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Wirtschaft Wegen Live-Sportübertragungen: Millionenbusse für Swisscom

Die Wettbewerbskommission büsst die Swisscom mit 71,8 Millionen Franken. Bei der Live-Übertragung von Spielen der Schweizer Fussball- und Eishockeymeisterschaft im Pay-TV habe die Swisscom mit ihren Tochtergesellschaften ihre marktbeherrschende Stellung missbraucht.

Legende: Video Hohe Weko-Busse für Swisscom abspielen. Laufzeit 01:44 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.05.2016.

Die Swisscom hat bei der Live-Übertragung von Schweizer Fussball- und Eishockeyspielen im Pay-TV ihre marktbeherrschende Stellung bissbraucht. Zu diesem Schluss kommt die Wettbewerbskommission Weko. Sie büsst die Swisscom deshalb mit 71,8 Millionen Franken.

Die Swisscom hält über ihre Tochtergesellschaften Cinetrade und Teleclub die Rechte für die Übertragung der Schweizer Fussball- und Eishockeymeisterschaft. Sie habe einigen Konkurrenten jegliches Angebot für die Ausstrahlung von Live-Sport verweigert, schreibt die Weko. Anderen Konkurrenten wie beispielsweise Cablecom habe Swisscom nur Zugang zu einem reduzierten Sportangebot gewährt. Damit habe die Swisscom ihre Marktbeherrschung in mehrfacher Hinsicht missbraucht.

Diskriminierungen der anderen Kunden

Man habe nichts dagegen, dass die Swisscom einen Preis verlange. Aber sie darf nicht diskriminieren, sagt Rafael Corazza, Direktor der Weko. So habe die Swisscom Kunden, die das Teleklub-Angebot nutzen wollten, genötigt, zugleich noch ein anderes Paket kaufen zu müssen. Ein Kunde, der bei Swisscom eingekauft habe hingegen nicht.

Kamera bei einem Fussballspiel
Legende: Die Swisscom-Tochter Teleclub überträgt die Spiele der Fussball- und Eishockeymeisterschaft im Pay-TV. Keystone

Swisscom akzeptiert Millionen-Busse nicht

Die Swisscom zeigt sich dagegen überzeugt, sich beim Vermarkten von Sportinhalten rechtmässig zu verhalten und bezeichnet die von der Weko verhängte Sanktion als «ungerechtfertigt». Die Rechte seien in einem offenen Verfahren erworben worden und die hohen Investitionen würden die Verbreitung eines erweiterten Sportangebots über die eigene TV-Plattform rechtfertigen, heisst es. Die Verfügung der Weko werde nun detailliert geprüft und der Entscheid an das Bundesverwaltungsgericht und falls nötig an das Bundesgericht weitergezogen.

Konkurrenz erfreut

Die Weko habe die Untersuchung in diesem Fall im April 2013 aufgenommen und im Juli 2015 habe das Sekretariat noch beantragt, eine Busse von 143 Millionen Franken auszusprechen, so die Swisscom. Auch in Anbetracht dieser Umstände erachte Swisscom die Chancen im Rechtsmittelverfahren für intakt und nehme daher vorerst keine Rückstellungen vor.

Begrüsst wird die Busse der Weko dagegen von Konkurrentin UPC Cablecom. Die Weko habe die von UPC Cablecom stets vertretene Ansicht bestätigt, wonach Swisscom «seit Jahren eine illegale Verbreitungspraxis von Sportprogrammen anwendet». Auch Suissedigital, der Wirtschaftsverband der Schweizer Kommunikationsnetze, begrüsste den Entscheid in einer Medienmitteilung.

Weko-Chef Corazza wünscht sich für die Zukunft, dass die Konkurrenten die Fernsehrechte direkt ersteigern würden. «Wir hoffen, dass mit der nächsten Ausschreibung nicht wieder eine marktbeherrschende Stellung entsteht, sondern dass mehrere Anbieter sich Pakete ersteigern. Wir haben das aber selber nicht in der Hand.»

Aktie nur leicht im Minus

An der Börse wirft die Weko-Busse keine grossen Wellen. Die Swisscom-Aktien sind zwar tiefer in den Handel gestartet, haben die anfänglichen Verluste im bisherigen Handelsverlauf aber weitgehend wettgemacht.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Rosenberg (Amadeus)
    Versagt haben unsere Verbandschnuschtis. Es zeigt einmal mehr, dass diese Damen und Herren ihren Aufgaben in keinster Weise gewachsen sind. Es würde mich absolut nicht wundern, wenn auch nach dieser anstehenden Neuvergabe die Hälfte der CHer keinen oder nur einen Teilzugang zu den Spielen haben. Um Spiele der NLA zu konsumieren, brauche ich zwingend ein Swisscom Abo und das ist stossend. Daher hoffe ich, dass die Strafe erhalten bleibt, oder sogar noch erhöht wird.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Tja, und diese horrende Busse hat der gut bezahlte Manager mit seiner Strategie zu verantworten, gell? Wie war das nochmals? Wir streben nach Gewinn? Die Busse ist ja von den Steuerabgaben abziehbar. Fazit: Ein fettes Ja! zur Service Public-Initiative!
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Manuela Fitzi: Wenn Sie einzig deswegen Ja stimmen und diese naive Initiative angenommen wird, gibt es entweder gar keine Sportübertragungen mehr oder die Sportübertragungen werden von sehr grossen deutschen privaten und gewinnorientierten Fernsehkonzernen übernommen. Das Urteil ist eine normale Auseinandersetzung zwischen Firmen, die im Wettbewerb stehen. Mit Service Public wollen ewiggestrige Nostalgiker zurück in die 50er Jahre. Da haben wir dann nix mehr zu sagen zu Sportübertragungen.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      @Th. Leu: Ich sehe Ihren Punkt, und tatsächlich tönt es nach Nostalgie von den Initianten. Ich habe jedoch zwei Punkte angesprochen: nebst Mgr.Lohn auch den Grad an Gewinnorientierung, der Swisscom zu dieser risikofreudigen Entscheidung verleitet hat. Den Menschenschlag will ich nicht mit meinen Steuergeldern finanzieren. Ich bin sicher, dass das Parlament ein Gesetz ausarbeiten wird, was eine angemessene Umsetzung ermöglicht. Sprich: Punktuell werden Inhalte einfach nicht umgesetzt. Siehe MEI.
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    3. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Manuela Fitzi: Die Gewinne der Swisscom fliessen über grosszügige Dividendenausschüttungen zum Bund, sind also für die Gesellschaft nicht verloren. Die Swisscom ist, im internationalen Vergleich, ein eher vorsichtiger Konzern und auch die paar Managerlöhne sind moderat. Aber: Das Telekomgeschäft in der heutigen Zeit ist extrem schnelllebig und risikoreich. Da kann mal das eine oder andere schieflaufen; Geschäftsrisiko. Als Staatsbetrieb wäre so ein Betrieb in diesem Umfeld zu schwerfällig.
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