass kein Mensch solche Betrügereien überhaupt aufdecken kann. Nur weiter so - wir schaffen das!
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  • Kommentar von Peter Isler (SchweizerQualität)
    Künstliche Intelligenz wird kommen. Aber sie darf nicht; wir werden sie nicht kontrollieren können. Wir Forscher müssen an uns selber appellieren, diese Grenze nicht zu überschreiten, auch wenn möglich. @U. Schüpbach: Sie hören sich an wie der Pferdekarrenverkäufer, der argumentiert hat, dass sein Geschäft schon seit Jahrhunderten funktioniere und irgend so ein lautes, stinkendes Gefährt wie das Auto dieses bestimmt nicht gefährden werde...
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