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Wirtschaft Wegen Frankenschock: Kleine Betriebe in grossen Schwierigkeiten

Noch zeigt sich der Schweizer Arbeitsmarkt relativ stabil. Doch abseits der Statistiken kämpfen gewisse Branchen seit der Aufhebung des Mindestkurses heftig – zum Beispiel die kleinen Maschinen-, Elektro- und Metallbetriebe. Sie haben bereits 2000 Stellen abgebaut. Weiteres Ungemach droht.

Ein Arbeiter in der Maschinenindustrie bei Alstom in Birr.
Legende: Bereits wurden rund 2000 Stellen bei den Zulieferern abgebaut – doch das könnte erst der Anfang sein. Keystone

Es ist der Appell eines Grossen, der hellhörig macht. ABB-Konzern-Chef Ulrich Spiesshofer warnte kürzlich an einer Veranstaltung: «Einige der Mittelständler wackeln momentan ganz massiv – vor allem kleinere.» Das weltweit tätige Unternehmen arbeitet mit kleinen Zulieferern, zum Beispiel in der Maschinen-, Elektro-, und Metallindustrie.

Sie haben im Durchschnitt etwa 30 Mitarbeiter, meist auch 1-2 Lehrlinge, bekommen von den Grosskunden Werkstücke und müssen diese verarbeiten – zum Beispiel ein Stück Blech zu einer speziellen Sägeform.

Die Betriebe haben also kein Material, das sie aus dem Ausland günstiger einkaufen könnten. Sie verrechnen den Gebrauch der Maschine und die Lohnkosten hier in der Schweiz – und da bleibt nicht viel Spielraum.

Es droht beträchtlicher Stellenabbau

Die Situation verschärfe sich, sagt Oliver Müller vom Verband Swissmechanic: «Fakt ist, dass die Betriebe in unserer Branche in der Regel mit Auftragsbeständen von 8-12 Wochen arbeiten. Wir müssen davon ausgehen, dass diese nach dem ersten Halbjahr bei allen aufgebracht sind.» Die Folge: Jetzt habe man neue Aufträge unter den veränderten Rahmenbedingungen finden müssen für das zweite Halbjahr, so Müller. «Und die waren mit wesentlich tieferen Preisen zu gewinnen, oder man hat gar keine Aufträge mehr bekommen.»

Viele der 1400 Unternehmen im Verband mit insgesamt 70'000 Mitarbeitern haben gemäss Müller mit längeren Arbeitszeiten, Kurzarbeit oder tieferen Löhnen reagiert. Aber bei einigen reiche das nicht, um zu überleben: «Ich bin überzeugt, dass in den nächsten Monaten noch einmal 2000-5000 Stellen in der Maschinenindustrie verloren gehen.»

Wir müssen uns durch die schwierige Zeit gemeinsam durchnavigieren.
Autor: Ulrich SpiesshoferABB-Konzernchef

Denn auch grosse Schweizer Kunden, die exportieren, seien unter Druck und müssten den Preis drücken. Denn innerhalb von Sekunden wurde im Januar dasselbe Produkt aus der Schweiz 15 Prozent teurer als im Ausland.

ABB-Chef Spiesshofer möchte die Kleinen zwar unterstützen, weil auch er auf die lokalen Zulieferer angewiesen ist: «Wir müssen uns durch die schwierige Zeit gemeinsam durchnavigieren.» Indem ABB zum Beispiel das Wissen von gewissen Ein- und Verkaufsprozessen weitergibt. Aber auch das dürfte nicht reichen und die Zeit für die kleinen Betriebe wird enger und enger.

20 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Die Grossen haben ihre Aufträge ja sicher, ihnen bringt der starke Franken viele Vorteile weil sie alle Rohstoffe und Zukaufteile aus dem Ausland um 20% billiger einkaufen, die Arbeitskräfte sind aus der Personenfreizügigkeit günstig rekrutiert und schlagen nicht zu Buche, Ich frage mich nur noch eines, warum produzieren die überhaupt noch in der Hochpreisinsel CH Maschinen ? Senken wir die Kosten auf allen Ebenen auf das Niveau von der EU, dann hört die Zuwanderung aus der EU von selbst auf.
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Die Löhne sind meines Erachtens nur ein Grund warum man in die Schweiz geht. Man frage doch bitte mal seine eingewanderten Arbeitskollegen warum sie in die Schweiz kamen.
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Der BR hat sofortigen Handlungsbedarf und nicht Ferien zu machen ! Die Umverteilung der Gelder in diese Betriebe haben Dringlichkeitsstufe 1 . Andernfalls wird das immense Volkswirtschaft -Schäden hinterlassen ! Hinterher jammern hilft NULL, seht EU und Griechenland ! Und die Oligarchen in der CH haben auch mitzuhelfen nicht ins Gejammer einstimmen .
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Wenn ein Kleinbetrieb einmal ein gutes Jahr hat, mit überdurchschnittlichem Gewinn, kommt der Steuervogt und nimmt ihm eine satte Gewinnsteuer aus der Tasche, anstatt bei Kleinbetrieben, Gewinne unter einer Million als Betriebs - Reserven zu sehen, wenn die Gewinne im Unternehmen bleiben . Was machen die meisten Kleinunternehmer, sie wachsen sich zu Tode um den zu hohen Steuern auszuweichen . Dann kommt die Kriese mit Auftragseinbruch und schon folgen die Entlassungen bis zum bitteren Ende !
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