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WEF 2018 Europa, Europa, Europa

  • Grosser Europa-Tag am WEF: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben ihre mit Spannung erwarteten Reden gehalten.
  • Merkel warb in Davos für gemeinsame Lösungen in Weltkrisen und mahnte eine gemeinsame EU-Aussenpolitik an.
  • Auch Macron warnte vor einer Zersplitterung der Welt und forderte eine «Neugründung» Europas.

Zwei Jahre hatte sie den grossen Auftritt in Davos gemieden. Nun hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel eine umfassende Rede gehalten. «Deutschland will ein Land sein, das auch in Zukunft seinen Beitrag leistet, um gemeinsam in der Welt die Probleme der Zukunft zu lösen», sagte Merkel beim Weltwirtschaftsforum. Auch darum sei es so wichtig, dass Deutschland nun schnell eine neue Regierung bekomme.

Merkel zeigte sich aber auch selbstironisch über die harzigen Sondierungsgespräche im eigenen Land: «Deutschland will sich auch in Zukunft für die weltweite Zusammenarbeit einsetzen. Wenn Sie mir die Daumen drücken, dass wir eine Regierung bekommen, wird das noch besser gehen.»

Legende: Video Merkel scherzt über Sondierungsgespräche abspielen. Laufzeit 0:36 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.01.2018.

Plädoyer gegen Abschottung

Ohne US-Präsident Donald Trump zu erwähnen, der am Freitag in Davos spricht, sagte Merkel: «Wir glauben, dass Abschottung uns nicht weiterführt. Wir glauben, dass wir kooperieren müssen, dass Protektionismus nicht die richtige Antwort ist.» Wenn man der Meinung sei, dass die Dinge nicht fair zugingen, müssten multilaterale und nicht unilaterale Lösungen gesucht werden. Angesichts der Katastrophen des 20 Jahrhunderts mit den beiden Weltkriegen fragte Merkel: «Haben wir nun wirklich gelernt aus der Geschichte, oder haben wir es nicht?».

Eine konkrete Antwort auf die Vorschläge des französischen Präsidenten Emmanuel Macron für eine Reform der EU gab sie auch diesmal nicht. Macron habe zusätzlichen Schwung in die EU gebracht. «Das wird uns stärken», sagte sie. So werde gemeinsam an einer Reform der Unternehmenssteuer in Europa gearbeitet.

Merkel mahnte jedoch auch eine engere Zusammenarbeit der EU-Staaten in der Aussenpolitik an. «Wir müssen unser Schicksal mehr in die eigene Hand nehmen», sagte sie. «Die einheitliche europäische Aussenpolitik ist noch nicht ausreichend entwickelt.» Das sei aber vor allem deswegen notwendig, weil ein Grossteil der globalen Konflikte «vor unserer Haustür stattfindet». Als Beispiel nannte die Kanzlerin den Syrien-Konflikt. Bei den Versuchen einer Lösung der Krise dort hat die EU so gut wie keine Rolle gespielt

Macron fordert «Neugründung» Europas

Macron stellte auch am WEF Europa ins Zentrum. Frankreich werde nie Erfolg haben können ohne den Erfolg Europas. «Deshalb brauchen wir eine wirkliche Neugründung Europas.»

2018 werde das Jahr, in dem eine neue europäische Strategie auf den Weg gebracht werden müsse. Denn Europa werde als Gegenpart zu den USA und China benötigt, so Emmanuel Macron. «Unsere Vorstellungen von Freiheit, Fairness und Gerechtigkeit, der Freiheit des Einzelnen – die Ausgewogenheit dieser Werte gibt es nur in Europa. Und wenn wir eine Zersplitterung der Welt vermeiden wollen, dann brauchen wir ein stärkeres Europa.»

Frankreichs Präsident plädierte schliesslich dafür, die Globalisierung positiv zu gestalten: «So schaffen wir auch eine Stabilität, die gut für die Bevölkerung ist.» Die entsprechenden Lösungen und Technologien dafür wären vorhanden. Es liege jetzt an den Regierungen und Unternehmen. Sie müssten sich die Frage stellen: «Wollen wir das und wann beginnen wir damit?» Die Antwort ist Macron klar: «Jetzt!»

Legende: Video Macron fordert stärkeres Europa abspielen. Laufzeit 2:24 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.01.2018.

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56 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    So lange Merkel und Macron hinter den US-Mächtigen hinterherrennen und nicht erkennen, dass auch Putins Russland (mindestens westlich des Ural) zu Europa gehört, sollten sie vorsichtiger argumentieren. Europa soll nicht jeden Blödsinn (Kriege, Sanktionen) der USA nachäffen. Russland muss nicht Europas *bestfriend" werden - aber Russland ist Europas Nachbar und mit Nachbarn soll man in Frieden leben.
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    1. Antwort von Peter Singer (P.S.)
      Russland ist für Europa ziemlich unwichtig. Die Wirtschaftsleistung ist weniger als halb so gross wie diejenige Deutschlands, obwohl Russland doppelt so viele Einwohner hat. Wichtig sind die USA und China. Was Sie mit Kriegen meinen, Weiss ich nicht. Russland hat ja nun auch in einigen Kriegen mitgemacht, zum Beispiel Syrien.
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    2. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      @P.S. Russland wurde von Assad gebeten, die Verteidigung Syriens zu unterstützen. Deshalb war Russlands Einsatz in Syrien legitim. Russland ist für Europa nicht unwichtig - oder kennen Sie Gazprom nicht??? Die Bodenschätze Russlands zusammen mit der Technologie Westeuropas könnte Europa und Russland zu einem veritablen Konkurrenten des US- Imperiums werden lassen. Das Will die US-Politik mit allen Mitteln verhindern.
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    3. Antwort von Martin Meier (M.Meier)
      @Singer: Ich bin immer wieder erstaunt, wie eingeengt manche Leute die Weltpolitik sehen. Wäre Russland für Europa wirklich so unwichtig, dann hätte man viel härtere Santkionen verhängt und man würde die Kriegsspielchen im Rahmen der NATO gegenüber Russland auslassen. Europa braucht Russland und umgekehrt, wir sind Nachbarn. Sie haben ziemlich eine komische Ansicht was Nachbarschaft angeht.
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    4. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Wenn ich nicht irre, hat Deutschland nach Ende des 2. WK nie einen Friedensvertrag unterschrieben. Also ist die USA immer noch Besatzungsmacht in Deutschland. Drum haben sie ja da auch noch eine Militärbasis inkl. Atombomben gelagert. Schröders:" Deutschland beteiligt sich nicht am Irak-Krieg, wurde er ja dann ganz unerwartet von Merkel als Kanzlerin abgelöst. Und man ihr Handy abhörte, abhört? ist eben Kontrolle pur, damit sie spurt.
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  • Kommentar von Andi L. (Resi44)
    Und wieder hat die EU auf ganzer Ebene versagt. Reden davon, dass Firmen wie Apple, Facebook etc auch in der EU besteuert werden sollen etc. Sollte die EU diese Firmen nun besteuern, müssen sie einen viel tieferen Steuersatz nehmen als was Trump nun in Amerika eingeführt hat . Dies führt aber nur Konflikten mit den einheimischen Firmen, da diese immer noch mehr zahlen müssen als die Anderen und diese werden dann alle die EU verlassen. Mal wieder konnte man feststellen, dass Trump schlauer war.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
      Was daran Schlau sein soll, erschliesst mir sich nicht! Aber eben es gibt Leute die zahlen gerne 2 und 3mal, und da fragen sich noch Leute wieso die Reichen Reicher werden. Angenommen es gibt Arbeitsplätze, wie Wertvoll sind die wenn ich weniger Bekomme um etwas Konkurrenzfähig zu sein, mehr Zahlen muss weil es Strafzölle gibt und mehr Steuern bezahlen muss weil mein Chef die Infrastruktur die wegen Ihm gebaut wird nicht selbst berappen will. So zieht der Arbeiter die Arschkarte!
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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Immer mal wieder ganz kurz auf die Übertragung der Rede gezappt: Und er redete und redete und redete.......ein Mensch, welcher sich sehr gerne reden hört & zur Zeit zu den grössten Selbstdarstellern in Europa zählt & die selben Ambitionen wie einst ein Vorgänger von ihm in Frankreich, - Napoleon hatte. Eine sehr bedenkliche Entwicklung. Aus der Geschichte gelernt, darf also nicht wundern, wenn die Menschen wieder zu mehr Nationalstaatlichkeit & Eigenbestimmung zurück wollen.
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